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Marburg Sind Osterfeuer noch zeitgemäß?
Marburg Sind Osterfeuer noch zeitgemäß?
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10:00 14.04.2022
In den kommenden Tagen lodern wieder einige Osterfeuer im Landkreis Marburg-Biedenkopf.
In den kommenden Tagen lodern wieder einige Osterfeuer im Landkreis Marburg-Biedenkopf. Quelle: Maurizio Gambarini
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Landkreis

Ostern steht vor der Tür und mit dem Wegfall der Corona-Regeln sind auch wieder größere Veranstaltungen wie die traditionellen Osterfeuer möglich. In vielen Regionen ist das Brauchtum ein fester Bestandteil im Terminkalender, so auch im Landkreis Marburg-Biedenkopf. Nach zwei Jahren pandemiebedingter Pause sind wieder vielerorts Osterfeuer geplant – wenn auch nicht so gehäuft wie in den Vorjahren.

Die Tradition der Osterfeuer gibt es seit Jahrhunderten. Die Feuer werden Karfreitag, Karsamstag oder am Ostersonntag angezündet. An den wärmenden Flammen in den meist noch kühlen Nächten kommen viele Menschen zusammen, um den Frühling zu begrüßen. Die Veranstaltungen sind zwar wieder erlaubt, aber die Tradition steht auch im Ruf, die Umwelt zu schädigen. Stimmt das?

Osterfeuer-Auflagen

Das Material soll erst am Tag vor dem Osterfeuer auf dem Brennplatz aufgeschichtet oder vor dem Abbrennen umschichtet werden. Bei der Wahl des Abbrennplatzes sollten Fachleute befragt werden, zum Beispiel von der Untere Naturschutzbehörde. Der Platz muss mindestens 50 Meter Abstand zu Bäumen und Sträuchern haben. Verwendet werden sollte ausschließlich unbehandeltes, naturbelassenes Holz oder Baum- und Strauchschnitt. Die Veranstalter seien dafür verantwortlich, Abfälle auszusortieren, bevor das Holz aufgeschichtet wird. Um starke Rauchentwicklung zu vermeiden, sollten möglichst keine Pflanzenteile verbrannt werden, an denen sich Blätter oder Nadeln befinden. Grundsätzlich müssen alle Feuer spätestens 14 Tage vor dem Abbrennen gemeldet werden.

Fest steht: Beim Abbrennen der Osterfeuer entsteht Feinstaub. Nach Angaben des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) produziert ein größeres Feuer mit Gartenabfällen innerhalb von sechs Stunden etwa so viel Rauch und Rußpartikel – darunter Feinstaub – wie 250 ältere Autobusse an einem Tag. Allerdings, so betont Ute Dauert vom Umweltbundesamt (UBA), habe das Wetter Einfluss auf die Feinstaubbelastung. Kräftiger Wind könne die Schadstoffe rasch verteilen, und Niederschlag wasche sie aus der Atmosphäre aus, sodass die Feinstaubbelastung der Luft sinke.

Osterfeuer lassen demzufolge die Feinstaubbelastung nicht so stark ansteigen wie etwa das Silvesterfeuerwerk, da sie zu unterschiedlichen Zeiten am Osterwochenende und zudem in geringerem Umfang abgebrannt werden. Dem Bundesumweltministerium zufolge können durch Osterfeuer zwar Grenzwerte zeitweise überschritten werden. Doch sei eine hohe Feinstaubbelastung auf nur wenige Tage im Jahr beschränkt. Daher müsse man den Brauch nicht verbieten. Tiere sind durch Osterfeuer besonders gefährdet, wenn das Tage oder Wochen zuvor aufgeschichtete Material direkt verbrannt wird. Denn sie nutzen die Holzstapel als Unterschlupf und Teillebensraum, wie Ursula Bauer vom Schutzverein Aktion Tier erklärt.

Osterfeuer im Landkreis

Samstag, 16. April: ab 17 Uhr in Caldern am Sportplatz, ab 17 Uhr in Kirchhain hinter dem Damm, ab 17 Uhr in Mornshausen/S. in der Nähe des Kornhauses, ab 19 Uhr bei der Feuerwehr in Römershausen, ab 18.30 Uhr in Niederweimar am Sportplatz, ab 9 Uhr bei der Feuerwehr Marbach, ab 18 Uhr bei der Feuerwehr Elnhausen, ab 19.30 Uhr beim TSV Michelbach.

Sonntag, 17. April: ab 19 Uhr in Heskem-Mölln unterhalb des GrundBads, ab 19.30 Uhr in Bauerbach am Heideweg.

Vor allem Igel erkennen in den Holzstapeln und Reisighaufen Unterschlupfmöglichkeiten, in denen sie ungestört den Tag verbringen können. Auch manche Vogelarten wie der Zaunkönig, die schon früh im Jahr mit dem Nestbau beginnen, finden in Holzhaufen scheinbar optimale Verstecke für sich und ihre Nachkommen. dpa

Von Silke Pfeifer-Sternke und Hilal Özcan

13.04.2022