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Marburg Vom Zivi zum Krankenhaus-Direktor
Marburg Vom Zivi zum Krankenhaus-Direktor
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11:00 24.04.2022
Sebastian Spies, Direktor des DGD Diakonie-Krankenhauses Wehrda.
Sebastian Spies, Direktor des DGD Diakonie-Krankenhauses Wehrda. Quelle: Andreas Schmidt
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Marburg

Seit 1. Januar 2022 ist Sebastian Spies neuer Direktor des DGD Diakonie-Krankenhauses Wehrda. Wie waren die ersten gut 100 Tage im Amt? Dazu äußert sich Spies im Gespräch mit der OP. Der 32-Jährige wechselte aus dem DRK-Krankenhaus Biedenkopf an den Hebronberg. „Ich war sehr gerne fast 15 Jahre in Biedenkopf, habe mich dort vom Zivi zum Personalleiter entwickelt. Und hatte ursprünglich eigentlich den Gedanken, dort auch in Rente zu gehen.“ Denn Spies, der in Wallau wohnt, ist im Hinterland tief verwurzelt, engagiert sich dort beispielsweise ehrenamtlich als Vorsitzender des FV Wallau ebenso wie in der Kommunalpolitik und bezeichnet sich als Lokalpatriot.

Was hat also den Ausschlag zum Wechsel gegeben? „Ich hatte plötzlich die Chance, mich in meinem Landkreis, in dem ich gerne lebe, weiterzuentwickeln und dennoch in meiner Branche zu bleiben.“ Die Chance für diesen Karrieresprung sei alleine jedoch nicht ausschlaggebend gewesen; „mir war klar, dass ich in ein Umfeld komme, das zu mir passt und wo ich mich wohlfühle“. Dazu beigetragen habe auch, „dass mich das Team am Hebronberg herzlich willkommen geheißen hat“.

Beim Weggang flossen Tränen

Der Weggang sei ihm jedoch nicht leicht gefallen, „denn ich hatte mein Herz schon an das DRK-Krankenhaus verschenkt. Es sind auch viele Tränen geflossen“, verrät er – und es sei ein „gutes Gefühl, dass wir absolut im Guten auseinandergegangen sind“. Spies sieht seine Aufgabe darin, dazu beizutragen, „die medizinische Versorgung für die Bevölkerung sicherzustellen“. In seiner jetzigen Position „habe ich die Chance, das ganz aktiv mitzugestalten und nicht nur Forderungen zu stellen“.

Die Herausforderungen seien dabei – gerade auch für ein recht kleines Haus wie Wehrda mit seinen 208 Betten – beispielsweise dadurch geprägt, „dass die politische Entscheidungslage noch aus der Zeit vor Corona stammt. Und die ist darauf aus, Kostenminimierung, Effizienz und die Zentralisierung von medizinischen Versorgungsangeboten voranzutreiben – und genau hinzuschauen, wo wir welches medizinische Angebot benötigen.“ Die Pandemie habe jedoch gezeigt, welch wichtige Rolle das Diakonie-Krankenhaus in der Versorgung spiele – „trotz der Nähe zum Maximalversorger UKGM“. Die Herausforderung sei es nun, „diese Erkenntnis zu nutzen, um zu schauen, wie wir uns innovativ und strategisch aufstellen können, um die Marschrichtung der Politik umzusetzen“. Stolz ist Spies dabei darauf, „dass wir vom Personal sehr gut aufgestellt sind“ – das sei keine Selbstverständlichkeit.

Bedürfnis des Patienten erkennen

Ziel sei es, zwar auch weiterhin Grund- und Regelversorger zu sein. „Aber wir müssen schauen, in welchen Bereichen wir Schwerpunkte setzen“, sagt Spies. Dazu gelte es das Bedürfnis des Patienten zu erkennen „und auch herauszuarbeiten, welcher Patient gerade bei uns richtig aufgehoben ist“. Das Krankenhaus in Wehrda setze einen Schwerpunkt auf die Geriatrie – also „auf die Versorgung von hochbetagten Menschen“. Dieser Schwerpunkt – in Verbindung mit der inneren Medizin und der Chirurgie – „bietet uns, weil wir ein kleineres Haus sind, die Möglichkeit, gerade ältere Menschen auf dem Weg zur Genesung zu begleiten und sie wieder in die häusliche Versorgung zu bringen“. Das Alterstraumazentrum, das es am Diakonie-Krankenhaus gebe, spiele bei der Spezialisierung auch eine große Rolle. Und: „Der ökonomische Blick steht nicht vor dem der Versorgung oder der Menschlichkeit.“

Dennoch stünden alle Krankenhäuser unter einem hohen finanziellen Druck. „Die Krankenhäuser werden von der Politik regelrecht im Stich gelassen“, sagt Spies. So müsse man permanent in Sachen Liquidität in Vorschuss treten – komme aber erst Monate oder gar Jahre später in die Position, mit den Krankenkassen über die Leistungen zu verhandeln. Daher gelte es nun, das Leistungsspektrum zu optimieren, um diesem Kostendruck entgegenzutreten.

Kooperation mit dem Uni-Klinikum

Bei der inneren Medizin strebe man beispielsweise eine Kooperation mit dem Uni-Klinikum an, „um die Abteilung neu auszurichten“. Dabei behalte man alle Entscheidungen in der Hand. „Aber man setzt sich an einen Tisch und schaut, wie wir die Versorgung nicht nur zum Wohl der Patienten, sondern auch im Blick auf die ärztlichen Mitarbeiter, die weitergebildet werden, neu ausrichten.“ Tragende Elemente seien dabei beispielsweise das Linksherzkatheter-Labor, das für ein solch kleines Haus „ein Leuchtturm“ sei, ebenso wie die Gastroenterologie. Im Endeffekt komme es Spies immer darauf an, „dass am Ende der Patient davon profitiert“.

Von Andreas Schmidt