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Marburg „Solidarischer Shutdown statt Placebo-Bremse“
Marburg „Solidarischer Shutdown statt Placebo-Bremse“
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21:17 27.04.2021
Mit Plakaten und Transparenten zogen Montagabend nach 22 Uhr rund 200 Menschen durch Marburg.
Mit Plakaten und Transparenten zogen Montagabend nach 22 Uhr rund 200 Menschen durch Marburg. Quelle: Nadine Weigel
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Marburg

Pünktlich zur Ausgangssperre um 22 Uhr gingen rund 200 Menschen auf die Straße, um gegen selbige zu demonstrieren. Die durch die „Bundesnotbremse“ in Kraft getretenen Ausgangssperren seien lediglich „ein symbolischer Akt, der den privaten Leidensdruck noch erhöhe“, waren sich die Demonstrierenden einig. Schließlich hätten führende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler – zum Beispiel aus der Aerosolforschung – hinlänglich dargelegt, dass sich der Großteil des Infektionsgeschehens in Innenräumen – also beispielsweise auf der Arbeit, in der Produktion sowie in der Schule – abspiele. Deshalb forderten die Demonstrierenden „echte, verpflichtende Maßnahmen für Unternehmen“. 

In Sprechchören skandierten die ausnahmslos Masken tragenden Demonstrierenden: „Ausgangssperren sind blanker Hohn, Lockdown für die Produktion.“ Auch mit Schildern und Plakaten machten die Demo-Teilnehmer ihrer Kapitalismuskritik Luft. 

„Während wir auf privater Ebene stets eingeschränkt sind, kleine Betriebe schließen, Kulturschaffende und Soloselbstständige alleingelassen werden, werden große Unternehmen kaum merklich beschränkt“, betonte einer der Redner und kritisiert, dass Arbeitgeber zum Beispiel bisher nur „gebeten“ würden, Corona-Tests anzubieten.  Organisiert hatte die Demo ein Zusammenschluss mehrerer zivilgesellschaftlicher Gruppen, die eine „linke Kritik an den Corona-Maßnahmen üben und den Leerdenkerinnen und Leerdenkern nicht die Straße überlassen wollen“, wie es im Einladungstext hieß. 

Kritik: Wirtschaftsinteressen wichtiger als das Eindämmen der Corona-Pandemie

Die Aktivistinnen und Aktivisten warfen der Bundesregierung vor,  ihr Handeln rein an Wirtschaftsinteressen auszurichten anstatt zu versuchen, die Pandemie wirkungsvoll einzudämmen. Dies sei ein Schlag ins Gesicht  für das Personal in Krankenhäusern, das seit einem Jahr „die Corona-Politik ausbaden“ müsse. Statt einer „Placebo-Notbremse“ forderten sie einen kurzen, harten, solidarischen Shutdown. 

Der nächtliche Demonstrationszug sorgte in Marburg für Aufsehen. Zahlreiche Zuschauer des Livevideos auf der Facebookseite der OP äußerten ihr Unverständnis für die Aktion. Vor allem der gewählte Demo-Zeitpunkt stieß auf Kritik. Auch Leserbriefe zum Thema gingen bereits ein. So wandte sich zum Beispiel ein Marburger namens Moritz an die OP mit der Frage, wie es sein könne, dass „200 Leute zwei Tage nach Beginn der Notbremse nach 22 Uhr mit Genehmigung der Stadt Marburg durch die Straßen laufen können“. 

Doch dazu brauche es keine Genehmigung der Stadt, wie Patricia Grähling, Pressesprecherin der Stadt, auf Nachfrage der OP klarstellt. Eine Demo werde nicht von der Stadt genehmigt, sondern vom Veranstalter angemeldet. „In der Bundesnotbremse (§28b Absatz 4 Infektionsschutzgesetz) heißt es ausdrücklich, dass die Ausgangssperre nicht für Versammlungen nach Artikel 8 Grundgesetz – also für Demonstrationen gilt“, erklärte Grähling. 

Der Demonstrationszug, der am Bahnhof startete, lief über die Deutschhausstraße bis zum Elisabeth-Blochmann-Platz, wo es noch eine Abschlusskundgebung gab. Dort forderten die Aktivistinnen und Aktivisten zudem eine Lizenz-Freigabe der Corona-Impfstoffe. Nur mit einer effektiven Verteilung der Impfstoffe sowie einer Freigabe der entsprechenden Patente und der damit einhergehenden Intensivierung der Produktion könne die Pandemie besiegt werden, waren sich die Demonstrierenden einig.   

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