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Marburg Ballungsraum Bus: Kreis und Stadt reagieren
Marburg Ballungsraum Bus: Kreis und Stadt reagieren
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19:27 04.11.2020
Wie wochentags üblich warteten gestern viele Schüler an der Haltestelle in der Schwanallee in Marburg auf den Bus. Quelle: Foto: Thorsten Richter
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Marburg

In Schulbussen im Landkreis herrscht zeitweise quälende Enge, an einen irgendwie gearteten Corona-Sicherheitsabstand ist gerade zu Stoßzeiten kaum zu denken. Der Mindestabstand gilt im Bus auch nicht, dafür herrscht Maskenpflicht. Die Situation erfährt immer wieder von verschiedener Stelle Kritik, bei vielen Eltern herrscht Sorge vor einem erhöhten Ansteckungsrisiko durch die zwangsläufige Enge, die im krassen Gegensatz zu anderen Corona-Vorgaben steht.

In der Debatte, wie sich die Bus-Situation verbessern lässt, standen unter anderem mangelnde Kapazitäten an Bussen wie Personal einer Lösung entgegen. Wie die Pressestelle des Kreises gestern mitteilte, soll es nun konkreter werden: Für eine Entlastung von stärker frequentierten Schulbuslinien würden bereits größere Schulbusse eingesetzt, zudem sollen im Kreis ab kommender Woche zusätzliche Busse sowie eine Anpassung der Fahrpläne für eine Verbesserung sorgen.

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Busse in Biedenkopf besonders belastet

Eine „besonders hohe Auslastung“ hat der Kreis im Einzugsgebiet des Schulstandortes Biedenkopf festgestellt. Daher werden dort ab kommenden Montag vom Kreis zwei Reisebusse zusätzlich eingesetzt und damit zwei Linien verstärkt:

Die Linie MR 51-52 (Oberhörlen–Biedenkopf–Wallau–Breidenbach) mit sechs zusätzlichen Fahrten. Außerdem die Linie MR 481 (Biedenkopf–Lahntal–Marburg) mit fünf Zusatzfahrten. Durch eine zusätzliche Fahrt auf der Linie 65 von Biedenkopf nach Dexbach beziehungsweise Engelbach kann eine Abfahrt nach der vierten Schulstunde an der Grundschule Biedenkopf gewährleistet werden.

Der reguläre Fahrplanwechsel am 13. Dezember solle weitere Entlastung bringen: Etwa durch die neue Schnellbuslinie X 41 (Dillenburg–Oberdieten–Breidenbach–Wallau–Biedenkopf), die dann im Stundentakt fährt. Gleichzeitig werde auch der Schnellbus X 37 Herborn–Gladenbach starten, der zwischen Weidenhausen und der Kernstadt Gladenbach ebenfalls den Schulverkehr stärkt. Mit dem Fahrplanwechsel solle auch der Zugverkehr zwischen Marburg und Friedensdorf sowie von und nach Wetter wieder in gewohntem Umfang zur Verfügung stehen und damit „Beförderungskapazitäten merklich erhöhen“, so der Kreis. „In der finalen Planungsphase“ befänden sich noch weitere, kurzfristige Fahrplananpassungen, etwa im Einzugsbereich der Gesamtschule Ebsdorfergrund sowie im Raum Stadtallendorf–Kirchhain–Amöneburg. Buskapazitäten überhaupt erhöhen zu können, sei „leichter gesagt als getan“; dabei gelte es, mehrere Faktoren miteinander in Einklang zu bringen, sagte der Erste Kreisbeigeordnete Marian Zachow.

Neben den aufeinander abgestimmten kreisweiten Fahrplänen und Straßensperrungen sind das etwa Bauarbeiten an zwei Bahnlinien, für die der Schienenersatzverkehr mit Bussen läuft. Durch den Ausfall von Zügen auf der Lahntal- und Burgwaldbahn würden schon Personal und Fahrzeuge gebunden. Zusätzliche Busse könnten nicht geordert werden. Zwei Reisebusse wurden zwar beschafft, die Verfügbarkeit von Bussen und Fahrpersonal sei aber derzeit „eine Herausforderung“. Denn: Busunternehmen hätten die derzeit nicht genutzten Fahrzeuge teilweise abgemeldet oder – bei Leasing-Fahrzeugen – an den Leasing-Geber zurückgegeben. Oft sei auch das Personal in Kurzarbeit.

Mögliche Änderung der Schulzeiten

Generell würden Busse allerdings nicht als Corona-Hotspots zählen, es gebe derzeit keine Hinweise darauf, „dass die Busse ein Problempunkt bei der Infektionsübertragung“ seien. Um die Lage aber weiter zu verbessern, appelliert der Kreis speziell auch an Schüler, zu einer Entzerrung beizutragen: So könnten diese etwa auf bestimmten Strecken, die von mehreren Linien parallel bedient werden, weniger frequentierte Fahrten nutzen. „Oft gibt es Alternativen, die nur wenige Minuten länger brauchen oder einen zusätzlichen Umstieg verursachen, die aber weniger ausgelastet sind“, sagt Zachow.

Weiterer Punkt ist eine Entzerrung der Schulzeiten und zwar durch unterschiedliche Schulbeginn- und Schulendzeiten. „So können die Schulen das vorhandene ÖPNV-Angebot an ihren jeweiligen Standorten vollumfänglich für sich nutzen und ihre Stundenplanung daraufhin anpassen“, so die Idee. Dazu stehe man in Abstimmung mit Schulamt und Schulen. Erste Erfolge seien hier schon mit der Lahntalschule in Biedenkopf und der Gesamtschule Ebsdorfergrund in Heskem erzielt worden.

Stadtwerke setzen vier Reisebusse ein

Auch die Stadt Marburg hat die Bus-Problematik auf der Agenda: Durch die Stadtwerke wurden nun vier Reisebusse für Marburg beschafft – das seien alle, die überhaupt noch am Markt verfügbar waren, teilt die Pressestelle der Stadt mit. „Mit diesen zusätzlichen Bussen entzerren wir seit Montag den morgendlichen Schulbusverkehr auf besonders belasteten Linien“, berichtet Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies. Das sei indes „ein erster Lösungsansatz“, um Schülern Schutz vor einer Ansteckung mit dem Corona-Virus zu bieten, reiche aber mangels Bus- und Personal-Kapazitäten nicht aus.

Daher werde mit allen Beteiligten weiter geplant. Darüber hinaus hätten laut Schulamt einige Schulen Anträge auf digitalen Unterricht gestellt. Bildungsdezernentin Kirsten Dinnebier weist hierbei darauf hin, dass Schulen auch ohne Gründe für konkrete (Teil-)Schulschließungen bis zu 25 Prozent des Präsenzunterrichts über digitalen Unterricht abdecken dürften. Teilzeitschulen, etwa Berufsschulen, sogar bis zu 50 Prozent.

Von Ina Tannert

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