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Marburg Schulgelände mit Wohlfühlfaktor
Marburg Schulgelände mit Wohlfühlfaktor
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19:58 20.02.2020
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Marburg

Als Stephanie Theiss als Fraktionsmitglied von Bündnis 90 / Die Grünen in der jüngsten Kreistagssitzung am vergangenen Freitag an das Rednerpult schritt, um den Prüfantrag für mehr Begrünung auf den Schulhöfen zu erläutern, wusste­ sie bereits, dass ihr Antrag abgelehnt wird.

Schließlich hatten sich die Mitglieder der Koalition schon im Umweltausschuss einer Zustimmung verweigert. Und so konnte sie nicht umhin, ihre Enttäuschung darüber mit ein paar markigen Sprüchen Luft zu machen, indem sie der Koalition „Ignoranz“ und „Machtgehabe“ vorwarf.

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So würden Anträge, die auf ­eine lebenswerte Zukunft nachfolgender Generationen abzielen, einfach zu leicht abgebügelt, nur weil sie eben nicht von der SPD oder CDU stammen. In diesem Fall sei es besonders enttäuschend, weil es sich ja nur um ein Prüfantrag handele.

Entgegenkommende Schachzug

So sollte der Kreisausschuss prüfen, inwiefern Baumbegrünung auf allen Schulhöfen das Ziel Klimaanpassung mit aktivem Klimaschutz nachhaltig verknüpfen könnte und ob es Fördermittel für derartige Begrünungsprojekte gibt. Etwas abweichend von der schriftlichen Begründung des Antrags, in dem davon die Rede war, dass „vielerorts noch immer graue Betonflächen die Schulhöfe­ prägen“, lobte Theiss durchaus das Engagement des Ersten Kreisbeigeordneten Marian Zachow (CDU) im Geiste seines Vorgängers Dr. Karsten McGovern (Bündnis 90  / Die Grünen) weiter dafür Sorge zu tragen, dass Schulhöfe mehr begrünt werden, dass dort mehr Bäume gepflanzt werden.

Doch auch dieser entgegenkommende Schachzug, das gemeinsame Ziel zu betonen, wurde von SPD und CDU nicht mit einer überraschenden Zustimmung honoriert. Silvia Demper (SPD) und Rosemarie Lecher (CDU) machten deutlich, dass es sich hier sehr wohl um ein wichtiges und zukunftsorientiertes Thema handele, doch seien da in erster Linie die Schulgemeinden selbst gefragt, wie sie ihr Lebensumfeld gestalten.

Dazu komme, dass man nicht frei heraus planen könne. So stehe die Gewährleistung von Sicherheit immer an erster Stelle, dann verfolge jede Schule auch ein pädagogisches Konzept. Klimaschutz könne, müsse aber nicht Bestandteil des Konzepts sein, schließlich habe der Schulhof die primäre Aufgabe, als Bewegungsraum für die Schüler während der Pausen zu dienen.

15 neue Spaten

Dass man den Schulhof als tägliches Lebensumfeld attraktiv gestalten will, dürfe durchaus als gegeben angenommen werden. Es bedürfe so keines zusätzlichen Konzepts des Kreisausschusses, wie ein Mindestmaß an Begrünung auf den Schulhöfen erreicht werden kann, wie von den Grünen eingefordert.

Zudem habe der Kreistag erst im September 2019 ein umfangreiches Paket geschnürt, wie sich der Kreis an mehr Klimaschutz beteiligen kann und sollte. Diesen Hinweis griff Frank Lerche von der Fraktion Piraten und Liberale auf: „Mir war nicht klar, dass bei Zustimmung des Maßnahmenplans jetzt nichts mehr dazu beantragt beziehungsweise konkretisiert werden darf.“

Auch die Freien Wähler drückten in Person von Werner Kattarius ihre Verwunderung aus und versicherten den Grünen ihre Zustimmung, weil der Prüfantrag in der Intension genau richtig sei. Kattarius sagte zudem, dass sich die Koalition keinen Schaden zufügen würde, wenn sie sich für den Antrag offen zeigt.

Marian Zachow machte hingegen nochmals deutlich, dass der Kreis nicht einfach so in die Konzepte der Schulen eingreifen sollte. Zudem könne er mit Fug und Recht behaupten, dass die Schulhöfe im Landkreis ­sicher mit zu den grünsten in ganz Hessen zählen – und auch er lobte dabei das Engagement seines Amtsvorgängers.

Er informierte auch darüber, dass sich das Kreisjugendparlament mit der Thematik beschäftigt hat und die Anschaffung von 15 Spaten beschlossen habe, um diese bei Pflanzaktionen einsetzen zu können. Bei der Abstimmung bekamen die Grünen noch die Stimmen der Fraktion Die Linke, allein SPD und CDU, FDP und die AfD sorgten für eine klare Ablehnung des Prüfantrags.

von Götz Schaub     

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