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Marburg Alte Liebe rostet nicht
Marburg Alte Liebe rostet nicht
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07:59 14.02.2022
Quelle: Nadine Weigel
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Marburg

Lächelnd nimmt er ihre Hand. Sie schaut ihn an, lächelt zurück. Eine Ewigkeit schon lächeln sie sich so an. Als sie sich kennenlernten, war der Zweite Weltkrieg gerade einmal zwei Jahre zu Ende. Sie war 17, er war 19 Jahre alt. Heute ist sie 90, er 92 Jahre alt. Doris und Horst Schultheiß sind seit 70 Jahren verheiratet. Vor kurzem feierten sie ihre Gnadenhochzeit.

Ein ganzes Leben in Liebe verbunden sein? Das schaffen nur sehr wenige Paare. Kein Wunder also, dass selbst von höchster Stelle Glückwünsche kamen. „Sogar der Bundespräsident hat gratuliert“, freut sich Doris Schultheiß und ihr Mann nickt.

Das muss man erstmal schaffen: Doris und Horst Schultheiß sind seit 70 Jahren verheiratet. Quelle: Nadine Weigel

Eine glückliche Liebesbeziehung zu führen, gehört zu den wichtigsten Aspekten im Leben von Paaren. Das wird nicht nur am heutigen Valentinstag deutlich, wo in zahlreichen Geschäften wieder dafür geworben wird, die Liebste oder den Liebsten mit Rosen oder Pralinen zu beschenken. Bei einer Umfrage im Jahr 2019 gaben 82 Prozent der Frauen in Deutschland und 80 Prozent der Männer an, insgesamt glücklicher zu sein, seitdem sie mit ihrem Partner oder ihrer Partnerin zusammen sind. Singles seien hingegen andere Dinge wichtiger, beispielsweise, ihre eigenen Entscheidungen zu treffen und eine gute Zeit zu haben, so die Umfrage.

Valentinstag: Das ist der Ursprung und die Entwicklung, das sind die Tipps unserer User für eine gute Liebesbeziehung

Viele Menschen glauben, dass der Valentinstag eine Erfindung des Blumenhandels ist, um das Geschäft anzukurbeln. Aber weit gefehlt. Der Valentinstag, der traditionell am 14. Februar begangen wird, soll auf den heiligen Valentin zurückgehen, den Bischof von Terni.

Der Sage nachsoll Valentin Liebespaare nach christlichem Ritus getraut haben, obwohl Kaiser Claudius II. das verboten hatte. Allerdings ranken sich heutzutage viele Mythen und Legenden um Valentin von Terni, dass anzunehmen ist, dass sich die Geschichten verschiedener Menschen vermischt haben oder dass manche schlicht erfunden oder falsch überliefert wurden.

Eine Version besagt, dass Valentin den Paaren, die er getraut hat, Blumen aus seinem Garten übergeben haben soll. Bestätigt scheint, dass Valentin als Märtyrer starb. Auf Befehl des Kaisers soll er am 14. Februar 269 enthauptet worden sein. Die Tradition, an diesem Tag die romantische Liebe zu feiern, entwickelte sich im 14. Jahrhundert. In Deutschland wurde der Valentinstag erst nach dem Zweiten Weltkrieg populär. Während hierzulande vor allem Blumen verschenkt werden, sind in Wales Holzlöffel – sogenannte Love-Spoons – beliebt. In Japan hingegen bekommen am 14. Februar nur Männer dunkle Schokolade geschenkt. Zwei Wochen später bekommen dann Frauen weiße Schokolade.

Wir haben auf unserer Instagram-Seiteunsere User gefragt, ob sie gerade verliebt sind. Von den 3120 Teilnehmenden antworteten 65 Prozent mit Ja, 35 Prozent mit Nein. Auf die Frage, ob sie ihrem Schatz etwas zum Valentinstag schenken, antworteten 23 Prozent mit Ja und 77 Prozent mit Nein.

Ob Valentinstagsfanoder nicht, wir haben unsere User gefragt, ob sie Tipps haben für eine gute Liebesbeziehung. Das sind die Ergebnisse:

Heike Paul: „Seit 33 Jahren jeden Tag etwas finden, über das wir gemeinsam Lachen können.“

Selina: „Viel Reden, Kompromisse eingehen und Sex.“

Annika: „Sich täglich sehen, ohne alltäglich zu werden, eins zu werden und doch zwei sein. Die Kunst zu lieben besteht darin, sich nahe zu sein, ohne sich zu nahe zu treten.“

Marlene und Rolf Dörr vom Feenhof: „Gemeinsames Hobby Pferde.“

Erwin Schul: „Die Liebe geht durch den Magen und ich bin Koch.“

Jennifer Schymalla: „Ganz viel gemeinsam lachen. Miteinander und übereinander.“

Eine gute, gemeinsame Zeit haben Doris und Horst Schultheiß seit 1947. Damals auf einer Feier in der Silvesternacht in ihrem Geburtsort Treysa hat es gefunkt. Es war Liebe auf den ersten Blick. „Er war so anders als die anderen“, erinnert sich die 90-Jährige und schaut versunken alte Aufnahmen an. In liebevoll von Kindern und Enkeln gestalteten Fotobüchern sind die vielen Momente ihrer langen gemeinsamen Zeit festgehalten.

Auf zahlreichen Fotos sitzt Horst Schultheiß am Klavier. Musik war seine Leidenschaft. Gerne hätte er sein Musikstudium am Konservatorium in Marburg abgeschlossen. Aber dafür fehlte das Geld, deshalb hat er nach der Maurerlehre auf dem Straßenbauamt in Marburg angefangen. Klavier und Geige spielte er dann nebenbei.

„Ich fand es immer sehr schön, wenn er Musik gemacht hat“, erinnert sich seine Frau. Beide bedauern, dass es altersbedingt nicht mehr geht. Aber deshalb in ihrer Wohnung im Rollwiesenweg, in der sie auch schon mehr als 60 Jahre leben, auf Musik verzichten? Niemals. „Alexa, spiel mal das Concerto Grosso von Georg Friedrich Händel“, befiehlt Doris Schultheiß und aus dem schwarzen Lautsprecher auf der kleinen Kommode ertönt klassische Musik.

Die 90-Jährige ist topfit in den digitalen Medien. Zu ihren sechs Kindern, 14 Enkeln und 19 Urenkeln hält sie über Smartphone und Tablet Kontakt. „Das ist wirklich toll, da kann ich sogar schauen, was meine Enkeltochter in Neuseeland macht“, sagt sie freudig und präsentiert einen virtuellen Rundgang durch das Haus ihrer Enkeltochter.

Horst Schultheiß dagegen hat es nicht so sehr mit der neumodischen Technik, denn der graue Star erschwert ihm das Sehen auf dem kleinen Display. Früher hatte er Augen wie ein Adler, das beweisen die zahlreichen Bilder, die in der Wohnung verteilt hängen. Detailgetreue Zeichnungen vom Schloss, dem Spiegelslustturm und anderen Marburger Sehenswürdigkeiten verschönern den Raum. Neben seiner Arbeit im Straßenbauamt und den Auftritten als Musiker begann Horst Schultheiß das Malen. Seine Werke wurden unter anderem in der Hessenstube Lenz am Marburger Marktplatz verkauft – von seiner Frau. Die gelernte Hauswirtschafterin arbeitete dort, nachdem sie ihre sechs Kinder versorgt hatte. „Wir hatten eine schöne Zeit“, betont Doris Schultheiß. Gern erinnert sie sich an die gemeinsamen Urlaube. „Wir sind an die See gefahren und in die Berge“, sagt ihr Mann lächelnd.

Was ihr Geheimnis für eine lange glückliche Ehe ist, da muss Doris Schultheiß kurz überlegen. „Man kann die Menschen nicht ändern. Man muss jeden so nehmen, wie er ist“, sagt sie. Ihr Mann hingegen schätzt an seiner Frau ihre Gutmütigkeit und dass „alles was sie macht, Hand und Fuß hat“.

Aufgrund von Corona konnten sie ihre so außergewöhnliche Jubiläumshochzeit nicht feiern. Die beiden hoffen, dass sie das im Sommer nachholen können. Mit all den Kindern und Enkelkindern und Urenkeln, die ihr erfülltes Leben noch ein bisschen schöner machen.

Von Nadine Weigel