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Marburg Er lässt Marburgs Himmel leuchten
Marburg Er lässt Marburgs Himmel leuchten
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14:00 21.09.2019
Gewusel auf den Afföllerwiesen: mehr als neun Stunden hat der Aufbau der Feuerwerkskörper am Freitag gedauert. Die gesamte Vorbereitung für das Marburger Himmelsleuchten dauerte vier Monate. Quelle: Tobias Hirsch
Marburg

Wie bei einer Marionette hängen die Feuerwerks-Bomben an den Zündschnüren und werden in den Glasfaserröhren versenkt. Mit viel Vorsicht passierte das Freitagnachmittag auf den Afföllerwiesen an der Lahn – nach viermonatiger Vorbereitungszeit. So lange dauerte die Planung für das Marburger Himmelsleuchten.

„Zuerst kommt die Musik“, erzählt Pyrotechniker Jörg Radermacher. Die stellt immer ­Vila Vita Geschäftsführer Michael­ Hamann zusammen. In diesem Jahr hat er sich zwölf Titel ausgesucht. Eine halbe Stunde Filmmusik von Rock und Pop bis hin zur Klassik. Es sind nicht immer komplette Lieder, manchmal nur Ausschnitte.

Effekt kommt beim Paukenschlag

Als diese feststanden, begannen die Pyrotechniker aus Lahnstein mit der Choreographie. „Das passiert alles im Kopf, nicht am Computer. Wir wissen, welchen Effekt welche Bombe wie lange zeigt“, beschreibt der Experte auf den Afföllerwiesen. Wochenlang sitzen er und seine Kollegen immer wieder zusammen, hören die Musik und entscheiden dann, ob Kugel- und Zylinderbomben besser passen oder sie doch lieber römische Lichter zünden werden. „Wir müssen ja mehrere Ebenen herstellen“, beschreibt der 41-Jährige, „damit eine Dreidimensionalität entsteht. Eine dramaturgische Steigerung im Titel macht uns die Gestaltung natürlich einfacher“, ergänzt er noch.

Haben sie die halbstündige Musik mit den Pyro-Effekten unterlegt, dann geht es mit der Planung am Computer weiter. Denn der berechnet den Zündzeitpunkt, damit „der Effekt auch beim Paukenschlag der Musik am Himmel zu sehen ist.“ In der Fachsprache heißt das Kulminationszeitpunkt.

Elf Pyro-Experten waren am Freitag damit beschäftigt, das Feuerwerk auf der großen Wiese neben der Lahn aufzubauen. Großzügig war das Gelände abgesperrt und wurde von 15 ­Security-Mitarbeitern bewacht. Mittendrin standen die Gestelle mit den Glasfaserrohren in unterschiedlichen Farben und Größen. 128 Meter Schutzradius mussten eingehalten werden. Aufgrund der topographischen Lage „müssen wir recht hoch schießen“, erklärt Jörg ­Radermacher und meint damit 70 Meter.

Planung auf die Sekunde genau

1 400 Effekte hatte er für die 30 Minuten Himmelsleuchten eingeplant. Für 26 Sekunden Bild müssen 32 Kugel- und Zylinder-bomben sekundengenau gezündet werden. Insgesamt gibt es 64 Bilder und 265 Einzelzündungen. Kilometerlange Kabel wurden dafür verlegt und mit dem „Zündkoffer“ verbunden. „Gezündet wird wie beim Domino“, erklärt Jörg Radermacher. Soll heißen, dass die einzelnen Feuerwerkskörper in einer genauen Reihenfolge aufgebaut werden. Das ist notwendig, „falls es einen Zwischenfall geben sollte und wir mittendrin das Feuerwerk unterbrechen müssen“, so der Pyro-Experte aus Lahnstein, der schon 15 Jahre im Geschäft ist.

5,7 Tonnen recyclebares Zubehör mussten Freitag transportiert werden, die Feuerwerkskörper wogen schätzungsweise insgesamt 250 Kilogramm und waren in Gefahrgutkartons verpackt. In gut neun Stunden war alles aufgebaut. 

„Wir wollen den Leuten Spaß bringen“, betont Jörg Radermacher vor dem Hintergrund der Feinstaub-Diskussion und dem geforderten Feuerwerksverbot. „Die veröffentlichten Zahlen sind Schätzwerte und wurden niemals bewiesen“, ärgert er sich über die falschen Informationen. Beim Himmelsleuchten wird es wohl 250 Gramm wasserlöslichen Feinstaub der Größe PM 10 in der Luft geben. Gerade mal so viel wie ein Päckchen Butter.

Von Katja Peters