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Marburg „Wir brauchen kreative Lösungen“
Marburg „Wir brauchen kreative Lösungen“
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10:00 09.04.2021
Frank Sommerlad zeigt, dass die Einhaltung von Hygienevorschriften und Abstandsgeboten in seinem großen Einrichtungshaus problemlos möglich wäre.
Frank Sommerlad zeigt, dass die Einhaltung von Hygienevorschriften und Abstandsgeboten in seinem großen Einrichtungshaus problemlos möglich wäre. Quelle: Privatfoto
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Marburg

Es ist für Frank Sommerlad, Geschäftsführer unter anderem der gleichnamigen Möbelhäuser in Gießen und Marburg, unerklärlich: „Warum gehören Blumenläden oder Baumärkte zu den Grundversorgern – und Möbelhäuser, in denen man elementar wichtige Einrichtungsgegenstände kaufen kann, nicht?“

Sowohl in Marburg – im Gewerbegebiet Afföller – als auch in Gießen im Schiffenberger Tal befinden sich die Sommerlad- und Somit-Häuser in unmittelbarer Nachbarschaft zu Baumärkten. „Dort sind die Parkplätze voll, entsprechend eng wird es in den Märkten zugehen“, sagt Sommerlad. Doch das sei nicht das Kernproblem. Denn für den Unternehmer ist klar: „Wir brauchen langsam einen Strategiewechsel, unabhängig von der Inzidenzzahl. Das Wegsperren der Menschen wie im Mittelalter funktioniert einfach nicht mehr.“

Es gebe derzeit „vier Instrumente, die wir richtig einsetzen müssen“. Testen sei wichtig, auch bei hohen Inzidenzzahlen, um Infizierte herausfiltern zu können. Das Impfen sei essenziell, auch „wenn wir da leider noch nicht richtig vorankommen“. Weiterhin Gültigkeit besäßen natürlich die AHA-Regeln.

Und dann müsse die elektronische Kontaktrückverfolgung der Kunden vorangetrieben werden. „In den drei Wochen, in denen wir ,click and meet’ anbieten durften, haben wir mit der Luca-App hervorragende Erfahrungen gemacht“, verdeutlicht Sommerlad. Die App ermöglicht eine digitale Nachverfolgung von Kontaktpersonen bestätigter Corona-Fälle per Smartphone im direkten Austausch mit dem zuständigen Gesundheitsamt. Ziel ist es, Kontakte lückenlos zu dokumentieren und fehleranfällige und möglicherweise unvollständige Papier-Kontaktlisten zu ersetzen. „Und außerdem ist das Handling für die Kunden super-einfach: Sie checken mittels eines auf dem Smartphone generierten QR-Codes bei uns ein – dabei bekommen wir keine Daten“, erläutert Sommerlad. Alles laufe verschlüsselt ab.

Für den Geschäftsmann steht fest, „dass wir lernen müssen, mit der Pandemie umzugehen und sie intelligent zu bekämpfen“. Denn es sei ja absurd zu glauben, „dass es im Baumarkt kein Virus gibt, bei uns aber schon“. In Bayern könnten die Kunden jetzt beispielsweise wieder in Schuhgeschäfte gehen, „weil der Schuhkauf dort nun gerichtlich als Grundbedürfnis festgestellt wurde“, sagt Frank Sommerlad. „Ist Kochen etwa kein Grundbedürfnis?“, fragt er – „dazu braucht es eine Küche.“

Im Vorfeld der Ministerpräsidenten-Konferenz vor vier Wochen hatte Sommerlad gemeinsam mit den Geschäftsführern von drei weiteren Möbelhäusern einen Brief an Hessens Ministerpräsidenten Volker Bouffier (CDU) geschrieben. Das Schreiben beinhaltete nicht nur ein detailliertes Sicherheits- und Hygienekonzept inklusive eines Stufenplans, der unter anderem den Einsatz von Schnelltests vorsieht, sondern auch eine hygienisch-medizinische Risikoanalyse des renommierten Hygiene- und Umweltmediziners Professor Martin Exner, die zum Ergebnis kommt, dass das entsprechende Konzept einen „sicheren Schutz“ vor Corona biete.

Doch passiert ist nichts. Die Möbelhäuser dürfen weiterhin lediglich „click and collect“ anbieten – also das Abholen von Ware nach Vorbestellung. „Das ist bei unseren beratungsintensiven Produkten natürlich schwierig“, sagt Sommerlad. Auch wenn man natürlich auf Themen wie Videoberatung oder in puncto Küchen auf Berater im Außendienst setze. „Doch das deckt unseren Kernbereich nicht komplett ab, außerdem bekommen wir auch keine Überbrückungshilfe“ – die Folge, wie bei vielen Unternehmen: Zahlreiche Mitarbeiter in Kurzarbeit.

Was ist der Ausweg? „Mehr testen und schneller impfen. Dabei muss das Testen einfacher werden, gerade für junge Leute“, sagt der Unternehmer. Es nutze nichts, wenn jeder zwar wöchentlich ein Anrecht auf zwei kostenlose Corona-Tests habe, aber das Testzentrum zu weit weg oder zu bürokratisch sei. Auch dort müsse stärker auf Digitalisierung und schnelleren Zugang gesetzt werden, quasi für ein „Spaß haben am Testen. Denn: Über Eingrenzungen und Verbote werden wir nicht mehr weiterkommen – das lassen die Leute nicht mehr mit sich machen, sie leiden unter den Einschränkungen“, sagt Frank Sommerlad.

Von Andreas Schmidt

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