Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Marburg Wie bekomme ich Sonne auf’s Dach?
Marburg Wie bekomme ich Sonne auf’s Dach?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:59 27.06.2022
Strandkörbe im Sonnenschein
Strandkörbe im Sonnenschein Quelle: Bodo Marks
Anzeige
Marburg

Seit den rasant steigenden Energiepreisen, wollen viele Hausbesitzer eigenen Strom erzeugen. Die Nachfrage: Wie funktioniert das? Mit einer Photovoltaik-Anlage auf dem Dach. Doch viele Hausbesitzer scheuen die Kosten. Die große Nachfrage sorgt zudem dafür, dass die Preise für Solarmodule innerhalb eines Jahres um rund zehn Prozent gestiegen sind. Ein weiterer Grund: Lieferengpässe, ausgelöst durch die Corona-Pandemie und die Ukraine-Krise.

Trotzdem kann sich eine Photovoltaikanlage auf dem Dach immer noch lohnen. Die Sonnenstunden in Deutschland sind hoch.

"Die Nachfrage explodiert"

Die Kosten für eine Photovoltaik-Anlage belaufen sich für ein Einfamilienhaus auf zirka 15 000 bis 30 000 Euro inklusive Batteriespeicher. „Die Nachfrage explodiert“, sagt Joakim Sames von Sames Solar. Mit der einmaligen Investition könne man 60 bis 70 Prozent des Stromverbrauchs selbst produzieren – auch wenn die Module nicht nach Süden ausgerichtet sind. Viele Kunden wollen zudem die Anlage nutzen, um ihr E-Auto mit eigenem Strom zu laden. „So zahlt man für 100 Kilometer 2 bis 3 Euro“, sagt Sames.
Aktuell leidet die Nachfrage unter Lieferketten-Problemen. Vor allem Wechselrichter können derzeit nicht geliefert werden. „Ist das der Fall, kann die Anlage nicht fertiggestellt werden, sagt Sames. Auch bei der Auslieferung der Module kann es zu Wartezeiten kommen. „Just in Time“-Lieferungen gebe es nicht mehr.

Laut Energieversorger Eon strahlte die Sonne in den Jahren 2014 bis 2018 an vielen Orten der Bundesrepublik bis zu 100 Stunden mehr pro Jahr als in den fünf Jahren davor. 2019 schien die Sonne im Schnitt an 4,5 Stunden am Tag – also rund 1 600 Sonnenstunden pro Jahr. Auch das vergangene Jahr war mit durchschnittlich 1 650 Sonnenstunden sonnenscheinreich. Viele Hausbesitzer bleiben dennoch skeptisch. Zwar erhalten die Anlagenbesitzer eine Einspeisevergütung, diese ist aber in den vergangenen Jahren kontinuierlich gesunken. Aktuell beträgt sie 6,43 Cent pro Kilowattstunde bei den auf Privathäusern installierten Photovoltaikanlagen.

Was ist eigentlich...

Solarthermie wandelt Sonnenenergie in Wärme um. Diese Wärme wird zum Erhitzen des Trinkwassers oder zum Heizen genutzt. Dazu werden sogenannte Sonnenkollektoren auf das Hausdach montiert und mit der Heizanlage im Keller verbunden.

Eine PVT-Anlage vereint die Solarthermie- und Photovoltaik-Anlage in einem Kollektor. Die Hybridkollektoren sind im Prinzip nichts anderes, als gestapelte Solarthermie und Photovoltaikmodule. Das Photovoltaikmodul liegt dabei an der Oberfläche und fängt die sichtbare Sonneneinstrahlung auf. Das Solarthermiemodul liegt dahinter, es arbeitet mit der Infrarotstrahlung.

Stecker-Solargeräte produzieren Strom für den Eigenbedarf, sind aber nicht für die Netzeinspeisung gedacht und können auf dem Balkon oder der Terrasse installiert werden.

Wegen der steigenden Strompreise für Privathaushalte – seit 2000 stieg der Strompreis von 13,94 auf 34,64 Cent pro Kilowattstunde in 2022 – und der sinkenden Einspeisevergütung rentiert sich die Einspeisung ins öffentliche Stromnetz immer weniger. Eine Alternative ist der Eigenverbrauch, um die Energiekosten zu senken. Ein Speicher erhöht zwar die Anschaffungskosten, verbessert aber den Eigenverbrauch.

Erfahrungen

Norbert Schneider ist froh, dass er und seine Frau Marie Schoeller sich bei dem Neubau ihres Einfamilienhauses für eine Photovoltaik-Anlage entschieden hat. Per App sieht er auf seinem Smartphone ein Dashboard, auf dem die aktuelle Leistung seiner Anlage angezeigt wird. 3 474 Watt produzierte die Anlage am sonnigen Donnerstagmorgen. Im Haus verbraucht wurden 156 Watt und eingespeist ins Netz 1 119 Watt. Geplant ist der Kauf eines E-Autos, eine entsprechende Wallbox ist bereits angebracht. Eine Luft-Wärme-Pumpe versorgt die Heizung.

Tobias Hirsch und seine Frau Katharina Kaufmann-Hirsch haben sich auch für eine Solaranlage entschieden, weil gespartes Geld auf dem Konto nichts bringt. Es erschien ihnen sinnvoll, in eine Solaranlage mit Speicher zu investieren. Sie haben es bis jetzt, die Anlage ist seit 20 Monaten in Betrieb, nicht bereut: 40 Prozent der erzeugten Energie nutzen sie selbst – davon können sie 68 Prozent des Strombedarfs decken. In den Sommermonaten sind sie mit einer Selbstversorgungsquote von 98 Prozent quasi autark. Sonnenstunden sind ihre Zinserträge. 

Wolfgang und Annelore Richardt: Schon seit 20 Jahren hat das Ebsdorfer Ehepaar Annelore und Wolfgang Richardt Photovoltaikanlagen auf dem Dach:  „Ich war schon immer für alternative Energien, angefangen bei Energiesparlampen, grüne Ideen haben mich schon immer fasziniert“, sagt Wolfgang Richardt. Weil das Paar den gewonnenen Strom nicht selber nutzt, sondern nur ins Netz einspeist, benötigen sie noch keinen Speicher. Da die Vergütung nun aber bald entfällt, werden sie wohl auf Eigenverbrauch umsteigen.

Wann lohnt sich eine Anlage? Ab einem Verbrauch von etwa 4 000 Kilowattstunden im Jahr. Die Anlagen werden umso rentabler, je mehr Elektrogeräte laufen, wenn in der Garage ein E-Auto geladen wird und im Haus eine Wärmepumpe steht. Die Devise für einen Photovoltaik-Anlage-Betreiber lautet also: wenig einspeisen und viel selber nutzen.

Von Silke Pfeifer-Sternke

Marburg 114 Jahre Diakonissen-Mutterhaus Hebron - Ein Leben aus Überzeugung
27.06.2022