Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Marburg So heißen die meisten Babys in Marburg
Marburg So heißen die meisten Babys in Marburg
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:00 11.01.2021
Neugeborene auf einer Wochenstation. Eltern geben ihren Kindern häufiger traditionelle Namen. Quelle: Waltraud Grubitzsch/dpa
Anzeige
Marburg

Laut städtischem Register tragen 19 der im Jahr 2020 neugeborenen Mädchen entweder den Namen Emilia oder Lina, auch 19 der im vergangenen Jahr geborenen Jungs heißen Ben. Keine anderen Namen wurden in der Universitätsstadt häufiger vergeben. Das geht aus aktuellen Daten des Standesamts hervor, die der OP vorliegen. Insgesamt sind 2260 Neugeborene registriert worden.

Die Top Ten der beliebtesten Vornamen sind im Vergleich der vergangenen Jahre zwar durcheinandergewirbelt worden. Aber einige Namen bleiben Dauerbrenner. So war der nun in Marburg beliebteste Mädchen-Vorname Emilia bereits im Vorjahr der weibliche Top-Name und landete bereits im Jahr 2014 auf Rang drei. Auch Emma und Mia liegen in diesem wie im Vorjahr mit ganz vorne.

Anzeige

Bei den Jungs bleibt Ben indes der Trend-Name schlechthin. Er war im Vorjahr der – hinter Jonas – am zweithäufigsten gewählte Name und ist seit Jahren immer in den Top Ten. Auf dem Vormarsch befinden sich weiterhin vor allem Anton (17 Nennungen) und Finn (13). Sie rücken im Vergleich zum Vorjahr in die Spitzengruppe auf, während sich Paul, Emil und Jakob stabil halten. Die Namen Lio und Milan finden sich dagegen mit 13 Nennungen erstmals überhaupt in der Liste von Marburgs beliebtesten Namen.

Die Top-Namen in der Universitätsstadt decken sich größtenteils mit dem Deutschlandtrend: Auch dort ist Emilia auf Platz 1, Ben auf 2. Und mit Emma, Mia, Paul und Felix belegen auch in Marburg häufig vertretene Namen überregional Spitzenplätze. Jedoch: Beliebte Namen wie Noah, Matteo oder Clara landen in Mittelhessen nicht vorne.

Von Anton bis Mia: Vornamen werden traditioneller

Kurios: Immer wieder orientieren sich laut dem bundesweit bekannten Namensforscher Knud Bielefeld Eltern an gesellschaftlichen, medialen Großereignissen. 2019 war das in der Universitätsstadt besonders bei dem Namen Greta der Fall. 13 Kinder heißen seitdem so, wie der Kopf der Klimaprotest-Bewegung ­Greta Thunberg aus Schweden.

Wissenschaftler wie Damaris Nübling befassen sich grundsätzlich mit der Entwicklung der Namensvergabe. Die Sprachwissenschaftlerin von der Universität Mainz kommt in ihrer Forschungsarbeit etwa zu dem Ergebnis, dass sich Jungen- und Mädchennamen immer mehr annähern: „Jungennamen sind femininer geworden“, sagt sie. Die eigentlich für Mädchennamen typischen Vokale „a“ und „i“ kommen in männlichen Vornamen mittlerweile häufiger vor. Typisch für weibliche Vornamen sei zwar weiterhin der Vokal, auf dem sie endeten. Aber auch das sei nicht mehr eindeutig, wie etwa an in den vergangenen Jahren beliebten Jungen-Namen wie ­Luca (in Marburg im Jahr 2019 ein dutzend Mal gewählt) zeigten. Vielmehr würden sich die Mädchennamen den meist kürzeren männlichen Vornamen annähern. Die Tendenz ginge von langen Formen wie Katharina zu zweisilbigen Varianten wie Mia.

Mädchen- und Jungennamen ähneln sich nicht nur immer stärker, sie werden auch konservativer. „Viele Eltern geben sich bei der Wahl des Namens für ihren Nachwuchs traditionsbewusst“, sagt Bielefeld. So würden häufig Namen wie Lasse und Finn oder Charlotte und Hannah eingetragen. Das geht aus der Datenbank, die er jährlich erstellt, hervor. Anton, Friedrich oder Emil gehörten gegen Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts zu den beliebtesten Vornamen. Nun würden sie wieder häufiger vergeben, sagt die Gesellschaft für deutsche Sprache in Wiesbaden.

Auch Mädchen würden wieder öfter traditionelle Namen tragen. Dazu zählen Emma, Anna oder Elisabeth. Auch die Bibel prägt die deutsche Namensgebung nach wie vor – verstärkt vor allem in Regionen mit großen, aktiven Kirchengemeinden wie in der Universitätsstadt. Johannes und Lea sind bundesweit noch immer weit verbreitet. Selbst mit an der Spitze des Rankings steht ein biblischer Name: Mia – in Marburg wie auch in Deutschland seit Jahren in der Spitzengruppe – ist nur die Kurzform für Maria.

von Björn Wisker