Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Marburg Wie Betrüger die Corona-Pandemie nutzen
Marburg Wie Betrüger die Corona-Pandemie nutzen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:39 11.01.2021
Wenn sich Anrufer als Behördenmitarbeiter ausgeben, sollten Betroffene erst einmal skeptisch sein – der Anruf könnte auch ein Betrugsversuch sein. Quelle: ThemenFoto: Julian Stratenschulte/dpa
Anzeige
Marburg

Überteuerte Corona-Tests, falsche Nachhilfelehrer und gefälschte Online-Shops: Die Polizei warnt vor Betrügern, die sich die Corona-Pandemie zunutze machen. „Dabei handelt es sich nicht um neue Kriminalitätsphänomene“, sagt Jan-Oliver Karo, Kriminalpolizeilicher Berater für den Landkreis Marburg-Biedenkopf. „Vielmehr werden altbekannte Maschen einfach nur mit neuen Etiketten versehen.“ Kriminalhauptkommissar Karo warnt vor einigen Betrugsmaschen, die Kriminelle in der Corona-Pandemie anwenden:

Falsche Mitarbeiter des Gesundheitsamtes am Telefon:

Anzeige

Die Masche: Die Täter geben sich als angebliche Mitarbeiter des Gesundheitsamtes aus und fordern die Opfer auf, überteuerte Corona-Tests durchführen zu lassen – zu Preisen von mehreren tausend Euro.

Die Polizei rät: Lassen Sie sich am Telefon nicht unter Druck setzen. Rufen Sie im Zweifel selbst bei der Behörde an und fragen nach. Legen Sie auf, wenn Sie am Telefon mit Geldforderungen konfrontiert werden. Geben Sie am Telefon keine Auskunft zu finanziellen und persönlichen Verhältnissen.

Betrüger an der Haustür:

Die Masche: Auch hier geben sich die Täter als Mitarbeiter des Gesundheitsamtes aus, die angebliche Corona-Tests durchführen wollen – oder als Mitarbeiter von Telekommunikationsdienstleistern (angebliche Netzüberlastung durch Homeoffice-Nutzung). Sie versuchen in die Wohnung des Opfers zu gelangen, um Geld und Wertgegenstände zu stehlen.

Die Polizei rät: Lassen Sie Unbekannte nicht in Ihre Wohnung. Lassen Sie sich von Amtspersonen ihren Ausweis zeigen und rückversichern Sie sich im Zweifel bei der entsprechenden Behörde. Übergeben Sie keine Wertgegenstände oder Geld an der Haustür. Wehren Sie sich energisch gegen aufdringliche Besucher, schließen Sie die Tür, werden Sie laut und wählen Sie die Notrufnummer 110.

Falsche Versprechen per E-Mail:

Angeblicher Geldgewinn: Die Täter behaupten in einer E-Mail, das Opfer habe Geld gewonnen. Aufgrund der Pandemie könne der Geldbetrag nicht persönlich übergeben werden. Zur Begleichung angeblicher Transportkosten solle das Opfer einen Geldbetrag überweisen. Der Gewinn existiert allerdings nicht. „Umsonst gibt es gar nichts“, sagt Karo – wer sich also nicht erinnert, an einem Gewinnspiel teilgenommen zu haben, sollte auf jeden Fall Verdacht schöpfen.

Falsche Nachhilfelehrer: Betrüger wenden sich per E-Mail an Eltern und bieten Unterstützung als angebliche Nachhilfelehrer an – gerade, wenn Kinder wegen der Pandemie zuhause lernen müssen. Den Opfern werden überteuerte Abo-Verträge angeboten, die Leistungen werden aber nicht erbracht.

Die Polizei rät: Seien Sie misstrauisch. Gehen Sie nicht auf Geldforderungen von Online-Bekanntschaften ein.

Falsche Bank-Mitarbeiter:

Die Masche: Die Betrüger rufen an und geben vor, die TAN-Generatoren für Online-Bankgeschäfte der Opfer überprüfen zu müssen. Dies sei aufgrund der Corona-Pandemie nur telefonisch möglich. Die Täter fordern die Opfer auf, einige TANs zu generieren. Mit diesen Nummern können sie dann Überweisungen von den Konten der Opfer tätigen.

Die Polizei rät: Geben Sie keine persönlichen (Bank-)Daten und keine Kopien von Ausweisen weiter.Schadstoffsoftware durch angebliche Corona-Infos:

Die Masche: Betrüger versenden schädliche Computer-Programme in E-Mail-Anhängen oder Hyperlinks, auch in sozialen Netzwerken – das ist kein neues Phänomen. In der Corona-Krise nutzen sie die Verunsicherung der Menschen aus und bieten angeblich Informationen über das Coronavirus, Verhaltenstipps oder gesetzliche Regeln an. Wer den Anhang öffnet oder auf den Link klickt, infiziert seinen Rechner mit Schadsoftware, die zum Beispiel den Rechner verschlüsseln oder ausspionieren kann.

Die Polizei rät: Vorsicht bei E-Mails mit Anhängen oder Hyperlinks – selbst bei bekannten Absendern. Öffnen Sie keine Dateien oder Links von unbekannten Absendern. Nutzen Sie Antivirensoftware und aktualisieren Sie Ihre Programme regelmäßig. Verwenden Sie sichere Passwörter (Kombination aus Groß- und Kleinbuchstaben, Sonderzeichen und Zahlen) und nutzen Sie die häufig angebotene Zwei-Faktor-Authentifizierung. Sichern Sie regelmäßig Ihre wichtigsten Daten auf einer externen Festplatte und trennen Sie diese anschließend physisch von ihrem Arbeitsrechner.

Wuntermittel und überteuerter Corona-Schutz

Die Masche: Betrüger bieten im Internet Schutzmasken oder Desinfektionsmittel zu völlig überhöhten Preisen an oder verkaufen angebliche Wundermittel zur Behandlung von Covid-19. Manche Betrüger bauen auch reine Fake-Shops auf: Internetseiten, die wie echte Online-Shops aussehen, aber überhaupt keine Ware besitzen und liefern, sondern nur die Zahlung per Vorkasse oder Kreditkarte kassieren.

Die Polizei rät: Seien Sie misstrauisch bei Online-Shops, die als Zahlungsweise nur Vorkasse oder Kreditkarte akzeptieren. Achten Sie auf Impressum, Erreichbarkeit des Anbieters und Sicherheitszertifikate. Glauben Sie nicht den Versprechungen von Wundermitteln gegen das Coronavirus.

Bislang sei zwar im Landkreis keine Serie solcher Corona-Betrugsmaschen von der Polizei erfasst worden. Grundsätzlich rät Kriminalhauptkommissar Karo: Wenn man sich unsicher ist, ob ein Anruf, eine E-Mail oder ein Online-Angebot seriös ist, sollte man mit einer Vertrauensperson sprechen oder bei den Fachberatungsstellen der Polizei nachfragen.

Die Kriminalpolizeiliche Beratungsstelle ist per E-Mail an beratungsstelle.ppmh@polizei.hessen.de oder unter Telefon 0 64 21 / 40 61 23 erreichbar.

Von Stefan Dietrich

Marburg Fotosynthese im Tropfen - Mit Spinat, Licht und Wasser
09.01.2021
Marburg Ausflugsorte reagieren - Sperrungen gegen Schnee-Touristen
08.01.2021