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Marburg Voller Briefkasten lockt Einbrecher an
Marburg Voller Briefkasten lockt Einbrecher an
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09:00 02.08.2021
Ein Mann demonstriert in der polizeilichen Beratungsstelle in Frankfurt, wie Einbrecher Fenster aufhebeln.
Ein Mann demonstriert in der polizeilichen Beratungsstelle in Frankfurt, wie Einbrecher Fenster aufhebeln. Quelle: Frank Rumpenhorst
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Es ist ein Albtraum für alle Betroffenen: Ein Einbruch in die Wohnung oder ins eigene Haus. Gerade in der Ferienzeit, wenn viele Bewohner wochenlang verreist sind, haben Einbrecher leichtes Spiel. Wie schützt man sich davor? Wer einige Ratschläge der Polizei beachtet, verhindert damit, dass das eigene Zuhause für die Täter geradezu einladend wirkt.

„Es ist relativ einfach“, sagt Kriminalhauptkommissar Michael Michel, einer der Kriminalpolizeilichen Berater des Polizeipräsidiums Mittelhessen. „Ein Einbrecher ist kein Räuber – er kommt nur, wenn er weiß, es ist keiner zuhause. In der Regel setzt der Wohnungs- oder Hauseigentümer selbst unbewusst die Signale.“ Ein überquellender Briefkasten, ein kniehoher Rasen, ein abends völlig unbeleuchtetes Haus, dauerhaft heruntergelassene Rollläden oder die falsche Mülltonne an der Straße könnten solche Signale sein, die einem Täter zeigen: Da ist niemand zuhause. Bevorzugt verschaffen sich Einbrecher dann zum Beispiel über die Terrassentür oder ebenerdige Fenster auf der Gebäuderückseite Zutritt.

„Der Einbrecher unterscheidet nicht, ob da etwas zu holen ist oder nicht“, warnt Michel. „Das sieht er erst, wenn er drin ist.“ Zudem sei das größte Problem für viele Opfer nicht der materielle Verlust durch einen Einbruchsdiebstahl, sondern der psychologische Schaden durch den Verlust der Sicherheit im eigenen Zuhause.

Damit das möglichst nicht passiert, gibt der Kriminalpolizeiliche Berater einige Tipps für die Urlaubszeit:

  • Wer verreisen will, sollte mit Nachbarn oder Angehörigen abstimmen, wer den Briefkasten leeren, die Mülltonne herausstellen und gegebenenfalls auch mal den Rasen mähen kann. So sieht das Haus nicht verlassen aus.
  • Mit Zeitschaltuhren, die für wenige Euro im Baumarkt erhältlich sind, kann man in verschiedenen Zimmern zu unterschiedlichen Zeiten kleine Lampen einschalten. Für einen potenziellen Einbrecher scheint es dann so, als ob sich jemand durch die Wohnung bewegt.
  • Die Rollläden besser vor der Abreise nicht herunterlassen. „Ein Rollladen ist nur ein Schutz gegen Sicht, Sonne und Wetter, aber keine Sicherheitstechnik“, warnt Michel. „Er hat fatale Folgen als Anlock-Mechanismus.“ Geschlossene Rollläden verhindern also keine Einbrüche, sondern provozieren sie eher noch.
  • Auch mit Urlaubsfotos in den sozialen Netzwerken kann man ungewollt Einbrecher auf sich aufmerksam machen, wenn man sie noch vor der Heimkehr postet. „Es weiß kein Mensch, wer sie wohin weiterleitet“, warnt Michel. Deshalb sei da „ein bisschen Selbstdisziplin“ wichtig, gerade auch bei Familien mit Kindern und Jugendlichen, die oft mit dem Smartphone Bilder verschicken. Potenzielle Einbrecher wissen dann, dass jemand weit weg ist.
  • Dasselbe gilt für Anrufbeantworter. Sätze wie „Wir sind ab dem 15. August wieder da“ sollte man beim privaten Anrufbeantworter nicht aufsprechen. „Besser sollte man während des Urlaubs den Anrufbeantworter völlig deaktivieren, dann merkt der Anrufer, er kommt nicht durch“, rät Kriminalhauptkommissar Michel.
  • Auch die Klingel sollte man während des Urlaubs besser abschalten. „Wenn ein Einbrecher sich für ein Objekt entschieden hat, vergewissert er sich, ob wirklich niemand da ist“, erklärt Michel. „Wenn er klingelt und den Ton hört, aber es kommt keiner, bricht er ein.“

Aufmerksame Nachbarn können Anzeichen für einen Einbruch erkennen. Wenn zum Beispiel an einer Stelle im Haus plötzlich das Licht eingeschaltet ist, obwohl der Hauseigentümer verreist ist und keine Zeitschaltung hat, deutet das auf einen Einbrecher hin. Dasselbe gilt, wenn plötzlich ein Rollladen heruntergelassen ist, der vorher oben war: Möglicherweise will ein Einbrecher so verhindern, dass er gesehen wird, wenn er zum Beispiel mit einer Taschenlampe durchs Zimmer geht. Gut ist es auch deshalb, wenn Urlauber sich vorher mit ihren Nachbarn abstimmen, damit diese wissen, ob Lichter oder Rollläden im Haus per Zeitschaltuhr gesteuert werden.

Experten von der Polizei geben Rat

Wer Haus oder Wohnung langfristig besser gegen Einbrecher schützen will, kann sich dafür an die Kriminalpolizeilichen Beratungsstellen wenden, die das Polizeipräsidium Mittelhessen in jedem Landkreis eingerichtet hat (E-Mail: beratungsstelle.ppmh@polizei.hessen.de). Zuständiger Berater für den Landkreis Marburg-Biedenkopf ist Kriminalhauptkommissar Jan-Oliver Karo. Die Kriminalpolizeilichen Berater schauen sich auch vor Ort Gebäude an und geben kostenlos Rat, wie zum Beispiel Fenster gegen Einbruchsversuche gesichert werden können. Diese Nachrüstungen müssen von fachgeprüften Handwerkern vorgenommen werden – die Berater haben eine Liste mit Fachleuten, die die entsprechenden Voraussetzungen nachgewiesen haben.

Von Stefan Dietrich

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