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Marburg So lief das Weltkriegsende in Marburg
Marburg So lief das Weltkriegsende in Marburg
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13:16 07.05.2021
Bomben zerstörten im Zweiten Weltkrieg nahe des Hauptbahnhofs Häuser, bis heute finden sich vor allem in der Nordstadt immer mal wieder Blindgänger im Boden.
Bomben zerstörten im Zweiten Weltkrieg nahe des Hauptbahnhofs Häuser, bis heute finden sich vor allem in der Nordstadt immer mal wieder Blindgänger im Boden. Quelle: Archiv
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Marburg

Das Ende des Zweiten Weltkriegs am 8. Mai 1945 sorgte auch in Marburg für Erleichterung – wobei er in der Universitätsstadt praktisch schon sechs Wochen vorher, am 28. März 1945, vorbei war. Den Geschichtsbüchern zufolge war es ein Mittwoch mit schönem, frühlingshaften Wetter, als am Morgen – was damals noch keiner wusste – ein letztes Mal die Alarmsirenen heulten und die Stadtbewohner in ihre Keller, in die Luftschutzräume oder in die Bunker – etwa hinter dem Europäischen Hof in der Elisabethstraße oder in der Alten Kasseler Straße – flüchteten. Kurze Zeit später kreisen Flugzeuge über der Stadt, Granateinschläge, Gewehrfeuer, Kettenrasseln von Panzern sind zu hören.

Als dann am späten Vormittag amerikanische Soldaten in die Stadt einrücken, durchsuchen die GIs zuerst Häuser und Wohnungen nach versteckten Soldaten und Waffen.

„Ich war bei meiner Großmutter in Zwischenhausen und hatte eine kleine weiße Fahne, an den Häusern in Zwischenhausen und der Ketzerbach hingen weiße Tücher, wo früher die Hitlerfahnen befestigt waren“, so steht es in der „Ketzerbach-Chronik 1938–1963“. Es ist ein Eintrag von Zeitzeuge Rolf G. Vaupel: „Plötzlich kamen die ersten Jeeps mit den amerikanischen Soldaten und anschließend größere Lkws und Panzer auf die Ketzerbach gefahren.“

Schreiner Richard Rösler wohnt ebenfalls in der Ketzerbach. Er verlässt die Wohnung, um zu schauen, „wie so’n Krieg eigentlich gemacht wird. Ich getraute mich bis zur Elisabethkirche vor und besah mir seelenruhig die fremden Panzer. Kein amerikanischer Soldat würdigte mich eines Blickes. So nach und nach kamen auch ein paar Leute, gesellten sich zu mir. Da, auf einmal am Bunker im Europäischen Hof, kamen eine Menge deutsche Soldaten raus, die Hände auf den Kopf gelegt, ein Zeichen, daß sie sich ergeben hatten“, heißt es in den Aufzeichnungen des Schreiners.

Am Nachmittag füllen sich den Aufzeichnungen zufolge die Straßen in Marburg mit Menschen. Vor allem sind es Kinder, die sich bei Sonnenschein die Panzer ansehen, während die Amerikaner sich Quartiere suchen, unter anderen das Rathaus, das Café Vetter und das ehemalige Sparkassengebäude in Beschlag nehmen.

76 Jahre später, am Samstag ab 15 Uhr gibt es vor der Stadthalle eine Kundgebung und Demonstration gegen Faschismus und Rassismus.

Von Björn Wisker

07.05.2021
07.05.2021
07.05.2021