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Marburg Solaranlagen-Inhaber Michael Wolff schlägt Alarm
Marburg Solaranlagen-Inhaber Michael Wolff schlägt Alarm
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18:00 10.08.2020
Michael Wolff ist einer der Pioniere in der Energiegewinnung mit Solaranlagen.
Michael Wolff ist einer der Pioniere in der Energiegewinnung mit Solaranlagen. Quelle: Katja Peters
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Marburg

Michael Wolff ist einer der Pioniere, was die Energiegewinnung aus Solarzellen angeht. Vor fast 17 Jahren hat der Unternehmer auf sein Hausdach eine 3,5 KW-Anlage installiert, 25 000 Mark investiert. Die Rechnung hat er noch, musste über die Jahre für einige Module Regress beim amerikanischen Vertriebler einreichen, weil sie kaputt gegangen war. Und auch der Wechselrichter ist schon Nummer drei im Hause Wolff.

Im Sommer kann er sich mit der Anlage problemlos selbst versorgen. Im Winter muss er dazu kaufen. Dabei produziert er übers Jahr 3 500 Kilowatt-Stunden. „Aber eben nicht gleichmäßig. Und einen Speicher habe ich nicht“, sagtder 59-Jährige. Aber genau den müsste er jetzt einbauen, wenn die Förderung für seine Stromproduktion von Gesetzes wegen ausläuft. Denn dann müsste er seine „Ware“ an der Strombörse in Leipzig anbieten und zu einem ausgehandelten Preis verkaufen. „Der Preis ist natürlich um ein Vielfaches niedriger, als das, was ich momentan von den Stadtwerken Marburg bekomme. Hinzu kommt noch die Investition von etwa 10 000 Euro in den Stromspeicher und die EEG-Umlage, die ich dann noch abführen muss“, rechnet der Marburger vor. „Ich produziere meinen Strom selbst und muss durch die Umlage zusätzlich selbst dafür bezahlen. Bis sich das amortisiert hat, liege ich unter der Erde“, wird er fast ein wenig sarkastisch.

Für Michael Wolff ist dieses Konstrukt kein Zukunftsmodell. Er erwartet von der Bundesregierung eine Lösung, „besser noch von den Stadtwerken. In Zeiten von Klimaaktionsplan und CO2-Neutralität bis 2030 können doch unsere Anlagen nicht einfach hinten runterfallen“, so der Familienvater. Denn es wäre ja nicht so, dass seine Module sich über die Jahre nicht rentiert hätten. Zusätzlich zum Investitionspreis hat er etwa 8 000 Euro in den 20 Jahren der Nutzung „verdient“, ebenso der Staat. „Aber ich kriege jetzt ja auch mehr Geld pro Kilowattstunde als später am freien Markt. Es wird sich für mich als Kleinanlage-Besitzer nicht lohnen weiter zu produzieren“, so das Fazit von Michael Wolff. Sollte es kein Angebot von Stadtwerke-Seite geben, „dann schalte ich in drei Jahren ab, und fertig. Auch wenn ich die Anlage nicht aus Profitstreben betrieben habe, aber ich will ja nicht noch drauf legen. Ich gehe doch nicht bankrott, um die Natur zu retten.“

Dabei hat der Marburger schon heute eine weiße Weste, was seinen CO2-Fußabdruck angeht. Er produziert seinen Strom zum großen Teil selbst und den, den er dazu kaufen muss in den Wintermonaten, stammt von der Biogas-Erzeugung aus der Kompostierungsanlage. Auch deswegen würde er „gerne weiterhin etwas zur Klimaneutralität beitragen. Aber eben nicht zu jedem Preis.“ Michael Wolff vermutet, dass die Klein-Produzenten für das „große Ganze“ zu kompliziert sind. „Aber Kleinvieh macht auch Mist“, betont er. Dabei könnte sich der Marburger beispielsweise auch vorstellen, dass er seine Anlage einfach komplett vermietet. „Wenn man will, könnte man sicher eine Lösung finden, die für beide Seiten attraktiv ist“, ist er sich sicher.

Stadtwerke arbeiten an einer Lösung

Dabei gibt es gute Nachrichten für ihn. Auf OP-Anfrage bestätigten die Stadtwerke: „Die gesamte Branche sucht derzeit nach Lösungen und Konzepten. Auch den Stadtwerken Marburg ist die Sachlage bekannt. Für erste auslaufende Anlagen, die ab dem kommenden Jahr aus der Vergütung fallen, erarbeiten wir derzeit ein Produkt zur Vermarktung“, lautet die Antwort.

Und auch Marburgs Bürgermeister Wieland Stötzel betonte im OP-Gespräch, dass auch diese Kleinanlagen, wie Michael Wolff sie hat, sehr wichtig sind, „um unser Ziel in 2030 zu erreichen. Gerade vor diesem Hintergrund werden wir unser Möglichstes versuchen, um diese Anlagen weiter zu betreiben“. Gute Aussichten für Michael Wolff und seine Solarzellen auf dem Dach im Stadtwald.

  • Kunden der Stadtwerke, die auslaufende Anlagen haben, können sich an die Stadtwerke Vertriebsabteilung wenden unter vertrieb@swmr.de

von Katja Peters