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Marburg So lange braucht ein Rettungswagen
Marburg So lange braucht ein Rettungswagen
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14:00 18.07.2021
In zehn bis 15 Minuten soll ein Rettungswagen die meisten Notfälle erreichen.
In zehn bis 15 Minuten soll ein Rettungswagen die meisten Notfälle erreichen. Quelle: Thorsten Richter
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Marburg

In zehn bis 15 Minuten soll ein Rettungswagen die meisten Notfälle erreichen. Eine aktuelle bundesweite Auswertung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) ergibt: Während in einigen Regionen die Fahrtzeit deutlich länger dauert – in Bad Hersfeld ganze 26 Minuten – stehen alle Städte und Gemeinden im Landkreis Marburg-Biedenkopf gut, klar innerhalb der Hilfsfrist da.

So lange braucht ein Rettungswagen in Marburg-Biedenkopf Quelle: mr//media

Am längsten dauert es demnach in Wohratal mit 9,8 und in Ebsdorfergrund sowie Gladenbach mit je 8,6 Minuten. Besonders schnell vor Ort sind Rettungsdienste in 95 Prozent der Fälle hingegen in Cölbe mit drei, in Fronhausen, Rauschenberg und Steffenberg mit etwa dreieinhalb Minuten. In den beiden größten Städten des Landkreises, Marburg und Stadtallendorf, sind es etwas mehr als sieben Minuten.

Zum Städte- und Minuten-Vergleich speziell mit Marburg:

Gießen 5,7

Wetzlar 5,6

Alsfeld 7

Hanau 7,3

Frankfurt 7,6

Rüsselsheim 5,9

Zahl der Einsätze steigt seit Jahren

Die IW-Daten zeigen, dass es in praktisch allen hessischen Regionen besser aussieht als anderswo in Deutschland. In keinem Bundesland gibt es weniger „weiße Flecken“, in denen die Viertelstunden-Marke überschritten oder auch nur an ihr gekratzt wird. Allerdings handelt es sich bei der Analyse um rein rechnerische Daten, sie beziehen sich auf die Distanz eines Orts zu den nahegelegensten Rettungsdienststellen ohne Einbeziehung von Feuerwachen (siehe Infobox).

Wie die Kreisverwaltung auf OP-Anfrage mitteilt, gab es 2018 in Marburg-Biedenkopf 9 485, in 2019 dann 10 301 und im vergangenen Jahr 10 548 Rettungseinsätze.

Die Hilfsfrist ist nach Angaben der Kreisverwaltung eine „reine Planungsgröße ohne Individualanspruch“. Es gilt, dass 90 Prozent der Notfälle innerhalb von zehn Minuten beziehungsweise 95 Prozent innerhalb von 15 Minuten erreicht werden sollen.

Die Methodik der Auswertung

Für die Auswertung hat das Institut der Deutschen Wirtschaft in Köln von jedem Punkt in mehr als 11 000 Gemeinden die Fahrtzeit zu den drei geografisch nächstgelegenen Rettungswachen ausgerechnet. Die Ergebnisse basieren auf den Geodaten von „Open Street Map“, einer öffentlichen Datenbank. Dabei haben die Forscher die reine Fahrtzeit berücksichtigt, in der 95 Prozent der Gemeindebewohner erreicht sind.

Die Ausrückzeit, also die Zeit zwischen der Alarmierung des Rettungswagens und dessen Abfahrt, blieb unberücksichtigt. Auch die Frist zwischen Eingang des Notrufs und der Alarmierung des Rettungswagens ist nicht in die Erhebung eingeflossen. Teilweise könnte die tatsächliche Fahrtzeit überschätzt werden, erklärt IW-Experte Henry Goecke, Leiter der Datenanalyse. Denn: Feuerwachen, die in einigen Regionen für Dienste eingesetzt werden, wurden nicht einbezogen. „Grundsätzlich sind diese Werte als obere Grenze zu interpretieren,“, sagt Goecke.

Und so hat sich die Einhaltung der Fristen entwickelt: In 2018 wurde die Zehn-Minuten-Marke in 90,5 Prozent, in 2019 in 89,3 und im vergangenen Jahr in 87,2 Prozent der Einsätze eingehalten. Bei der Viertelstunden-Frist liegt man in der Region noch mehr im Plan: 98,1 Prozent waren es 2018, 97,8 in 2019 und 96,6 Prozent in 2020.

Dass man im Pandemie-Jahr 2020 minimal unter die Zehn-Minuten-Zielvorgabe rutschte, hängt laut Kreisverwaltung nicht zuletzt mit erkrankungs- und quarantänebedingtem Ausfall von Einsatzpersonal zusammen. Im vergangenen Jahr habe ohnehin kaum ein Tag „der Regel“ – die bei der Hilfsfrist-Vorgabe als Bemessungsgröße gilt – entsprochen. Aber auch im Normalfall sei manches unplanbar, etwa Straßenbauarbeiten samt Umleitungen, heißt es auf OP-Anfrage.

Von Björn Wisker

18.07.2021
17.07.2021