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Marburg Schutz ist Voraussetzung für Zugang
Marburg Schutz ist Voraussetzung für Zugang
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19:33 16.08.2021
Bei der Tafel Marburg gelten seit Montag die 3G-Regeln, die Vorsitzende Rita Vaupel präsentierte sie.
Bei der Tafel Marburg gelten seit Montag die 3G-Regeln, die Vorsitzende Rita Vaupel präsentierte sie. Quelle: Thorsten Richter
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Marburg

Die Marburger Tafel hat den Zugang zu ihrer Lebensmittelausgabe neu geregelt. Ab sofort erhalten nur noch jene Zugang in die Ausgaberäume, die entweder geimpft, genesen oder getestet sind. Alle anderen bekommen aber ein Lebensmittelpaket nach draußen gebracht, so dass nach wie vor alle Berechtigten beliefert werden.

„Diese Schutzmaßnahmen sind Standard in unserer Gesellschaft“, sagt Tafel-Vorsitzende Rita Vaupel. „Um diese ‚Freiheit des Lebens‛ und das ‚Zusammenleben‛ auch für die Zukunft zu gewährleisten, hat jeder Einzelne von uns eine Aufgabenstellung und trägt Verantwortung, um zum Erfolg beizutragen“, so Vaupel. „Wir haben deshalb im Vorstand der Tafel Marburg beschlossen, dass wir, wie mittlerweile überall Standard, die 3G-Schutzmaßnahmen übernehmen.“ Sie will sich nicht vorstellen, dass wegen eines Corona-Falles 3 000 Marburgerinnen und Marburger keine Lebensmittel-Pakete erhalten.

Wer nicht geimpft oder genesen ist und keinen gültigen Covid-Test vorweisen kann, kann sich vor dem Gebäude kostenlos testen lassen, teilt der Verein noch mit. Insgesamt sind es knapp 1 500 Lebensgemeinschaften, die von der Tafel mit Lebensmitteln versorgt werden.

Mit ihrer Entscheidung folgt die Tafel Marburg einer Empfehlung der Tafel Deutschland. Der Dachverband schreibt, Tafeln hätten eine Fürsorgepflicht für ihre Kundinnen und -kunden und ihre Tafel-Aktiven. „Die Menschen setzen sich einem Gesundheitsrisiko aus, um anderen helfen zu können“, schreibt der Dachverband. Unter den Helferinnen und Helfern seien auch viele ältere Menschen, die zur Risikogruppe gehören, weshalb Vorsicht besonders wichtig sei.

Mit der 3G-Regel könne die Tafel Marburg den größtmöglichen Schutz gewährleisten. Das Angebot der Tafeln ist freiwillig.

„Tafeln helfen gerne, wo sie nur können“, heißt es weiter, „aber das darf nicht auf Kosten der Ehrenamtlichen gehen. Da Tests aktuell kostenlos zur Verfügung stehen, können Tafel-Kundinnen und -Kunden in Marburg das Angebot weiterhin nutzen – auch die, die sich nicht impfen lassen möchten.“

Jede Tafel arbeitet übrigens selbstständig, daher trifft jede Tafel die Entscheidung zu solchen Maßnahmen allein. „Wir als Dachverband verstehen und unterstützen die Entscheidung der Tafel Marburg“, schreibt der Dachverband.

Andere sehen das offenbar völlig anders. Seit dem Tag der Bekanntgabe der neuen Regelung hagelt es E-Mails und Briefe an die Marburger Tafel, die Rita Vaupel als „Shitstorm“ bezeichnet. So schreibt ein anonymer Zeitgenosse, „da unsere Politik es schafft, dass immer mehr Menschen das Angebot der Tafeln nutzen müssen, was allein schon ein Armutszeugnis ist (...), trifft es mit dieser Tat die Ärmsten der Armen und du solltest dich in Grund und Boden schämen. Ich hoffe sehr, dass dich die Strafe ereilt, die du verdienst genau wie alle anderen Handlanger. Pfui Teufel!“. Die Münchner Corona-Leugnerin und Linken-Politikerin Dagmar Henn schreibt gar in einem Gastbeitrag für das Online-Magazin RT „Nur regelkonforme Arme werden bedient. So wie die Fuggerei von den Bewohnern die tägliche Verrichtung von Gebeten für den Stifter verlangte und damit vorführte, wie nach dem Begriff der damaligen Zeit ein ordentlicher Armer sich zu verhalten hätte.“

Rita Vaupel sieht in derlei Zuschriften eine Kampagne von Corona-Leugnern, Reichsbürgern und Rechtsradikalen und sie betont: Wir werden unsere Ausgaberegeln nach wie vor so gestalten, dass auch in Zeiten wieder steigender Corona-Zahlen größtmögliche Sicherheit von Kundinnen und Kunden und Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gewährleistet ist.

Von Till Conrad