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Marburg „Dass wir die Kunden begeistern – das ist meine Vision“
Marburg „Dass wir die Kunden begeistern – das ist meine Vision“
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10:00 12.01.2022
Silke Boldt, seit 1. Juli vergangenen Jahres Vorständin der Sparkasse.
Silke Boldt, seit 1. Juli vergangenen Jahres Vorständin der Sparkasse. Quelle: Sparkasse
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Marburg

Sie ist die erste Vorständin der Sparkasse Marburg-Biedenkopf: Silke Boldt trat am 1. Juli vergangenen Jahres die Nachfolge von Harald Schick an. Im Gespräch mit der OP erzählt sie, was sie an der Region und der heimischen Sparkasse reizt – und was ihre Ziele für das Kreditinstitut sind.

An den Tag ihres Umzugs nach Marburg am 10. Juni vergangenen Jahres kann sich Silke Boldt noch sehr gut erinnern: Gemeinsam mit ihrem Mann bezog sie eine Wohnung in den von der Sparkasse gebauten Häusern auf dem Vitos-Gelände. „An dem Umzugsabend wollten wir das erste Mal nach Monaten Essen gehen.“ Also ging es zunächst ins Corona-Testzentrum – und dann in ein griechisches Restaurant auf der Ketzerbach. „Es war herrlich: Ein toller Sommertag, der erste Restaurantbesuch nach Monaten – und eine gegrillte Dorade. Besser konnte der Start in Marburg nicht gelingen“, freut sich Silke Boldt.

Dem vorausgegangen war eine „sehr aufregende Bewerbungsphase“: Zunächst ein klassisches Interview (digital), dann die Vorstellung in der Findungskommission – „von dort kam zum Glück recht schnell das Signal, dass ich eine Runde weiter bin.“ Die Mitarbeitervertreter des Verwaltungsrates wollten die potenzielle neue Vorständin kennenlernen – per Video-Schalte.

Drei Vorstellungsrunden an einem Tag

„Und dann kam die Schwierigkeit, für den 22. Dezember ein Hotelzimmer zu finden.“ Zum Schluss kam Silke Boldt mit ihrem Mann in einer Ferienwohnung unter – denn der 23. Dezember war der entscheidende Tag mit drei Vorstellungsgesprächen bei Stadt, Landkreis und Verwaltungsrat. „Am Abend war ich völlig geschafft.“ Doch es stand fest: Sie hatte den Job, der Vertrag war unterschrieben.

Ihren ersten Einsatz für die Sparkasse hatte Boldt bereits am 29. Juni, als sie zur Einweihung der umgebauten Sparkassen-Filiale in Cölbe kam. „Das war ja fast Schwarzarbeit“, sagt sie lachend. Seit einem halben Jahr ist sie nun im Amt, „ich habe noch keinen Tag bereut, wir fühlen uns hier sehr wohl.“ Das Geschäftsgebiet „mit seinem Mix aus Stadt und Land mit der pulsierenden Universitätsstadt finde ich sehr spannend.“ Das habe sie im Sommer auch schon bei zahlreichen Radtouren gemeinsam mit ihrem Mann erlebt. „Die Landschaft ist so schön wie im Urlaub“, sagt sie. Hinzu komme, dass die Region „mit wirtschaftlich starken und weltbekannten Unternehmen“ punkte, „das beeindruckt mich weiterhin sehr. Gute Firmen bedeuten gute Jobs“, und die seien der Garant dafür, „dass es auch unseren Kunden gut geht.“

An Marburg reizt sie die Größe der Sparkasse. „Wir haben ganz andere Möglichkeiten, Dinge umzusetzen und uns im Veränderungsprozess zu beweisen, als kleinere Häuser.“ Zuständig ist Boldt für das Privatkundengeschäft und den Organisationsbereich. „Das ist nicht nur in der heutigen Zeit eine Schlüsselabteilung, denn sie wirkt ins ganze Haus hinein und führt letztlich zur Weiterentwicklung der gesamten Sparkasse“, sagt die 52-Jährige. „Wir müssen uns mit den Prozessen so aufstellen, dass wir für die Zukunft gut gewappnet sind, schlanker und schneller werden – und dass am Ende der Kunde auch spürt, dass wir uns weiterentwickeln.“ Es gebe eine starke Dynamik, „und bei all den Themen, die wir vor uns haben, gibt es hervorragende Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie Führungskräfte, die alle gemeinsam an einem Strang ziehen.“

Im Kundengeschäft sei der Anspruch der Sparkasse, die beste Beratung aller Kreditinstitute im Geschäftsgebiet zu bieten. „Dafür müssen wir unsere Beraterinnen und Berater gut schulen. Die Führungskräfte geben dabei die bestmögliche Unterstützung.“ Auftrag der Sparkasse sei es, „für die Kunden bei all den Bedarfsfällen, die sie im Laufe eines Lebens haben, eine individuell passende Lösung zu erarbeiten und anzubieten.“ Silke Boldt sagt: „Dass wir die Kunden begeistern – das ist meine Vision.“ Denn so könne man sich vom Wettbewerbsumfeld positiv abheben. Dabei müsse man sich auf Augenhöhe des Kunden bewegen, ihn nicht mit vielleicht unverständlichen Fachbegriffen bombardieren. „Wir müssen uns Zeit nehmen und verstehen, was bei jedem einzelnen Kunden gerade wichtig ist – und dann haben wir auch die passende Lösung“, ist sich Boldt sicher.

Doch ist diese persönliche Beratung im Zeitalter von Online-Banking und Internet-Banken überhaupt noch angebracht? „Auf jeden Fall. Der Kunde wird uns immer brauchen, wenn es um komplexere und für ihn sehr wichtige Entscheidungen geht.“ Ob Hausbau, Eröffnung des ersten Kontos für das Kind oder erste Unfallversicherung für einen Teenager, Familiengründung oder erstes gemeinsames Konto, „der Kunde entscheidet, was wichtig ist. Und wir sind da – in der Filiale, am Telefon und online. Wenn der Kunde sich mit diesen Dingen beschäftigt, dann wäre toll, wenn er sagt: Ich gehe zu meiner Sparkasse.“ Kunden begeistern bedeute, „dass ich mit ihm gemeinsam die Lösungen erarbeite. Er muss spüren, dass wir auf seine Themen eingehen.“

Boldt weiß, dass dem Privatkunden „mehr begegnen kann, wo er auf Abwege kommen kann – wir verhindern nicht, dass es Konkurrenz um uns herum gibt oder sich das Geschäft im Internet weiter entwickelt. Konkurrenz belebt das Geschäft. Wir müssen uns konzentriert und geradlinig auf die Bedürfnisse der Kunden ausrichten. Wir werden uns weiterhin und immer wieder neu in den Köpfen und Herzen etablieren. Dann brauchen wir keinen Konkurrenten zu fürchten.“

Nicht nur die Kunden sollen sich wohlfühlen – sondern auch die Mitarbeiter. Daher sei die Neustrukturierung des Filialnetzes mit der Konsolidierung und dem damit verbundenen Um- oder Neubau der Geschäftsstellen wichtig. „Auch unsere Mitarbeiter möchten in einem Umfeld arbeiten, das für sie gut ist – dazu gehört, dass wir attraktive Rahmenbedingungen schaffen und wir auf dem technisch neuesten Stand sind.“

Insgesamt müsse die Sparkasse „zukunftsorientierte Jobs bieten, die junge Leute ansprechen und in denen auch das Umfeld langfristig stimmt“. Vor diesem Hintergrund freue sie sich, „dass wir neue Geschäftsstellen bauen, in denen wir die sehr guten Arbeitsbedingungen für unsere Mitarbeiter umsetzen und die beste Beratung für unsere Kunden anbieten“.

„Detektivarbeit“ nach Gemäldefund im Keller

Übrigens war die neue Vorständin auch schon relativ früh mit Detektivarbeit beschäftigt. Denn in ihrem Büro hängt ein farbenfrohes Bild – Blau und Grün dominieren, die Stadt ist abstrahiert mit ihrer markanten Silhouette zu erkennen.

„Das Bild wurde im Keller verwahrt, hatte einen schweinchenrosa Sperrholz-Rahmen. Aber es hat mich sofort angesprochen – ich wusste, wenn es gereinigt ist, dann passt es hervorragend ins Büro“, sagt Boldt.

Gereinigt wurde es, der rosa Rahmen ist passé – doch wer das Bild gemalt hat, das weiß Silke Boldt nicht. Noch nicht. „Das Gemälde hat eine Inventarnummer. Doch in unserem Inventarverzeichnis steht kein Künstler.“

Das Mysterium ist bisher noch nicht gelöst. „Aber ich bleibe dran“, sagt Silke Boldt lachend.

Silke Boldt begann ihre Sparkassen-Laufbahn in Teterow in Mecklenburg-Vorpommern. „Das wird immer meine Heimatfiliale bleiben“, sagt sie.

Von dort wechselte sie zur Ostseesparkasse in Rostock, wo sie 28 Jahre arbeitete.

Bevor sie auf den Vorstandsposten in Marburg wechselte, war Boldt zweieinhalb Jahre Vorstandsmitglied bei der Sparkasse Wilhelmshaven.

Die 52-Jährige ist verheiratet und hat eine erwachsene Tochter.

Von Andreas Schmidt