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Marburg „Seid ein Vorbild in Eurem Tun“
Marburg „Seid ein Vorbild in Eurem Tun“
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07:58 14.05.2021
Prof. Bilal El-Zayat zeigt den Gläubigen, in welche Richtung sie sich für ihr Gebet ausrichten müssen. Muslime beten gen Mekka, Richtung Südosten.
Prof. Bilal El-Zayat zeigt den Gläubigen, in welche Richtung sie sich für ihr Gebet ausrichten müssen. Muslime beten gen Mekka, Richtung Südosten. Quelle: Nadine Weigel
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Marburg

50 Ordner der Islamischen Gemeinde Marburg waren unentwegt damit beschäftigt, aufzupassen, dass sich die Menschen an die Corona-Regeln hielten. „Wenn es möglich ist, so etwas ohne Risiko zu machen, warum sollten wir es dann nicht tun“, begründete der Vorsitzende der Islamischen Gemeinde, Professor Bilal Farouk El-Zayat, den Entschluss, mit so vielen Menschen ein gemeinsames Open-Air-Gebet zu begehen.

Während im vergangenen Jahr das Fest des Fastenbrechens im Autokino auf dem Afföller-Parkplatz stattfand, hatte sich die Islamische Gemeinde in Abstimmung mit der Stadt und dem Gesundheitsamt im zweiten Corona-Jahr den größtmöglichen Ort in Marburg für ihr Gebet ausgesucht – das Georg-Gaßmann-Stadion.

Eigentlich feiern Muslime das Ende des 30-tägigen Fastens mit einem großen Fest des Fastenbrechens, das auf arabisch Eid al-Fitr heißt und im Deutschen meist als Zuckerfest bezeichnet wird, weil die Familien mit süßem Gebäck das Fastenende feiern.

„Aber durch Corona ist einfach alles anders, es ist viel weniger sozial“, fasste El-Zayat im Gespräch mit der OP zusammen, was für die meisten Muslime bereits den kompletten Ramadan bestimmt hat: „Eigentlich ist es eine Zeit der Gemeinschaft, in der man Menschen abends zum Fastenbrechen zu sich einlädt, aber jetzt müssen wir das zweite Jahr in Folge ganz aktiv auseinanderrücken“, erklärte El-Zayat.

Deshalb waren die meisten Teilnehmer glücklich, zumindest zum gemeinsamen Gebet für rund 20 Minuten zusammenkommen zu können. „Man will seine Lieblingsmenschen doch wenigstens sehen in dieser wichtigen Zeit“, erklärte Teilnehmer Achmed Mohammed und erntete Zustimmung von Greta Seitz, die mit einem Bündel Rosen gekommen war, um sie später als Dank an den Vorstand der Islamischen Gemeinde zu verteilen.

Auch Salfo Bandaogo, bekannt als Stürmer beim SV Bauerbach, war zusammen mit seiner Frau Samira da. Festlich in ein langes weißes, mit Ornamenten verziertes Gewand gekleidet, freute sich Bandaogo über das gemeinsame Gebet zum Ende des Ramadan. „Das ist mir so wichtig, dass ich an der Arbeit schon einen Monat im Voraus schaue, dass ich am Tag des Zuckerfestes auch Urlaub nehmen kann“, erklärte der Postmitarbeiter lachend. Schon als Kind in Burkina Faso sei ihm dieses Fest ans Herz gewachsen.

Nachdem sich alle Gläubigen auf ihre Gebetsteppiche gen Mekka ausgerichtet hatten, begann der Imam der Marburger Moschee mit seinem Gebet. El-Zayat übersetzte ins Deutsche, da mehr als 50 Nationen ins Gaßmann-Stadion gekommen waren. Sie alle eint der Glaube und Deutsch als Sprache.

„Seid ein Vorbild in Eurem Tun“, rief El-Zayat den Frauen, Männern und Kindern zu und mahnte, auch nach der Zeit des Ramadan danach zu streben, ein besserer Mensch zu werden. „Geht einer anständigen Arbeit nach. Spendet etwas von dem, was Euch Allah gegeben hat. Seid auch für Eure Kinder ein Vorbild in Eurem Tun. Seid rein in Euren Herzen“, so El-Zayat, der anschließend mit seinen Helfern wieder damit beschäftigt war, dafür zu sorgen, dass alle möglichst Corona-konform den Nachhauseweg antraten.

Von Nadine Weigel

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