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Marburg Sfax steckt in der Krise
Marburg Sfax steckt in der Krise
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15:47 09.08.2021
Während des Zweiten Weltkriegs wurde Sfax bei Bombenangriffen stark zerstört – das historische Rathaus der Stadt blieb jedoch stehen.
Während des Zweiten Weltkriegs wurde Sfax bei Bombenangriffen stark zerstört – das historische Rathaus der Stadt blieb jedoch stehen. Quelle: Foto: Mohamed Hakim
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Sfax

Sfax ist eine von Marburgs Partnerstädten. Seit 1971 besteht der mit einem Vertrag besiegelte Kontakt, der darauf beruht, dass man sich gegenseitig besucht und die Partnerschaft pflegt. Dass Marburg und Sfax seit 50 Jahren viel verbindet, sollte eigentlich gefeiert werden. Die Corona-Pandemie hat dem aber einen Strich durch die Rechnung gemacht. Nun soll das Jubiläum eingebettet werden in die Feierlichkeiten „Marburg800“. Die Ersterwähnung der Universitätsstadt soll im nächsten Jahr gebührend gefeiert werden. Zu diesem Anlass wäre sicher auch gern Chahir Krichen in Marburg. Krichen kam 1974 während eines Schüleraustauschs nach Marburg. Er wurde mit offenen Armen aufgenommen und sagt über die Universitätsstadt, dass sie sein zweites Zuhause geworden ist. Und er kennt Marburg sehr gut. Von 1977 bis 1985 hat er in Marburg Medizin studiert. Über diese damalige Zeit sagt er: „Die Erfahrungen in Marburg haben nicht nur mich als Person, sondern auch mein weiteres Leben beeinflusst.“ Und er ergänzt: „Ich bin halb Marburger, halb Sfaxer.“

Krichen liebt aber auch seine Heimat Sfax. Sie ist mit ihren 330 000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt Tunesiens. Sfax liegt am Mittelmeer und ist wie Marburg eine Universitätsstadt. Die Amtssprache ist Arabisch, doch viele Tunesier und Tunesierinnen sprechen auch Französisch. Sfax ist eigentlich eine Touristenregion.

Die Corona-Pandemie hat die Stadt hart getroffen. Im März vergangenen Jahres wurde das öffentliche Leben komplett lahmgelegt. Märkte, Geschäfte und Schulen waren geschlossen. Der Bewegungsradius der Bevölkerung wurde eingeschränkt. Das Nötigste zum Leben wurde in kleinen Läden verkauft, Bäckereien und Apotheken hatten offen.

„Die Corona-Pandemie hat Sfax in die größte wirtschaftliche und soziale Krise geführt“, sagt Krichen. Die aktuelle gesundheitliche und wirtschaftliche Situation sei katastrophal, und „wir erleben einen Totalausfall der zweiten Touristensaison“. Der Stadt bricht eine wichtige Einnahmequelle weg. Der Strand, der nur 20 Kilometer entfernt von Sfax liegt, ist mehr oder weniger verwaist. Die politische Lage im ganzen Land ist angespannt. Für Tunesien gilt eine Reisewarnung. Nachdem Präsident Kais Saied das Parlament suspendiert und die Regierungsgeschäfte per Dekret übernommen hat, kommt es immer wieder zu lokalen Demonstrationen und Auseinandersetzungen. Deswegen und aufgrund der Corona-Pandemie – Tunesien gilt als Hochrisikogebiet – warnt das Auswärtige Amt vor touristischen Reisen. „Es wird besser werden“, hofft Krichen.

Trotz allem kann Krichen „seiner Stadt“ am Mittelmeer viel abgewinnen. Er zieht den Vergleich, dass Sfax das Köln des Mittelmeeres sei: teils industriell, teils historisch gewachsen. Auch die Sfaxer sind besonders: Sie gelten laut Krichen als sparsam, fleißig und klug. Als Beweis führt er die Abiturergebnisse an. Jedes Jahr stelle Sfax die besten des Landes, und das seit der Unabhängigkeit (1956), sagt Krichen nicht ohne Stolz.

Hintergrund

Die Stadt Sfax – das ehemalige römische Taparura – in Tunesien ist in erster Linie eine Hafen- und Industriestadt.
Die Stadt ist gleichzeitig auch die Hauptstadt des gleichnamigen Gouvernements und liegt im Süden Tunesiens ungefähr 250 Kilometer südöstlich von Tunis am Mittelmeer.
Seit 1971 ist Sfax Marburgs Partnerstadt und ist heute mit ungefähr 330 000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt Tunesiens – im Einzugsbereich der Metropole leben sogar bis zu 600 000 Menschen.

Von Silke Pfeifer-Sternke

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