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Marburg Gut vorbereitet geht es in ungewisse Zeit
Marburg Gut vorbereitet geht es in ungewisse Zeit
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21:59 14.08.2020
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Marburg

Der Schuljahresauftakt ist für Lehrer wie Schüler gleichermaßen immer ein spannender Moment. Wer und was ist neu, gibt es etwa neue Möbel, sind Klassenzimmer renoviert, gibt es neue Lehrer und neue Schüler in der Klasse? Doch am bevorstehenden Montag werden all diese Fragen von einer einzigen in den Hintergrund gedrängt: Wie kann der Vollbetrieb einer Schule in Zeiten der weiterhin nicht gebannten Corona-Pandemie gelingen?

Dabei gilt, je mehr Schüler an einer Schule, um so banger blicken die Verantwortlichen auf die ersten Tage des neuen Schuljahres. Was, wenn es einen Corona-Verdachtsfall gibt? Ist dann automatisch wieder Schluss für eine Klasse oder gar eine ganze Schule?

Hygieneplan vom Kultusministerium

Das Hessische Kultusministerium hat in den zurückliegenden Wochen einen Hygieneplan aufgelegt, der auch im Fall eines Falles die einzuhaltenden Vorgehensweisen beinhaltet. Nach dem Infektionsschutzgesetz ist immer die Leitung der jeweiligen Schule für die Sicherstellung der Hygiene verantwortlich. Aufgrund der Coronavirus-Meldepflichtverordnung muss sowohl der Verdacht einer Erkrankung als auch das tatsächliche Auftreten von COVID-19-Fällen in Schulen sofort dem zuständigen Gesundheitsamt mitgeteilt werden. Zeitgleich ist auch das jeweilige Staatliche Schulamt zu informieren. „Das ist eine gute Vorgehensweise. Auch wenn letztendlich die Experten des Gesundheitsamtes darüber entscheiden, was zu tun ist, ist es wichtig, dass wir insofern involviert sind, dass wir auch schnell gegenüber Dritten fundierte Auskunft geben können“, sagt Burkhard Schuldt, Leiter des Staatlichen Schulamtes in Marburg. Generell sei das Zusammenspiel und der Informationsaustausch zwischen dem Staatlichen Schulamt Marburg und dem Kreisgesundheitsamt vorbildlich zu nennen, so Schuldt.

In den zurückliegenden Tagen gab es noch viel zu organisieren und abzusprechen, durchaus auch in mehrstündigen Telefonkonferenzen, etwa mit den anderen Staatlichen Schulämtern und dem Hessischen Kultusministerium, das sich zuletzt ja auch mit den Kultusministerien anderer Bundesländer auf gemeinsame Leitlinien verständigte.

„Schulen sind gut vorbereitet“

Schuldts Fazit für den Landkreis Marburg-Biedenkopf: „Die Schulen sind alle gut vorbereitet. Es ist auch mit Blick auf die aktuellen Infektionszahlen im Landkreis Marburg-Biedenkopf durchaus zu verantworten und richtig, mit einem kompletten Schulbetrieb zu beginnen. Das Hygienekonzept, Vernunft, Einsicht und gegenseitige Rücksichtnahme können nur positiv dazu beitragen, dass der Start gelingt.“ Alles weitere könne aber nur spekuliert werden, das werde die Zeit zeigen. Wichtig sei, immer auf veränderte Situationen angemessen zu reagieren. Die Instrumente dazu seien vorhanden. „Natürlich freuen wir uns darauf, dass wir einen gemeinsamen Schulstart vornehmen können“, sagt auch Wyrola Biedebach, Schulleiterin des Gymnasiums Martin-Luther-Schule in Marburg. Und weiter: „Allerdings wissen wir auch um die steigenden Fallzahlen in Deutschland, bleiben aber verhalten optimistisch.“

Die Hygienevorschriften sind umgesetzt, jetzt komme es auf die Praxistauglichkeit und das Verhalten der Schüler an, sich beispielsweise an die markierten Laufrichtungen zu halten.

Schüler sollen Normalität erleben

So weit es geht, wolle man Schülern und Lehrern auch Normalität anbieten. So werde die Cafeteria wieder geöffnet sein und ab Dienstag beginne dann auch wieder die Mittagsverpflegung. Sollte doch ein Corona-Verdachtsfall auftreten, sei es wichtig, dass die Kontaktwege nachvollziehbar sind, im Fall der Fälle höchstens eine Klasse mal auf Zeit vom Schulbesuch getrennt wird und nicht gleich die ganze Schule geschlossen werden muss.

Schuldt weist auch darauf hin, dass weitere Erkenntnisse zum Virus die sogenannten Risiko-Gruppen verkleinert haben. „Das Alter allein ist kein Kriterium mehr“, sagt er. Er ist sich aber auch bewusst, dass es weiterhin Lehrer wie auch Schüler gibt, die berechtigt besonderen Schutz einfordern. Ein Modell könne dabei sein, dass sich Lehrer, die im Homeoffice verbleiben, auch den Schülern annehmen, die ebenfalls nicht am regulären Unterricht teilnehmen können.

Eltern können sich über alle wichtigen Fragen direkt auf der Homepage des Kultusministeriums (www.kultusministerium.hessen.de) informieren, aber auch sehr oft auf den Homepages der heimischen Schulen. Transparenz und klare Richtlinien sollen nicht nur den Schülern in der Schule bekannt sein.

Es werde auch großen Wert darauf gelegt, dass Eltern immer einen aktuellen Informationsstand abrufen können, schließlich sind sie es, die im Fall der Fälle nach der Schule auch schnell auf veränderte Situationen reagieren müssen.

Von Götz Schaub

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