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Marburg Autowäsche für kontaminierte Transporter
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16:00 11.01.2021
Mit einer speziellen Desinfektionsanlage ergänzt der Landkreis sein Ausstattung, die bei einem Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest zum Einsatz kommen soll.
Mit einer speziellen Desinfektionsanlage ergänzt der Landkreis sein Ausstattung, die bei einem Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest zum Einsatz kommen soll. Quelle: Heike Döhn
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Marburg

Im September erreichte die sogenannte Afrikanische Schweinepest (ASP) offiziell auch Deutschland – mittlerweile wurden bundesweit mehr als 400 bestätigte Fälle bei Wildschweinen gemeldet, vor allem in Brandenburg, stellenweise in Sachsen. Das dokumentiert das Tierseuchennachrichtensystem des Friedrich-Löffler-Instituts, das Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit.

Auch der Landkreis zurrte bereits ein Konzept zur Eindämmung der Krankheit fest, Notfallpläne dazu lagen bereits vor, für den Fall, dass die Seuche im Kreis auftaucht. Das war bislang nicht der Fall, es gab in Marburg-Biedenkopf noch keinen bestätigten Fall der ASP, wie der Kreis auf Nachfrage berichtet. Erlegte Wildschweine, die Verhaltensauffälligkeiten zeigen, werden darauf getestet: „Im Jahr 2020 wurden 25 Wildschweine auf ASP beprobt“, heißt es dazu aus der Pressestelle.

Ein weiterer Baustein des Konzepts konnte nun getestet werden – eine spezielle Desinfektionsanlage für Fahrzeuge, die als Teil der Ausstattung im Ausbruchsfall zum Einsatz kommen würde. Über die Anlage können Fahrzeuge desinfiziert werden, die bei einem Ausbruch der Schweinepest im Landkreis zum Transport von Tierkadavern genutzt würden.

Testlauf im Dezember verlief gut

Ein erster Testlauf im Dezember gemeinsam mit Einsatzkräften der Freiwilligen Feuerwehr Dreihausen verlief gut, teilt der Kreis mit. In der Dreihäuser Wehr sind Spezialkräfte des Katastrophenschutzes für den Einsatz mit Gefahrstoffen oder chemischen und biologischen Stoffen (GABC-Zug), übergangsweise steht auch die Desinfektionsanlage dort.

Diese hatten sich gemeinsam mit Amtstierarzt Dirk Behnke mit der Anlage vertraut gemacht. Im Ernstfall sollen die Feuerwehrleute die Anlage aufbauen und in Betrieb nehmen.

Die für den Menschen ungefährliche Tierseuche bedroht vor allem Hausschweine, die sich von einem infizierten Wildschwein anstecken könnten. Die Krankheit führt laut Bundesgesundheitsministerium in nahezu allen Fällen innerhalb weniger Tage zum Tod der Schweine. Verbreitet werden kann die Seuche durch direkten Kontakt, kontaminierte Gegenstände oder weggeworfene Lebensmittel, die wiederum Wildschweine fressen.

Was passiert im Falle, dass die Seuche im Kreis entdeckt wird? Dann würden rund um den Erstfund eines toten, positiv getesteten Wildschweins Restriktionszonen von mehreren Kilometern festgelegt. Darauf folgen drei Phasen zur Eindämmung unterschiedlicher Dauer, über mehrere Monate hinweg. In den verschiedenen Phasen gelten für die jeweiligen Zonen bestimmte Maßnahmen, etwa eine Umzäunung und ein Betretungsverbot. Körper toter Tiere würden laut Kreis zu Kadaversammelplätzen transportiert, die zuvor von den Städten und Gemeinden festzulegen sind. Anschließend landen die Kadaver in einer Tierkörperbeseitigungsanstalt.

Die Fahrzeuge – ebenso die Behälter, in denen tote Tiere transportiert wurden – müssen dann desinfiziert werden, fahren in der Desinfektionsanlage durch einen Sprühbogen, der den Unterboden, Radkästen und die Seiten des Fahrzeugs erfasst. Stellen, die dabei nicht erreicht werden, können mit einer Schaumlanze von Hand gereinigt werden. Die Anlage kostete etwa 15 000 Euro und arbeitet mit Desinfektionsschaum. Dieser Schaum verlängere die Einwirkzeit und damit die Effektivität des Desinfektionsmittels, da der Schaum länger an Oberflächen haftet.

AfD schlägt eine Abschussprämie vor

Auch während der letzten Kreistagssitzung kam das Thema Schweinepest kurz auf: Die AfD brachte einen Antrag ein und forderte, die präventiven Maßnahmen im Kreis weiter auszubauen. Etwa indem Parkplätze an Kreisstraßen auf ihre Sicherheit überprüft und vor Ort mit mehrsprachigen Informationsschildern sowie Mülleimern ausgestattet werden. Zudem solle der Kreis ein freiwilliges Früherkennungskonzept gemeinsam mit Landwirtschaft und schweinehaltenden Betrieben sowie weitere Förderungen zur Unterstützung von Jägern prüfen lassen.

Dazu solle sich der Kreis beim Land für eine Abschussprämie einsetzen, diese sei „ein geeignetes Mittel, um die Wildschweinbestände bereits jetzt zu reduzieren“, sagte Ulrike Markert dazu. Man solle „alles in unserer Macht Stehende tun, einen Ausbruch zu verhindern“.

Der Antrag ging nicht in die Abstimmung über und wurde – bei Neinstimmen der AfD und Enthaltung der Grünen, alle anderen Fraktionen stimmten dafür – nach einem Geschäftsordnungsantrag der CDU „zur endgültigen Erledigung“ an den Kreisausschuss verwiesen.

Ansprechpartner für Fragen zur Vorbeugung oder zur Bekämpfung der Schweinepest ist der Fachdienst Veterinärwesen und Verbraucherschutz des Landkreises Marburg-Biedenkopf. Nähere Informationen zur Afrikanischen Schweinepest beim Friedrich-Löffler-Institut im Internet unter www.fli.de. Meldungen zu Wildschweinkadavern nimmt der Fachdienst Veterinärwesen und Verbraucherschutz unter der Telefonnummer 0 64 21 / 4 05-66 01 sowie unter FBVuV@marburg-biedenkopf.de entgegen.

Afrikanische Schweinepest

Die sogenannte Afrikanische Schweinepest (ASP) ist eine Tierseuche, von der Haus- und Wildschweine betroffen sind. Die ursprünglich nur in Afrika vorkommende Seuche ist in Asien inzwischen stark verbreitet und ist auch in osteuropäischen Ländern angekommen. In Deutschland sind seit September erkrankte Wildschweine in Brandenburg und Sachsen aufgefunden worden.

Die ASP ist nicht auf den Menschen übertragbar, auch der Genuss von Fleisch eines infizierten Tieres ist nicht gefährlich. Wild- oder Hausschweine erliegen aber in der Regel der Krankheit. Das Auftreten der Krankheit hat massiven Einfluss auf den Export von Schweinefleisch, was Deutschland als Europas größten Schweinefleischexporteur stark trifft. Von den wirtschaftlichen Folgen betroffen sind auch die rund 320 Schweinehalter im Kreis, die insgesamt rund 21000 Tiere halten.

von Ina Tannert