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Marburg Sie wollen Väter zum Glück lotsen
Marburg Sie wollen Väter zum Glück lotsen
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13:00 06.06.2021
Martin Mehl (rechts) ist der Kopf des in Marburg neuen Projekts „Mann wird Vater“. Gemeinsam mit Ulrich Severin vom „Väteraufbruch“ kümmert er sich um junge Eltern, deren Fragen, Sorgen und Probleme.
Martin Mehl (rechts) ist der Kopf des in Marburg neuen Projekts „Mann wird Vater“. Gemeinsam mit Ulrich Severin vom „Väteraufbruch“ kümmert er sich um junge Eltern, deren Fragen, Sorgen und Probleme. Quelle: Björn Wisker
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Marburg

Er nimmt den Pandabär vom Regal und packt ihn so, wie man Babys tragen kann – im sogenannten Fliegergriff. Wenn es in Marburg jemanden gibt, der sich mit Kindern, mehr noch mit Vaterwerden und dessen Tücken auskennt, dann ist es Martin Mehl. Der Pädagoge baut mit finanzieller Hilfe der Evangelischen Kirche und dem Landes-Sozialministerium seit Wochen das Projekt „Mann wird Vater“ auf – eine Anlaufstelle speziell für jene in und um Marburg, die zum ersten Mal Eltern werden und sich nach mehr als einer weiblichen, einer Mutter-Perspektive sehnen.

„Es ist doch so: Werdende Väter sind im ganzen Prozess von Schwangerschaft bis zur Betreuung und Erziehung des Kindes weitgehend alleine gelassen. Sie wissen nicht, wie es für sie und ihr Leben nach der Geburt weitergeht, wie stark die Umstellung sein wird, wenn aus zwei drei Menschen in der Familie werden, und wie sie ihre Rolle gerade in den ersten Monaten und Jahren gut ausfüllen können“, sagt Mehl, umringt von Wachsmalstiften, Plastikspielzeug und Kuscheltieren im Väterbüro am Erlenring.

So gut gemeint und Männer-offen etwa die auch in Marburg durchgeführten Geburtsvorbereitungskurse seien – logischerweise seien sie mütterzentriert und könnten die speziell für Väter relevanten Fragen kaum klären. „Viele Männer wollen einfach nur, dass es Mutter und Kind gut geht, vergessen sich und ihre Probleme, vergraben ihre Unsicherheit “, sagt Ulrich Severin, der mit seinem Verein „Väteraufbruch“ in die Initiative integriert ist.

„Bis auf Stillen können Väter alles“

Will ich wirklich beim Geburtsvorgang dabei sein, oder tue ich es zur Erfüllung einer gesellschaftlichen Erwartung? Darf ich mit meinem Kind anders umgehen als die Mutter? Was und wie ist meine Rolle, mein Stellenwert für den Nachwuchs? Mehl und Severin wollen mit dem Projekt erreichen, dass sich Männer über das Thema Familie bewusster werden.

Schaffen wollen die Pädagogen das über sogenannte Väterlotsen, von denen die ersten seit Anfang Mai ausgebildet werden. Diese sollen Interessenten ganz praktische Tipps für die Frühphase geben, als Ansprechpartner bei Problemen, durchaus auch als erste Sandkastenfreunde dienen. „Der Hauptjob von frischgebackenen Vätern ist es, zuhause für eine entspannte Atmosphäre und somit für maximale Entlastung zu sorgen. Dass sie bis auf das Stillen rund um ein Kind alles können, was Mütter können – das ist eine Erkenntnis, die am besten Menschen vermitteln, die das erfahren haben und wissen“, sagt Severin.

Die Lotsen sollen werdende Väter davon überzeugen, dass diese in Erziehungsfragen auf ihre Instinkte hören und nicht zwingend den Partnerinnen oder eigenen Eltern nacheifern sollen. „Ein anderer, eventuell freierer Umgang ist nicht nur okay, er ist im Sinne einer bestmöglichen Kindesentwicklung eher erforderlich“, sagt Mehl. Aber um das zu realisieren und Unsicherheiten abzubauen, bräuchten Männer meist ein „Gegenüber, mit einer bestimmten Ansprache“. Das heiße mitunter: Videospiel anschalten, Bierflasche aufmachen und dabei irgendwann über privaten Stress und Konflikte sprechen, anstatt bei Beratungsgesprächen Pädagogen ernst in die Augen zu schauen.

Projekt „Mann wird Vater“ ermöglicht Austausch

Vom Geburts-Crashkurs über offene Väterabende und so vor allem zu einem Netzwerk für Väter, etwa um Spielplatztreffen mit Gleichaltrigen ausmachen zu können – das sind die lebensnahen Ziele des Projekts. „In Marburg gibt es eine Lücke, obwohl der Bedarf an Männertreffen absolut da ist“, sagt Mehl. Das Projekt „Mann wird Vater“ hat dabei nicht so sehr Problemfamilien, etwa Ungewollt-Babys oder Trennungsbiografien im Fokus, sondern will Bewohner von Bürgertum- bis Brennpunkt-Stadtteil ansprechen. „Jeder, der zum ersten Mal Vater wird, macht Ähnliches durch“, sagt Severin.

Jedenfalls wollten überall in Marburg und Umgebung Väter „mehr als nur Ernährer“ sein und eben so viel Zeit wie möglich mit dem Nachwuchs verbringen. „Sie wollen ran, und sie können es auch –ich will ihnen aktiv helfen, damit letztlich die Kinder die bestmögliche Entwicklung nehmen.“

Kontakt: 0157 / 390 68 302; marin.mehl@ekkw.de

Von Björn Wisker

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