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Marburg Sie wollen „Wende im Rathaus“ in Marburg
Marburg Sie wollen „Wende im Rathaus“ in Marburg
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16:02 04.11.2020
Ein Quartett führt die CDU in den OB- und Kommunalwahlkampf 2021: Dirk Bamberger (links), Roger Pfalz, Jens Seipp und Karin Schaffner Quelle: Björn Wisker
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Dagobertshausen

Behringtunnel-Planung, Videoüberwachungs-Ausbau, Nein zu Windkraft auf dem „Lichter Küppel“ und der Bau eines Technisches Rathauses, um eine zentrale statt über die Stadt verteilte Verwaltung zu schaffen: In seiner Oberbürgermeister-Bewerbungsrede auf dem CDU-Parteitag skizzierte der später mit 91 Prozent zum Kandidaten gewählte Dirk Bamberger politische Ziele.

Und er griff SPD-Amtsinhaber Dr. Thomas Spies scharf an: „Ich werde keinen Bürger mit Vorträgen überziehen und vor mich hin dozieren. Ich werde nah bei den Menschen und Vereinen sein. Weil ich das, und nicht nur Selbstinszenierung kenne und liebe.“ Dass der Amtsinhaber etwa den Corona-Marburg-Gutschein mit einer eigenmächtig unter die zehntausenden Briefe gesetzten Unterschrift für Wahlkampf nutze, unterstreiche das. „Spies geht es um Spies." Die „Stadt der Mutigen“, von der dieser oft rede, lasse der OB etwa gar nicht zu. Bamberger verwies exemplarisch auf die „mögliche Afföller-Aufwertung“ durch ein Altenheimbau der DVAG-nahen MPG. Aber der Amtsinhaber habe das „auf Druck von Linksdraußen verhindert“. Dabei gelte es, „die Stadt zu verändern“ – allerdings nicht im „Spies-Stil mit viel Wind um Nichts“ wie etwa bei den „schlicht nicht umsetzbaren“ Windrädern zwischen Moischt und Schröck. Das seien SPD-Klima-Avancen in Richtung Grünen und Linken.

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„Man ist in dieser Stadt OB aller Bürger, nicht nur eines linken Klientels", sagt der Landtagsabgeordnete, der nach 2015 zum zweiten Mal gegen Spies – und gegen Nadine Bernshausen (Grüne), Andrea Suntheim-Pichler (BfM), Michael Selinka (FDP) sowie vermutlich Renate Bastian (Linke) – antritt.

Wechsel in Reihe zwei: Drei Frauen drängen in Fraktion

Den Vorwurf von wenigen politischen Erfolgen in der auslaufenden Legislaturperiode konterte er mit dem „konsolidierten Haushalt“, dem Auf- und Ausbau der Stadtpolizei sowie – überraschend –das eigentlich von Spies „Bibap“ getaufte Bildungsbau-Programm und der Sanierung der Weidenhäuser Brücke. Gerade bei der Brücke hätte man rot-grüne Pläne verhindert, „die der Beginn gewesen wären, Autos aus der Stadt zu halten“. Die ZIMT-Regierung sei der Beweis, dass „Regieren im Sinne aller besser funktioniert als in 18 Jahren rot-grüner Ideologiepolitik".

Im Gegensatz zu Bambergers Nominierung birgt die Kommunalwahlliste Überraschungen. Denn: Es deutet sich ein Gesichter- und teilweiser Generationenwechsel an. Mit Philipp Knaack (10), Maximilian Noe (16) und Aurelia Birne (18) finden sich drei Junge-Union-Politiker auf aussichtsreichen Plätzen – aktuell stellt die Partei 16 Stadtverordnete. Vor allem rücken einige Frauen aus dem Hinter- in den Vordergrund, jedenfalls in die zweite Reihe; etwa Birgit von Bargen (6), Jelena Dejanovic (12) und Marina Siffermann-Gorr (15). Auffällig: Der profilierte, mitunter aber unbequeme Oliver Hahn findet sich nicht auf der Liste. Auch die meinungsstarke Ulrike Ristau, immerhin Vorsitzende des größten Vereins VfL Marburg, ist nur auf Rang 21.

Nur eine Kampfkandidatur um die begehrten Plätze

Dafür gibt es neben den JU-Emporkömmlingen recht weit oben mit Heiko Schäfer (11) einen weiteren bisher unbekannten Namen. Kampfkandidatur gab es nur eine: Der auf Rang 28 platzierte Jan Forge scheiterte mit 26:27 Stimmen denkbar knapp gegen den vom Vorstand favorisierten JU-Mann Noe. Die CDU-Spitze bezeichnet die Kandidatenauswahl als „eine Weiterentwicklung. Wir sind jünger, weiblicher und moderner geworden. So werden wir noch erfolgreicher.“

Sollte die CDU im März 2021 das Wählerstimmen-Level halten, entsenden sie etwa Polit-Granden wie Anne Oppermann und Hermann Heck in den ehrenamtlichen Magistrat, erscheinen die Plätze bis Rang 20, maximal bis zum Wehrdaer Ortsvorsteher Dirk Vaupel (23), realistisch für ein Stadtverordneten-Mandat. Grund: Das Wahlsystem Kumulieren und Panaschieren sorgt wegen der möglichen Personen-Direktwahl für Verschiebungen, bekannte oder beliebte Personen können viele Plätze gut machen und andere Parteifreunde überholen. Das beste Beispiel liefert der Hauptkonkurrent SPD: Ex-OB Egon Vaupel wurde 2016 von einem der letzten Partei-Listenplätze auf Rang 3 vorgewählt.

Von Björn Wisker

01.11.2020
31.10.2020