Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Marburg „Semana Latina“ startet in der Waggonhalle
Marburg „Semana Latina“ startet in der Waggonhalle
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:00 26.09.2021
Das Duo Repertino gastiert bei der Veranstaltungsreihe in der Waggonhalle.
Das Duo Repertino gastiert bei der Veranstaltungsreihe in der Waggonhalle. Quelle: Veranstalter
Anzeige
Marburg

Am kommenden Montag (27. September) wird um 19 Uhr auf dem Gelände der Waggonhalle die 15. „Semana Latina“ mit einem Konzert der Band „Sonido Aguajal“ eröffnet. Die Organisatoren um den brasilianischen Komponisten, Musiker und Chorleiter Jean Kleeb, um den Literaturveranstalter Michael Paulsen sowie Marion Breu von der Waggonhalle und Ralf Dörschel vom Weltladen rücken seit 15 Jahren immer im Herbst eine Woche lang die lateinamerikanische Kultur in den Fokus der Marburger Öffentlichkeit.

Das Festival bietet Konzerte, Lesungen, Filme und Diskussionsveranstaltungen und es ist im Laufe der Jahre immer politischer geworden. In diesem Jahr steht die „Semana Latina“, die lateinamerikanische Woche, unter dem Motto „Natur – Raub – Widerstand“. „Im vergangenen Jahr haben wir die Abholzung des Amazonas-Regenwalds in den Mittelpunkt gestellt, dann ist uns aufgefallen: Es passiert in der ganzen Welt. So kam das Motto zustande“, sagt Marion Breu.

Weltweite Abholzung steht im Mittelpunkt

In der ganzen Welt verschwinden Wälder. Doch bis zu den brennenden Wäldern in Sibirien oder Nordamerika oder den massiven Abholzungen durch die Holzmafia in Mexiko müssten sie gar nicht schauen, meinen die Organisatoren. Sie verweisen auf den Dannenröder Forst nahe Stadtallendorf, der nach heftigen Protesten für den Bau der A49 in weiten Teilen abgeholzt wurde. So haben sie eine Podiumsdiskussion am Mittwoch, 29. September, über die „Abholzung der Wälder im Amazonas und im Dannenröder Forst“ mit Barbara Schlemmern unter anderem eine Aktivistin der Proteste gegen den Bau der A49 eingeladen. Der Eintritt ist frei.

„Viele Leute denken, an der Abholzung der Amazonas-Urwälder sind die Brasilianer schuld. Aber dort sind viele internationale Konzerne stark vertreten“, erklärt Jean Kleeb. „Viele wissen nicht, was der Fleischkonsum hier mit dem Raubbau dort zu tun hat.“ Die Verwüstung des Amazonas-Urwalds folge immer dem gleichen Prinzip: Abholzung, Weide oder Soja-Feld, dann Wüste, erklärt Kleeb.

Freier Eintritt

Der Dokumentarfilm „Still Burning“ beschäftigt sich am Dienstag, 28. September, ab 19.30 Uhr mit Kohleabbau, Landgrabbing und den Widerstand dagegen in Russland, Kolumbien und Deutschland. Der Film wird in Zusammenarbeit mit dem globalisierungskritischen Filmfestival Globale Mittelhessen gezeigt. Der Eintritt ist frei.

Am Donnerstag, 30. September, stellt Andreas Nöthen sein Buch „Bulldozer Bolsonaro: Wie ein Populist Brasilien ruiniert“ vor. Und am Samstag, 2. Oktober, wird vor dem Weltladen am Marktplatz die Ausstellung „Walk of Fame“ präsentiert, die Frauenkooperativen in Honduras und Nicaragua in den Blick rückt. Dazu gibt es lateinamerikanische Musik und eine Kaffeeverkostung. Der Eintritt ist frei.

Musik im Blut

Doch was wäre eine lateinamerikanische Woche ohne die Musik Lateinamerikas. Neben „Sonido Aguajal“ sind zwei weitere Konzerte auf dem Gelände der Waggonhalle geplant: Am Freitag, 1. Oktober, tritt ab 19.30 Uhr auf der Open-Air-Bühne der Waggonhalle die „Grupo Sal Duo“ mit dem Argentinier Anibal Civilotti und dem Portugiesen Fernando Dias Costa auf. Der Eintritt kostet im Vorverkauf 10 Euro, an der Abendkasse 15 Euro.

Höhepunkt ist das Abschlusskonzert am 2. Oktober: Eröffnet wird es um 18 Uhr vom „Duo Repentino“ aus Münster bevor ab 20 Uhr das Trio Lilian Vieira auftritt. Vieira sei in den Niederlanden, wo sie lebt, eine „Ikone des brasilianischen Gesangs“, sagt Jean Kleeb. Der Eintritt kostet 15 Euro, ermäßigt 12 Euro. Alle Veranstaltungen finden Open Air statt. „Danach wird die Open-Air-Bühne auf dem Waggonhallen-Gelände abgebaut“, erklärt Marion Breu. Michael Paulsen bedauert, dass zwei Veranstaltungen wegen der Folgen der Corona-Pandemie nicht stattfinden können: „Wir wollten unbedingt die Berliner Theaterkompanie mit ihrem Stück ,Fleisch’ zeigen. Und wir wollten die brasilianische Autorin Patricia Melo einladen, die über die massenhafte Vergewaltigung indigener Frauen im Amazonas-Gebiet schreibt.“

Von Uwe Badouin