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Marburg Warum das Wetter Kapriolen schlägt
Marburg Warum das Wetter Kapriolen schlägt
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12:00 31.12.2021
Regenwolken zum Sonnenuntergang: Ein Blick vom Hasenkopf im Marburger Stadtwald Richtung Dünsberg.
Regenwolken zum Sonnenuntergang: Ein Blick vom Hasenkopf im Marburger Stadtwald Richtung Dünsberg. Quelle: Thorsten Richter
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Zu Weihnachten gab es erst Schnee, dann Eisregen – inzwischen ist alles wieder weggetaut, und zum Jahreswechsel sind die Temperaturen zweistellig geworden. Wie kommt es zu solchen Wetterkapriolen? Es hängt mit einer Veränderung der Luftströmungen zusammen, erläutert der Wetterexperte Roland Schmidt auf OP-Anfrage. „Wir haben seit ungefähr zwei Jahren eine Häufung von Wetterlagen, in denen es eine meridionale Luftströmung gibt“, sagt Schmidt, der für die OP eine wöchentliche Wetterkolumne schreibt. „Meridional“ kommt von den Meridianen, den Längengraden, die von Norden nach Süden verlaufen.

„Die Luft strömt von Süd nach Nord, dann wieder von Nord nach Süd“, erklärt der ausgebildete Wetterbeobachter. „Wir sind mal in der kalten Nordströmung, dann wieder ganz schnell in der kalten Südströmung.“ Zu Weihnachten habe Mittelhessen dadurch großes Glück gehabt, dass es genau in der richtigen Zone für Schnee lag. Dies lag nach Aussage des Wetterexperten daran, dass es hierzulande frostig war, aber nicht zu kalt – im Norden Deutschlands, wo es noch kälter war, habe es keinen Schnee gegeben. „Das war ein kleines Weihnachtswunder“, sagt Schmidt zum Schnee am ersten Weihnachtsfeiertag – „dafür müssen wir in der Silvesternacht schwitzen.“

Normalerweise werde das Klima in Deutschland vom Westwind, dem Jetstream, geprägt. Im Gegensatz zur „meridionalen Luftströmung“ nennt sich dies „zonale Luftströmung“, also eine Strömung innerhalb der gemäßigten Klimazone. „Der Jetstream ist aber ziemlich aus dem Takt geraten“, berichtet der Wetterfachmann. Woran dies liege, dazu gebe es verschiedene Theorien – möglicherweise habe es etwas mit dem Klimawandel zu tun. „Es gibt kurzfristig eine Westwind-Strömung, aber das kippt immer wieder“, erklärt Schmidt. Es sei deshalb zu erwarten, dass es in den nächsten Monaten mit den schnellen Wetterwechseln weiter geht.

Von Stefan Dietrich