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Marburg Knallerei mit Nebeneffekt
Marburg Knallerei mit Nebeneffekt
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09:00 31.12.2019
Wegen Windstille droht in der Silvesternacht die Gefahr von „Böller-Nebel“, dann sieht man nicht nur das Feuerwerk nicht mehr, auch gefährlicher Feinstaub bildet sich. Quelle: Tobias Hirsch
Marburg

Auf den ersten Blick sieht der Wetterbericht für den Jahreswechsel gar nicht so schlecht aus: Trocken und kalt soll es laut Vorhersage werden. Und windstill. „Das Wetter am Silvesterabend wird von einem kräftigen Hoch mit Zentrum über Großbritannien dominiert. Es bringt ganz Deutschland trockenes Wetter“, erklärt Matthias Habel, Meteorologe und Pressesprecher von WetterOnline. „Dabei wird es im Norden windig und frostfrei bleiben, im Rest des Landes hingegen sinken die Temperaturen bei nur wenig Wind schnell in den frostigen Bereich. Fürs Anstoßen und Raketenzünden empfehlen sich bei Temperaturen von 0 bis minus 4 Grad daher Handschuhe und Mütze“, ergänzt der Wetterexperte.

Böller-Nebel kann auch den Verkehr behindern

Von Nordrhein-Westfalen über Hessen bis nach Bayern wird es zum Jahreswechsel allerdings windstill. „Genau dies ist ein Problem“, warnt Habel: Die bodennahe Kaltluft werde sich innerhalb von Minuten durch das Feuerwerk mit großen Mengen von Feinstaub anreichern. Vor allem in Flusstälern und in Orten, wo intensiv Feuerwerk abgebrannt werde, bilde sich in kürzester Zeit dichter Nebel. „Dabei wird die Sichtweite abrupt auf unter zehn Meter sinken. Dies schränkt nicht nur die Sicht auf das Feuerwerk ein, sondern stellt auch eine Gefahr für den Straßenverkehr dar“, erläutert der Meteorologe. Die hohen Feinstaubmengen könnten zudem gesundheitsschädlich sein, da der nicht vorhandene Wind die Schadstoffe nicht großflächig verbreite.

Der Rauch der Silvester­böller und Raketen trägt laut Habel Milliarden feinster Partikel in die Atmosphäre. An diese als primäre Aerosole bezeichneten Staubteilchen dockt die in der Luft enthaltene Feuchtigkeit an. In der Folge kann sich in kürzester Zeit dichter Nebel bilden. Aufgrund der verbreitet vorherrschenden Windstille kann diese Situation bis weit nach Mitternacht andauern. „Die Feinstaubkonzentration dürfte in vielen Orten die höchsten Werte des ganzen Jahres erreichen“, sagt Habel.

Mit Kindern über Gefahr reden

Der Spaß der Silvesterknallerei birgt aber noch weitere Gefahren: „Feuerwerkskörper und Raketen sind Sprengstoff. Durch Unfug oder unachtsamen Umgang mit Silvesterfeuerwerk hat schon für so manchen das neue Jahr schlecht angefangen“, warnt Kreisbrandinspektor Lars Schäfer. Vor allem Kinder seien von Feuerwerkskörpern fasziniert. Erwachsene sollten daher mit ihren Kindern auch über die Gefahren reden. „Wer umsichtig und verantwortungsvoll mit Böllern umgeht, kann als Vorbild manche schwere Verletzung oder auch Brände verhindern“, erläutert Schäfer. Zudem stellten nicht geprüfte Knallkörper, illegal eingeführt oder auch selbst gebastelt, neben dem unachtsamen Umgang mit Feuerwerkskörpern eine besondere Gefahr dar. Wie Sie das neue Jahr möglichst gefahrlos begrüßen, dazu hat der Fachbereich Gefahrenabwehr des Landkreises Tipps veröffentlicht (siehe Hintergrund).

Hintergrund

Tipps zum gefahrlosen Böllern

  • Feuerwerkskörper und Raketen sind Sprengstoff. Lassen Sie Jugendliche unter 18 Jahren nicht damit hantieren.
  • Beachten Sie unbedingt die Gebrauchshinweise der Hersteller. 
  • Zünden Sie Feuerwerkskörper nur dort, wo dies auch erlaubt ist. Das Abbrennen der Böller und Raketen in unmittelbarer Nähe von Kirchen, Krankenhäusern, Kinder- und Altersheimen ist untersagt. Dieses Verbot gilt auch für das Umfeld von Fachwerkhäusern.
  • Nehmen Sie nach dem Anzünden einen ausreichenden Sicherheitsabstand ein. Werfen Sie Feuerwerkskörper und Raketen nicht blindlings und unkontrolliert weg und zielen Sie niemals auf Menschen oder Tiere.
  • Knallkörper und Raketen nicht in der Hand halten, sondern sofort wegwerfen! Wenn Knallkörper in der Hand explodieren drohen schwerste Verletzungen!
  • Niemals Böller oder Raketen unter oder auf parkende oder fahrende Fahrzeuge werfen!
  • Stellen Sie auf keinen Fall Feuerwerkskörper selbst her. Artikel, die in Deutschland zum Verkauf zu Silvester freigegeben sind, müssen über eine Prüfnummer der BAM (Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung) verfügen.
  • Bewahren Sie Feuerwerkskörper so auf, dass keine Selbstentzündung möglich ist. Tragen Sie Feuerwerk niemals am Körper, etwa in Jacken- oder Hosentaschen.
  • Schützen Sie Ihre Wohnung in der Silvesternacht vor Brandgefahren: Entfernen Sie Möbel, Hausrat und andere brennbare Gegenstände von Balkonen und Terrassen. Halten Sie Fenster und Türen, insbesondere auch Dach- und Kellerfenster geschlossen.
  • Raketen sollten in große ­Flaschen gestellt werden, die wiederum in einem Kasten stehen. Die Flugrichtung muss so gewählt werden, dass die ­Raketen nicht in Häuser, auf Balkone oder auf leicht brennbares Material fliegen können. Raketen dürfen nicht gebündelt werden, da durch ungleiche Zündungen Kursabweichungen unvermeidbar werden.
  • Bei fächerförmigem Feuerwerk beträgt die Neigung bis zu 30 Grad, was für Gebäude und umstehende Personen sehr gefährlich sein kann; daher diese Fächer nur auf freiem Feld zünden.
  • Achtung bei Blindgängern: Wenn Feuerwerkskörper nicht zünden oder versagen, nicht nachkontrollieren oder nachzünden, sondern mit Wasser übergießen, um unkontrolliertes Zünden zu verhindern.
  • Die Benutzung von sogenannten Himmelslaternen ist verboten!
  • Sollte dennoch etwas passieren, bewahren Sie Ruhe.
  • Melden Sie einen Notfall sofort über den Notruf 112.
  • Kleinere Brandverletzungen mit Wasser kühlen, anschließend abdecken, nach Möglichkeit steriles Verbandmaterial nutzen, zum Beispiel aus dem Auto-Verbandkasten.
  • Feuerwehren, Notärzte und Rettungsdienst stehen im Landkreis auch in der Silvesternacht bereit, um im Notfall zu helfen.

Quelle: Fachbereich Gefahrenabwehr des Landkreises