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Marburg Teures Vergnügen? Nicht unbedingt
Marburg Teures Vergnügen? Nicht unbedingt
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10:00 09.06.2022
Blick auf die historische Altstadt von Dubrovnik, eines der beliebtesten Touristenziele in Kroatien.
Menschen sonnen sich am Strand von Arenal auf Mallorca. Quelle: EPA
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Marburg

Zwei Jahre lang machte die Corona-Pandemie Urlaubsreisen unmöglich oder zumindest sehr kompliziert. In diesem Sommer müssen Reisewillige nun oft deutlich tiefer in die Urlaubskasse greifen – aufgrund der Auswirkungen des Krieges in der Ukraine und der allgemein steigenden Preise. Doch es gibt weiterhin vergleichsweise günstige Ziele.

Auch Gabriele Eckhardt, Inhaberin des gleichnamigen Marburger Reisebüros, stellt mit Freude fest: „Die Menschen sind wieder unternehmungslustig“, das zeige sich in ihrem Geschäft sehr deutlich seit Februar – mit einer Phase der Zurückhaltung direkt nach Beginn des Krieges in der Ukraine Ende Februar. Viele hätten noch wegen der unklaren Corona-Lage lange gezögert und planen nun nach Aufheben der meisten Einschränkungen ihre Ferien.

Kein Geheimtipp

Doch wohin, wenn man sich erst jetzt für eine Reise in diesem Sommer entschieden hat? Gabriele Eckhardt gibt zu, dass sie auch nicht den einen „allgemeingültigen“ Geheimtipp hat, dazu seien die Interessen, die persönlichen Voraussetzungen und Vorlieben zu verschieden – und natürlich das zur Verfügung stehende Budget.

Wer möglichst günstig in die Sonne will, der wird weiterhin in Richtung Türkei, Mallorca oder Tunesien schauen, sagt Eckhardt. Geldbeutelschonend seien auch Ziele an der Schwarzmeerküste, etwa in Bulgarien, aber diese würden bisweilen als nicht ganz so attraktiv empfunden, meint sie.

Konkret sparen lasse sich bei Flugreisen vor allem durch die Länge der Strecke – logisch, denn je länger man zu seinem Urlaubsort fliegt, desto stärker schlagen sich auch Treibstoffkosten im Gesamtpreis nieder. Günstigere Preise bekomme oft auch, wer bei Abfahrtsort oder -zeiten flexibel ist, so Eckhardt: „Die nicht so beliebten Abflugzeiten, etwa sehr früh morgens oder später am Abend sind häufig auch billiger.“

Neben den steigenden Preisen für Lebensmittel, Personal oder Energie, die jeden gleichermaßen treffen, also auch die Anbieter vor Ort, seien höhere Preise besonders auch bei Mietwagen oder Wohnmobilen zu erwarten. Durch die fehlenden Kunden in der Coronazeit seien viele Fuhrparke entsprechend drastisch verkleinert worden, jetzt gebe es schlicht Engpässe bei den verfügbaren Fahrzeugen, was sich preistreibend bemerkbar mache, so Gabriele Eckhardt. Ansonsten helfe, bei der Reiseplanung auf Zusatzleistungen zu verzichten, die man vor Ort ohnehin nicht nutzen würde.

Ob man als Frühbucher oder als „Last-Minute-Typ“ in diesem Reisejahr besser fährt, lässt sich generell nicht abschätzen, meint die Reiseexpertin. Sie geht aber davon aus, dass die Reiseveranstalter nicht unbedingt gezwungen seien, so viele nicht ausgeschöpfte Kontingente an Flügen oder Hotelzimmern über Last Minute abzugeben wie vor der Pandemie. Auch hier habe Corona vieles verändert. Die Veranstalter hätten oft weniger Kontingente gekauft oder müssten weniger garantiert abnehmen. „Das könnte bedeuten, dass kurzfristig dann nicht so viel im Angebot ist“ – was höhere Preise zur Folge hätte.

Warum Reisen teurer wird

Eine aktuelle Analyse des Bewertungs- und Buchungsportals Holidaycheck zeigte im Mai eine zweistellige prozentuale Preissteigerung in den wichtigsten Reiseländern gegenüber dem „Vor-Corona-Jahr“ 2019.

In Griechenland und Spanien müssten Urlauber demnach für vergleichbare Leistungen nun im Schnitt 16 Prozent mehr hinlegen als vor der Corona-Pandemie. Auch in Portugal und der Türkei seien die Preise in dieser Größenordnung gestiegen. Ägypten sei gar 27 Prozent teurer.

Gründe dafür sind laut Holidaycheck ein kleineres Angebot, weil einige Hotels die Corona-Krise nicht überlebt haben. Personalmangel bringe höhere Gehälter mit sich. Und natürlich sind da die zuletzt insgesamt deutlich gestiegenen Verbrauchskosten – unter anderem für Energie, Lebensmittel und andere Produkte – die auch vor Hotels und Fluggesellschaften nicht haltmachen.

Für die Auswertung hat das Portal nach eigenen Angaben den Buchungszeitraum vom 1. November 2021 bis zum 30. April 2022 mit dem gleichen Zeitraum vor drei Jahren verglichen. Der Deutsche Reiseverband wies die Beobachtung übrigens zurück. Dort sieht man keine besonderen Ausschläge nach oben oder unten.

OP-Tipps

Türkei - Antalya

Im türkischen Antalya gibt es eine Woche mit Flug und Hotel in der Hauptsaison Ende Juli/Anfang August ab etwa 650 Euro für eine Person. Eine Familie mit zwei Kindern unter 13 Jahren würde im gleichen Zeitraum ab etwa 2300 Euro für zwei Wochen einkalkulieren müssen.

Spanien - Mallorca

Für einen Alleinreisenden bewegen sich die günstigsten Angebote für Flug und Hotel derzeit bei 540 Euro (eine Woche Hauptsaison Ende Juli/Anfang August), für eine Familie mit zwei Kindern ginge es für zwei Wochen bei etwa 2600 Euro los.

Tunesien - Djerba

Die Insel Djerba ist traditionell ein beliebtes Ziel in Tunesien. Ein zweiwöchiger Familienurlaub dort wäre in den Sommerferien ab 3300 Euro zu haben. Ein einzelner Reisender müsste für eine Woche ohne Verpflegung immerhin mit 650 Euro aufwärts rechnen.

Kroatien - Dubrovnik/Istrien

Wer per Flugzeug in den Süden von Kroatien aufbrechen möchte, sollte für zwei Wochen mit Hotel in der Region Dubrovnik mit mindestens 3500 Euro für eine vierköpfige Familie rechnen. In Istrien ginge eine vergleichbare Reise bei 3000 Euro los.

Deutschland - Fehmarn

Wer in Deutschland bleibt und mit dem eigenen Auto oder der Bahn anreist, kommt mitunter deutlich günstiger weg als Flugreisende. Auf der Ostseeinsel Fehmarn wäre der zweiwöchige Familienurlaub Ende Juli/Anfang August ab 1660 Euro im Hotel oder Apartment (ohne Anreisekosten und Verpflegung) drin. Günstiger als an der deutschen Ostsee könnte man noch auf der polnischen Seite fündig werden – vor allem bei eigener Anreise.

Quelle für die Preisbeispiele: Check24, angenommener Reisezeitraum: zwischen dem 25. Juli und 8. August, Alleinreisender: 1 Woche Flug/Hotel/Frühstück, Familie mit Kindern im Alter von 8 und 12 Jahren: zwei Wochen nur Flug/Hotel/Frühstück (Stand: 8. Juni, Preise und Verfügbarkeit können sich zwischenzeitlich geändert haben)

Reiserecht

Ein Blick ins Kleingedruckte kann helfen.

Von Michael Agricola