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Marburg Von der Feuerwehr-Box bis zur Klopapier-Jagd
Marburg Von der Feuerwehr-Box bis zur Klopapier-Jagd
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18:00 10.09.2020
Vertreter aller fünf ausgewählten Vereine nahmen die Auszeichnung des Kreises für die beste Idee während der Pandemie im Landratsamt in Marburg entgegen.
Vertreter aller fünf ausgewählten Vereine nahmen die Auszeichnung des Kreises für die beste Idee während der Pandemie im Landratsamt in Marburg entgegen. Quelle: Ina Tannert
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Marburg

Sie sind aus der Not geboren, wurden teils zum originellen Internet-Hit und haben vielen Menschen ein Lächeln ins Gesicht gezaubert – Aktionen von heimischen Vereinen haben es möglich gemacht, den vergangenen Corona-Lockdown ein Stück weit besser zu überstehen. Fünf davon wurden nun vom Landkreis ausgezeichnet, für besondere Kreativität und als Anerkennung der Arbeit, das Vereinsleben aus der Ferne aufrecht zu erhalten. Preisträger sind die Trachtengruppe Breidenbach 1978, der Turnverein 1912 Hartenrod, die Kinderbibelwoche Lohra, der Posaunenchor der evangelischen Stadtmission Marburg und die Kinder- und Jugendfeuerwehr der Feuerwehr Wittelsberg.

Unter dem Motto „Schatzsuche – Bewegung & Spaß trotz Corona“ hat das Kinder-Turn-Team des Turnvereins Hartenrod während der Corona-Pandemie eine Schatzsuche organisiert. Jeder der Lust hatte konnte teilnehmen, mit den dazugehörigen Laufkarten, die auf der Homepage des Vereins zum Download bereitstanden. Vom Verein angebrachte Wegweiser halfen bei der Orientierung, an jedem Hinweisschild gab es eine Bewegungsaufgabe zu absolvieren, bevor das Ziel, eine Truhe mit kleinen Geschenken, erreicht wurde. Rund 100 Kinder machten im Laufe einer Woche bei der Schnitzeljagd mit. Das Ziel des Vereins: Trotz Lockdown-Pause weiter zum Sport zu animieren.

Training und Snack in einem

Nachdem ab März Stillstand herrschte, kamen im Verein schnell Ideen auf, auf digitale Aufgabenstellungen zurückzugreifen, „die Kinder sollten ja auch zu Hause was machen“, berichtete Kassenwartin Kathrin Müller während einer Feierstunde im Landratsamt. Und die digitale Motivation halte an; bis heute werden wöchentlich per Handy sportliche Aufgaben an die Kinder versandt. 

Auch die Leitung der Kinder- und Jugendfeuerwehr Wittelsberg greift während der Schließung der Feuerwehrhäuser und mangels Unterricht auf neue Ideen und Aufgabenstellungen aus der Ferne zurück und packt kleine Boxen für die angehenden Brandschützer. Darin enthalten sind Unterlagen und Utensilien wie essbare Gummischnüre, die man nicht nur naschen, sondern vorher zum Binden von Stichen und Knoten oder als Schläuche zum Üben oder auch für die Erstellung eines Hydranten-Plans nutzen kann. Die Ausbildung geht zudem online oder per Telefon-Unterricht weiter. Damit solle der Zusammenhalt in den Gruppen aufrechterhalten und den Jugendlichen trotz Corona der Erwerb von Abzeichen der Kinder- und Jugendfeuerwehr ermöglicht werden.

Saal wird zum Tonstudio

Auf die Kraft der Musik setzen die Bläser des Posaunenchores der evangelischen Stadtmission, die bis zu den Sommerferien einmal pro Woche unter freiem Himmel musizierten und bei Gottesdiensten oder vor Altenheimen Besuchern und Bewohnern ein Ständchen brachten. Sie sorgen für Abwechslung im Alltag und wollen die älteren Mitbürger erfreuen. Der eigene Spaß daran wurde schon nach dem ersten Testlauf deutlich. „Es hat uns so viel Freude bereitet, anderen eine Freude zu machen, alle haben sofort weitergemacht“, sagte Chorleiter Björn Sandrock.

Die Ehrenamtlichen der Kinderbibelwoche der evangelischen Kirchengemeinde und des Christlicher Verein Junger Menschen in Lohra haben ein digitales Angebot ins Leben gerufen und dazu den Gemeindesaal zum Ton- und Fotostudio umgestaltet: Mit Livestreams und selbst gedrehten Videos der biblischen Geschichten hielten sie Kontakt zu Kindern und Jugendlichen und sorgten für Unterhaltung. Auch die Trachtengruppe Breidenbach bewies filmisches Talent und hat an der „Klopapier-Challenge der Trachtengruppen“ teilgenommen, dazu ein kreatives Video erstellt: „Auf der Suche nach dem weißen Gold – dos Bärebicher Klobabeier“ (die OP berichtete). Zudem hat die Gruppe seit der Pandemie wöchentlich Beiträge über Breidenbacher Geschichte, Gedichte und Erzählungen veröffentlicht.

Der Landkreis honorierte das Engagement der fünf Gewinner mit einer Auszeichnung samt einem Preisgeld von jeweils 1 000 Euro. Insgesamt hatten sich nach dem Aufruf des Kreises 43 Vereine, Initiativen und Organisationen beworben. Ziel des Preises war es, zu zeigen, wie Vereine, Gruppen, Initiativen und Einzelne „in einer Pandemie trotzdem die Menschen“ erreichen, lobte der Erste Kreisbeigeordnete Marian Zachow bei der Preisverleihung. Ausgewählt wurden jene fünf, die beispielgebend und beispielhaft für viele weitere Aktionen vieler Vereine seien. Jede dieser Ideen leiste ihren Beitrag „zur Stabilisierung der Zivilgesellschaft und trägt zum Zusammenhalt bei“.

von Ina Tannert