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Marburg Marburger App knackt die Million
Marburg Marburger App knackt die Million
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12:16 09.04.2020
Die von Marburger Wissenschaftlern entwickelte Covid-Web-App. Quelle: Andreas Schmidt
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Marburg

Mit der von Marburger Wissenschaftlern entwickelten Web-App sollen Menschen mit entsprechenden Symptomen ihr individuelles Risiko sofort einschätzen können.

Dazu müssen sie auf der Internet-Plattform Fragen zu möglichen Symptomen beantworten – danach gibt es vom System eine Einschätzung nicht nur zu einer möglichen Covid-19-Erkrankung, sondern auch zu einem eventuellen Krankheitsverlauf. Bei einem unklaren Ergebnis kann der Nutzer zudem direkt mit Fachärzten des Universitätsklinikums telefonieren (die OP berichtete exklusiv).

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Aufrufe aus ganz Deutschland

Noch keine Woche ist das System nun online – und übertrifft alle Erwartungen, wie Professor Bernhard Schieffer gegenüber der OP erläutert: „Wir haben bereits weit mehr als eine Million Aufrufe und der Fragebogen wurde schon mehr als 675.000 Mal ausgefüllt“, sagt der Kardiologe. Davon sei man mit dem gesamten Team überwältigt.

„Die Aufrufe kommen aus dem gesamten Bundesgebiet“, sagt Schieffer – covid-online.de sei für die Menschen „eine wichtige Entscheidungshilfe“. An der geschalteten Hotline, die auch über Ostern bestehen bleibe, gebe es derzeit zwischen vier und zehn Anrufen in der Stunde – sie sei jedoch für ein Vielfaches ausgelegt.

Kein Ersatz für Arztbesuch

Der Vorteil von covid-online.de: „Sie können von jedem Ort aus, in dem es Internet gibt, zu jeder Zeit den Test ausführen.“ Häufig würden die Tests beispielsweise von Enkeln gemeinsam mit deren Großeltern vorgenommen. Letztlich bekämen die Menschen durch den Test eine Sicherheit – auch, wenn die Wissenschaftler betonen, dass die Web-App kein Ersatz für einen Arztbesuch ist.

Schieffer betont: „Wir versuchen den Menschen die Sorge zu nehmen, akut an einer Covid-Infektion erkrankt zu sein.“ Gleichzeitig habe die Web-App noch eine weitere Funktion – nämlich das Gesundheitssystem stabil zu halten. Dazu gehöre auch, dass nur die Menschen in die Kliniken kämen, die auch erkrankt seien – und gleichzeitig „alle, die krank sind, die für sie bestmögliche Versorgung bekommen“.

Stadt und Kreis verteilen Flyer

Damit möglichst viele Menschen die Web-App Covid-Online nutzen, werben Stadt Marburg, Landkreis und UKGM gemeinsam für eine Nutzung. Daher gibt es nun eine kurze Anleitung als Flyer – der soll am Wochenende an alle Haushalte im Landkreis verteilt werden.

Nun gelte es, das Tool so weiterzuentwickeln, „dass es auch Teil einer möglichen Exit-Strategie werden kann, indem man beispielsweise weiß, wen man wieder zurück an den Arbeitsplatz schicken kann“, sagt der Leiter der Kardiologie am UKGM Marburg. Das sei zwar noch Zukunftsmusik, werde aber durchaus auch schon diskutiert. Schieffer verdeutlicht allerdings: „Im Vordergrund steht weiterhin die Hilfe und Unterstützung für alle im Gesundheitswesen Tätigen.“ Dabei sei es sehr von Vorteil, dass alle Player des Gesundheitssystems an dem Projekt mitarbeiten. „Es ist eine tolle Team-Leistung, auf die alle miteinander stolz sein können.“

Die Web-App biete auch noch Potenzial für zukünftige Entwicklungen: Den Krankheitsverlauf beleuchte man derzeit „und auch die Nachsorge ist Thema – oder die Frage, wie wir mit Hochrisikopatienten umgehen, wenn die Quarantäne aufgehoben wird“. Auch, wenn die derzeitigen Einschränkungen künftig wieder gelockert würden „ist Corona ja nicht vorbei“: Die Navigation der Menschen im Gesundheitssystem sei „ganz entscheidend“.

von Andreas Schmidt

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