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Marburg Skepsis überwiegt
Marburg Skepsis überwiegt
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09:58 30.01.2020
Werner Waßmuth und sein Enkel Louie am Strand von Lancing an der englischen Südküste in der Nähe von Brighton. Privatfoto
Werner Waßmuth und sein Enkel Louie am Strand von Lancing an der englischen Südküste in der Nähe von Brighton.  Quelle: Privatfoto
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Marburg

Nicht nur die ungewisse Zukunft macht ihnen zu schaffen, sondern auch die veränderte Stimmung im Land. Dies berichtet Werner Waßmuth aus Lohra, dessen Sohn mit seiner englischen Ehefrau und zwei Kleinkindern seit einigen Jahren in England lebt – in Southwater.
Southwater ist ein großes Dorf und eine Gemeinde im englischen Horsham District in West Sussex mit etwa 10 000 Einwohnern. Der Ort liegt zwischen London und Brighton.

Auch dort werde heftig diskutiert über den Brexit, sagt Waßmuth, der seit Jahren regelmäßig seine Familienangehörigen besucht – jüngst vor wenigen Tagen. „Ich, mein Sohn und seine Frau haben den Eindruck gewonnen, dass insbesondere die große Mehrheit der jungen Menschen in Großbritannien nicht für den Brexit sind, andererseits wird die Entscheidung als gegeben hingenommen.“

„Die dreijährige teilweise unwürdige Debatte im Land und in den Massenmedien, die sich teilweise zur regelrechten Schlammschlacht entwickelte,­ hat die Menschen hierzulande­ mürbe gemacht“, berichtet­ Waßmuths Sohn. Man setze­ jetzt zwar auf die Versprechungen der Brexit-Befürworter, wie Verbesserungen im Gesundheitswesen, Abbau von Bürokratie, also darauf, dass alles besser werden soll. „Doch sehe ich das mit gemischten Gefühlen. Ich lasse das jetzt alles auf mich zukommen“, ergänzt er.

300 000 Deutsche leben in Großbritannien

Waßmuths Sohn und sein ­in Deutschland geborener Enkel haben die deutsche Staatsbürgerschaft, seine Schwiegertochter und seine Enkelin die britische Staatsbürgerschaft.

Mehr als 300 000 Deutsche leben derzeit in Großbritannien, rund 50 000 davon im Großraum London. Grundsätzlich gilt: EU-Bürgerinnen und EU-Bürger, die bereits vor dem Brexit in Großbritannien gewohnt haben, können bleiben. Es kommt nicht darauf an, ob sie gearbeitet oder Geld verdient haben. Sie müssen jedoch bis 30. Juni 2021 einen so genannten „Settled Status“ beantragt haben. Diejenigen, die ihn dann bekommen, besitzen ein lebenslanges Daueraufenthaltsrecht in Großbritannien. Dies wird auch Waßmuths Sohn tun.

Werner Waßmuth selbst wird seine Angehörigen selbstverständlich auch künftig regelmäßig besuchen. Er ist allerdings gespannt, wie sich alles noch entwickeln wird. „Die Lebensmittel in England sind bereits jetzt schon erheblich teurer geworden. Die britische Ernährungswirtschaft kann nur rund 50 Prozent des Lebensmittelbedarfs abdecken.

Ich selbst bin gespannt, wie die Zollkontrollen zum Beispiel in Calais und Dover abgewickelt werden sollen. Dort werden täglich rund 1500 40- Tonner-Lkw abgefertigt und zwar auf beiden Seiten. Zurzeit läuft dies alles fließend, doch warten wir mal ab, was noch auf uns zukommt“, macht sich Skepsis bei Werner Waßmuth und auch bei seinen Angehörigen breit. „Ich denke mal, nach unserem nächsten Besuch in England kann ich mehr ­berichten.“