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Marburg Seniorenheim des Rosenparks schließt
Marburg Seniorenheim des Rosenparks schließt
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08:52 14.11.2020
Das Seniorenheim am Rosenpark wird Ende kommenden Jahres schließen. Quelle: Andreas Schmidt
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Marburg

Vergangenes Jahr wollte die Marburger Gesellschaft für Projektförderung (MPG) am Afföller ein Seniorenwohnheim inklusive Parkhaus bauen. MPG ist eine Tochtergesellschaft der Familienstiftung Anneliese und Dr. Reinfried Pohl. Gegen die Pläne gab es immensen Widerstand, letztlich verzichtete die Gesellschaft auf den Kauf des Geländes neben dem soziokulturellen Zentrum und in unmittelbarer Nähe zum Rosenpark – dies sei eine „rein unternehmerische Entscheidung“, sagte Stephan Bretz von der MPG seinerzeit.

Nun steht fest: Die Pflegeeinrichtung „Rosenpark Med“, also das Seniorenwohnheim in einem Gebäudekomplex am Rosenpark, wird zum 31. Dezember kommenden Jahres schließen. Das habe man bereits sowohl den Mitarbeitern als auch den Bewohnern kommuniziert, erläutert Bretz im Gespräch mit der OP. Man könne Heimverträge nicht „so mir nichts, dir nichts kündigen, es gibt entsprechende Gesetze. Aber die sehen eine wesentlich kürzere Kündigungsfrist vor“, erläutert der Geschäftsführer der Gesellschaft.

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Ziel: Adäquate Plätze für Bewohner finden

„Wir wollen das ganz bewusst mit langem Vorlauf machen, weil unser klares Ziel ist, dass alle Bewohner entsprechend an anderer Stelle einen ordentlichen, adäquaten Platz finden, der ihnen zusagt“, sagt Bretz. Heimleiter Wilfried Ströher unterstütze die Bewohner und deren Angehörigen entsprechend, „es gibt schon seit Langem Gespräche mit verschiedenen Einrichtungen im Kreis, die infrage kommen“, sagt Bretz. Für einige Bewohner sei bereits ein Platz gefunden.

Leicht sei die beschlossene Schließung nicht – für viele Bewohner sei es sehr traurig, weil sie nicht nur eine liebgewonnene Gemeinschaft aufgeben müssten, sondern auch, weil „die Einrichtung ihrer Art und Güte nach auch ihresgleichen sucht – das lässt sich nicht mal ebenso schnell ersetzen“.

Mitarbeiter mit guten Vermittlungschancen

Der Tragweite der Entscheidung sei man sich durchaus bewusst, so Bretz, „und wir haben es uns auch nicht leicht gemacht, weil wir wissen, was es sowohl für die Bewohner als auch für die Mitarbeiter bedeutet“, sagt der Jurist. Er ist überzeugt, dass die Mitarbeiter schnell unterkommen würden, „denn die Profession wird händeringend gesucht“, und auch bei der Weitervermittlung würde Heimleiter Ströher den Kollegen helfen.

„Wir wollen gerne alle bis zum Schluss bei uns behalten, weil wir auch den Betrieb bis zum letzten Tag aufrechterhalten werden – es soll ja keiner einen Nachteil aus der Schließung haben. Daher hoffen wir, dass unsere Mannschaft auch bis dahin an Bord bleibt.“ Gleichwohl gebe es einen Modus mit Sozialplan, Abfindungen und Prämien, „die Mitarbeiter sollen ja nicht entschädigungslos rausgehen“. Rund 30 Mitarbeiter – darunter 5 Auszubildende – arbeiteten derzeit bei Rosenpark Med. Und auch für die Azubis „bemühen wir uns natürlich, dass sie in einem anderen Betrieb ihre Ausbildung fortführen können“.

Wohnheim nicht wirtschaftlich

30 Mitarbeiter für 21 Bewohner – dieses Verhältnis zeigt schon, warum das Seniorenwohnheim schließen wird. „Mit einer solch geringen Anzahl von Bewohnern lässt sich eine solche Einrichtung bei Weitem nicht kostendeckend betreiben“, sagt Bretz. Üblich sei in der Branche, dass man eine Kostendeckung erst bei rund 60 oder 70 Bewohnern erreiche – baulich ließe sich an dem vorhandenen Gebäude nichts verändern, „die Infrastruktur ist ausgereizt“. Die Rosenpark Med gebe es seit 1999, sie sei noch nie profitabel gewesen, „aber aus dem sozialen Gedanken heraus wurde sie immer weiterbetrieben“. Doch irgendwann gehe es nicht mehr.

Noch keine Pläne für Gebäude

Eine Alternative sei die Vergrößerung durch das geplante Seniorenwohnheim am Afföller gewesen, „um zumindest kostendeckend zu arbeiten“ – das Gelände habe sich für eine Weiterentwicklung angeboten. Andere Standorte seien geprüft, aber verworfen worden, erläutert Stephan Bretz. Die „grüne Wiese“ sei keine Option, zentrale Standorte gab es nicht.

Und was soll mit dem Haus künftig passieren? „Dafür gibt es noch keine konkreten Pläne“, sagt Bretz. Eine Hotel-Erweiterung sei möglich, jedoch müsse man vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie zunächst schauen, wie sich die Hotellerie weiterentwickele. Denkbar seien auch Büroräume für die Rosenpark-Verwaltung, „es gibt einige Optionen, die in Betracht kämen – aber noch nichts Konkretes“.

Von Andreas Schmidt