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Marburg Schüler vermissen oft eine Rückmeldung
Marburg Schüler vermissen oft eine Rückmeldung
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08:00 15.06.2020
Wissenschaftler in Dortmund und Marburg haben untersucht, wie das Homeschooling läuft. Ein Ergebnis: Oft fehlt eine Rückmeldung zu den gestellten Aufgaben. Quelle: Hartmut Bünger
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Seit knapp drei Monaten lernen Kinder und Jugendliche überwiegend daheim. In den vergangenen Wochen besuchten sie nach langer Pause zwar erstmals wieder die Schule – das aber erstens nur tageweise und zweitens nicht im üblichen Klassenverband.

Wie kommen Eltern und Kinder mit dieser Situation zurecht? Funktioniert das Homeschooling? Und mit welchen Konzepten arbeiten die Schulen? Mit diesen Fragen haben sich Wissenschaftler der Universitäten Marburg und Dortmund in einer Studie mit dem Titel „Qualität von Homeschooling“ beschäftigt. Federführend sind die beiden Professorinnen Ricarda Steinmayr von der TU Dortmund und Hanna Christiansen von der Universität Marburg. Vor einigen Tagen haben die beiden Wissenschaftlerinnen erste Zwischenergebnisse der bundesweiten Online-Umfrage vorgelegt, an der bis Ende Mai rund 1  000 Mütter und Väter teilgenommen hatten.

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40 Prozent sind „zufrieden“ oder „eher zufrieden“

Insgesamt ergibt sich ein zwiespältiges Bild. Das zeigen vor allem die Antworten auf die Frage, wie zufrieden die Eltern mit dem Homeschooling sind. Rund 40 Prozent der Befragten zeigten sich „zufrieden“ oder zumindest „eher zufrieden“ mit dem Heimunterricht.

Die Gruppe derer, die „unzufrieden“ oder „eher unzufrieden“ angekreuzt hat, ist zwar kleiner, umfasst aber immerhin ein Viertel der Befragten. Unschlüssig äußerte sich rund jeder Dritte der Befragten.

Die Wissenschaftlerinnen widmeten sich darüber hinaus der Frage, wie die Schulen sich auf den Heimunterricht eingestellt haben. Demnach gestalten die meisten Lehrer das „Distanzlernen“, indem sie Aufgaben versenden. Mehrheitlich werden sie einmal pro Woche an die Eltern verschickt, aber auch andere Turnusse, beispielsweise alle zwei Wochen oder alle drei Wochen, kommen vor.

„Zusammenfassend zeigen die Ergebnisse, dass selbst bei Familien, die überwiegend über die technischen Möglichkeiten für Onlineunterricht verfügen, in den meisten Fällen die häusliche Beschulung in den Fächern Mathematik, Deutsch, Englisch und Biologie beziehungsweise Sachunterricht durch das Versenden von Aufgaben realisiert wurde“, resümiert Ricarda Steinmayr die Ergebnisse der Umfrage.

Eltern vermissen die Lösungen für die Aufgaben

Nicht alle Lehrer schicken den Schülern später auch die Lösungen der Aufgaben, die sie ihnen gestellt hatten. Ungefähr ein Drittel der Eltern gab an, dass Mathematiklehrer gar keine Lösungen geschickt hätten. Noch schlechter sieht es in anderen Fächern aus. In Biologie und Sachunterricht ist es beispielsweise mehr als die Hälfte der Lehrer, die im Nachhinein keine Lösungen anbietet.

Ähnlich fallen die Ergebnisse zu der Frage aus, ob die Schüler den Lehrern ihre Lösungen denn zur Korrektur zuschicken sollen. Am besten sieht es für den Deutschunterricht aus. 40 Prozent der Eltern gaben für dieses Fach an, dass auch nach zwei Monaten noch keine Hausaufgaben eingefordert wurden. Schlechter sieht es für Mathematik und Englisch aus. Schlusslicht sind Biologie und Sachunterricht, wo 56 Prozent der Eltern berichteten, dass noch keine Hausaufgaben vorgelegt werden mussten.

„Auch scheinen viele Schüler wenig oder häufig keine Rückmeldungen zu den von ihnen gelösten Aufgaben bekommen zu haben“, berichten die Wissenschaftlerinnen weiter. Aus motivationspsychologischer Sicht sei das „bedenklich“, da Feedback mit einer positiven Entwicklung der Leistung einhergehe und motiviere, wenn die Rückmeldung richtig formuliert werde.

Fehlende Ansprache und Strukturierung sei insbesondere für Kinder mit Lernschwierigkeiten wie einer Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung fatal, sagte Professorin Hanna Christiansen. „Die Kinder können sich nicht selber strukturieren und planvoll vorgehen“, erklärt die Wissenschaftlerin.

von Hartmut Bünger

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