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Marburg Mit Maske zurück in die Schule
Marburg Mit Maske zurück in die Schule
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19:59 17.02.2021
Mit Mundschutzmasken sitzen Schüler der fünften Klasse eines Gymnasiums im Unterricht.
Mit Mundschutzmasken sitzen Schüler der fünften Klasse eines Gymnasiums im Unterricht. Quelle: dpa
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Marburg

Probleme beim Distanzunterricht, Sorge um die Leistungen der Kinder, Maskenpflicht ab der Grundschule: Die Corona-Situation an den Schulen sorgt auch bei Eltern im Landkreis für Fragen, für Sorgen und manchmal für Frust. Das wurde am Dienstagabend bei einer digitalen Diskussionsrunde der „Elternakademie“ deutlich. Aktueller Anlass: Ab kommenden Montag kehren die ersten bis sechsten Klassen im Wechselunterricht an die Schulen zurück. Es ist der erste Schritt zur Schulöffnung im zweiten Corona-Lockdown. Für die höheren Jahrgänge mit Ausnahme der Abschlussklassen bleibt es hingegen beim Distanzunterricht. Der Erste Kreisbeigeordnete Marian Zachow (CDU) und Schulamtsleiter Burkhard Schuldt diskutierten darüber mit der Kreiselternbeiratsvorsitzenden Monika Kruse, Angela Springer (Pädagogische Leiterin der Volkshochschule) sowie Eltern und Lehrkräften. Knapp 70 Menschen nahmen nach Auskunft der Kreisverwaltung an der Online-Veranstaltung teil.

„Ich begrüße es sehr, dass die Schulen in den Klassen eins bis sechs im Wechselunterricht wieder öffnen können“, sagte Zachow, „weil ich mitbekomme, wie sehr die Jüngeren darunter leiden, dass Kontakte zu anderen Kindern und die Aktivierung durch die Schule fehlen.“ Im Wechselunterricht wird abwechselnd eine Hälfte der Schülerinnen und Schüler in der Schule unterrichtet, die andere zuhause. Für den Wechsel gebe es kein vom Land vorgeschriebenes Modell, erläuterte Schulamtsleiter Schuldt – möglich sei ein täglicher oder ein wöchentlicher Wechsel. Auch ein „Schichtwechsel“ innerhalb eines Tages sei theoretisch denkbar, aber praktisch schwer umsetzbar.

Rückstand beider Digitalisierung

Auch an Grundschulen gilt im Unterricht künftig eine Maskenpflicht. Diese sei verbindlich, also keine bloße Empfehlung, antwortete Schuldt auf eine Nachfrage aus dem Publikums-Chat. Medizinische oder FFP2-Masken seien dagegen keine Pflicht, würden aber empfohlen. Der Landkreis habe schon vor zwei Wochen die Schulen mit medizinischen Mundschutzen und FFP2-Masken ausgestattet und auch – vermutlich als einziger Landkreis – kleinere FFP2-Masken für Kinder zur Verfügung gestellt, sagte Zachow. „Der weit überwiegende Teil der Rückmeldungen war, dass das Maskentragen erstaunlich gut funktioniert“, berichtete der Schuldezernent über Reaktionen aus den Grundschulen. Dort ist derzeit die Präsenzpflicht aufgehoben, ein Teil der Schüler geht aber zum Unterricht. Künftig gibt es Ausnahmen von der Maskenpflicht laut Schuldt nur für Kinder, die noch keine sechs Jahre alt sind – also sehr früh eingeschult wurden – oder ein ärztliches Attest haben, dass sie keine Maske tragen dürfen. „Natürlich soll kein Kind sechs oder acht Stunden lang die Maske tragen“, betonte der Schulamtsleiter. Es solle „vernünftig definierte Maskenpausen“ geben, zum Beispiel während des Lüftens.

Zum Online-Unterricht räumten Zachow und Schuldt ein, dass es vor der Corona-Krise einen bundesweiten Rückstand bei der Digitalisierung der Schulen gegeben habe, der sich so schnell nicht aufholen lasse. „Obwohl wir mit Hochdruck daran arbeiten, werden wir erst Ende 2022 WLAN-Ausstattung in jedem Klassenraum haben“, sagte Zachow. „Ich gebe zu, das hilft jetzt im Lockdown nicht, aber es ging tatsächlich nicht schneller.“ Es gebe aber auch Fortschritte: Ein Drittel der Schüler an weiterführenden Schulen sei mit Tablets ausgestattet. Mehr als 80 Prozent der Schulen seien an das Landesportal für Onlineunterricht angeschlossen, andere hätten Lösungen „mit Bordmitteln“ gefunden. Aus dem Publikum kamen bei diesem Thema allerdings unzufriedene Reaktionen: „Wir sind mittlerweile ein Jahr weiter – der Status des Improvisierens sollte langsam hinter uns liegen“, schrieb eine Teilnehmerin im Chat. Sorgen machen sich einige Eltern auch um die gerechte Bewertung der schulischen Leistungen: „Wie ist eine Leistungsbewertung möglich, wenn Arbeiten nicht geschrieben werden können?“, fragte Kruse. Schuldt verwies auf die Möglichkeit von „erweiterten Hausaufgaben“ sowie Präsentationen und Gruppenarbeiten, die Schüler zuhause erarbeiten könnten.

Marian Zachow hofft auf weitere Öffnungsschritte

„Ich bin guter Hoffnung, dass der Start gelingt und dies der Anfang von weiteren Schritten sein wird, sodass wir nach Ostern zu mehr Normalität zurückkehren können“, sagte Zachow zum Wechselunterricht in den Klassen eins bis sechs. Die Frage aus dem Chat, ab welcher Inzidenz die Öffnung der Schulen wieder zurückgenommen werde, beantwortete er ausweichend: „Es wäre nicht klug, das jetzt schon zu planen, bevor wir mit dem Wechselunterricht angefangen haben. Wenn die Zahlen wieder hoch gehen, muss man die Lockerungen zurücknehmen. Aber wir arbeiten mit den Hygienemaßnahmen mit Hochdruck daran, dass infektionsfreier Unterricht möglich ist und möglich bleibt.“

Von Stefan Dietrich

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