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Marburg Schüler lernen weiter zu Hause
Marburg Schüler lernen weiter zu Hause
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09:42 18.04.2021
Schüler lernen weiter von zu Hause aus, bis vorerst Ende April ist der Präsenzunterricht ausgesetzt.
Schüler lernen weiter von zu Hause aus, bis vorerst Ende April ist der Präsenzunterricht ausgesetzt. Quelle: Foto: Nadine Weigel
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Marburg

Eigentlich sollten ab Montag die Klassen eins bis sechs im Wechselmodell wieder an die Schulen zurückkehren. Im Kreis Marburg-Biedenkopf ist das für vorerst zwei Wochen nicht der Fall: Die Schulen schließen wegen der hohen Inzidenzwerte. Am Freitag teilte der Landkreis mit, dass der Präsenzunterricht an allen Grundschulen, weiterführenden und beruflichen Schulen in Marburg-Biedenkopf ab Montag und zunächst bis Freitag, 30. April, ausgesetzt ist.

Grund sind die weiter hohen Inzidenzwerte – Stand Freitag im Kreis bei 221,1. Die Aussetzung des Präsenzunterrichts erfolge auf Grundlage des aktuellen Eskalationskonzeptes des Landes Hessen und einer entsprechenden Anordnung des Kreis-Gesundheitsamtes. Betroffen davon sind die Klassen eins bis sechs, die wieder in den reinen Distanzunterricht wechseln müssen. Ausgenommen sind die Abschlussklassen. Auch Abschlussprüfungen einschließlich der schriftlichen Abiturprüfung finden wie geplant statt, heißt es aus der Kreis-Pressestelle. Für Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen eins bis sechs sowie für die Kinder der Vorklassen werde eine Notbetreuung angeboten.

Wegen der anhaltend hohen Corona-Zahlen werden auch in anderen hessischen Städten und Kreisen die Schulen nach den Osterferien geschlossen bleiben. Angekündigt haben das außer Marburg-Biedenkopf bis Freitag die Schulträger der Stadt und des Landkreises Gießen, des Lahn-Dill-Kreises, des Landkreises Limburg-Weilburg sowie der Stadt und des Landkreises Fulda.

Weiter in Präsenz bleiben die Abschlussklassen, das betrifft ebenfalls die Vor-Abitur-Jahrgänge, also die Schüler der Qualifikationsphase „Q2“, etwa die Klasse zwölf an Gymnasien, bestätigt Burkhard Schuldt, Leiter des Staatlichen Schulamts Marburg-Biedenkopf. Diese werden in Präsenz in geteilten Lerngruppen unterrichtet und für diese Schüler gelte auch die Corona-Testpflicht, die ab Montag an Schulen vorgeschrieben ist. Die Aussetzung des Präsenzunterrichts ist zunächst für zwei Wochen vorgesehen – neu ist dabei, dass sich die Aufhebung dieser Anordnung nicht automatisch an festen Tagen orientiert, an denen die Inzidenz unter dem Grenzwert liegt. Statt dessen gelte die Verordnung, „bis sich eine deutliche Trendwende ergibt“, erklärt Schuldt. In der jeweiligen Region solle lokal genau hingeschaut werden, der Kreis müsse „stabil unter Inzidenz 200 liegen“.

Eine allzu große Überraschung sei die Rückkehr in den reinen Fernunterricht – einer der vier Stufenpläne des Landes – für die Schulen nicht, diese seien darauf vorbereitet, „da hat sich seit dem letzten Jahr ganz viel entwickelt“, sagt Schuldt. Bedauerlich sei es dennoch, da das klare Ziel bestehe, so viele Schüler wie möglich in Präsenz zu bekommen; die neuen Maßnahmen seien dennoch „ein richtiger und wichtiger Schritt“.

Davon abgesehen ist damit zu rechnen, dass die Landesverordnung sowieso von der Neufassung des Infektionsschutzgesetzes – und der bundesweiten „Notbremse“ – aufgehoben wird. Daher hatte das Kultusministerium am Donnerstag das „Brücken-Eskalationskonzept“ für alle Landkreise und kreisfreien Städte mit einer 7-Tage-Inzidenz ab 200 angeordnet, das die Zeit eben überbrücken soll. Der Bundestag will am Mittwoch entscheiden. Sollte die Gesetzesreform beschlossen werden, könnte diese Ende April bundesweit einheitlich in Kraft treten. Auch da wäre die Aussetzung des Präsenzunterrichts in einem Landkreis ab einer Inzidenz von 200 vorgesehen.

Kein Betretungsverbot für Kitas, Horte und Tagespflege

Nach nochmaliger Prüfung stellte der Landkreis Marburg-Biedenkopf am Freitagabend die zuvor herausgegebenen Informationen zu den Kindertageseinrichtungen klar. Demnach gilt doch kein generelles Betretungsverbot für diese Einrichtungen, sondern eine dringende Empfehlung an die Eltern, ihre Kinder möglichst zu Hause zu betreuen. Landrätin Kirsten Fründt bedauerte die missverständliche Interpretation dieser Vorgaben: „Das hätte nicht passieren dürfen, zumal es sich hier um einen hochsensiblen Bereich handelt. Und wir wissen, dass Eltern und Kinder verunsichert und bereits jetzt stark belastet sind“, sagte sie. „Ich möchte mich für die entstandene Verunsicherung entschuldigen.“

Regelungen in Kita, Hort und Tagespflege

Ein individuelles Betretungsverbot gibt es laut Kreis nach der Landesverordnung nur für Kinder, wenn sie oder die Angehörigen des gleichen Hausstandes unter Krankheitssymptome für COVID-19, insbesondere Fieber, trockenen Husten oder Verlust des Geschmacks- und Geruchssinns leiden. Ferner gilt es, solange Angehörige des gleichen Hausstandes einer individuell angeordneten Quarantäne oder Absonderung unterliegen. Das Betretungsverbot gilt auch, wenn für sie oder einen Angehörigen des Hausstandes auf Grundlage eines Corona-Schnell- oder Selbsttests ein positives Ergebnis vorliegt.

Von Ina Tannert