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Marburg Schüler-Schnelltests in Marburg: Das wären Vorbilder
Marburg Schüler-Schnelltests in Marburg: Das wären Vorbilder
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15:58 16.02.2021
Bestandteil einer kommunalen Corona-Test-Strategie? Lisa Jüngst, Chefin der Marburger Nano Repro AG, hat einen Corona-Schnelltest für Privatanwender entwickelt, der in Kürze zugelassen werden könnte.
Bestandteil einer kommunalen Corona-Test-Strategie? Lisa Jüngst, Chefin der Marburger Nano Repro AG, hat einen Corona-Schnelltest für Privatanwender entwickelt, der in Kürze zugelassen werden könnte. Quelle: Foto: Andreas Schmidt
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Marburg

In Marburg nur eine politische Forderung, anderswo bereits alltägliche Pandemie-Praxis: kostenlose Corona-Schnelltests für Schüler, regelmäßige Gratis-Massentests für Bürger. Die OP blickt auf kommunale Anti-Corona-Strategien; etwa eines, das als „Böblinger Modell“ bezeichnet wird.

In dem baden-württembergischen Landkreis hat seit einer Woche jeder Einwohner ab zwölf Jahren – vorerst bis zum angepeilten Lockdown-Ende am 8. März – Anspruch auf zwei kostenlose Tests pro Woche. Der Landkreis kooperiert mit fünf Testzentren und arbeitet damit nach eigenen Angaben eng mit Arztpraxen zusammen, jedes positive Testergebnis werde an das Gesundheitsamt gemeldet und ziehe einen anschließenden PCR-Test vorwiegend bei Hausärzten nach sich. Das Angebot, sich über Antigen-Schnelltests Klarheit zu verschaffen und so Infektionsketten früh zu unterbrechen, sei das effektive Mittel in der Pandemie-Bekämpfung, heißt es von der dortigen Landkreisspitze. Auch Reutlingen bietet seit mehr als einer Woche kostenlose Schnelltests für alle Bewohner an: drei Mal wöchentlich in der Stadthalle.

Marburger Ärztin scheiterte im Sommer mit Test-Konzept

Die aktuelle, vom Magistrat der Universitätsstadt aber mit Verweis auf die Landes-Zuständigkeit gebremste FDP-Forderung, schließt an ein Konzept an, das die Marburger Allgemeinmedizinerin Dr. Ulrike Kretschmann den heimischen Behörden bereits im Sommer 2020 vorschlug. Die Ärztin forderte damals von Stadt und Landkreis Marburg-Biedenkopf vergeblich regelmäßige Massentests speziell an Schulen.

Die Kosten von rund 30 Euro pro Test – im Einkauf liegen sie bei zehn Euro – hätte das Land Hessen oder eben die Schulträger, die Stadt Marburg oder der Landkreis zumindest für finanziell schwache Familien übernehmen sollen. Die dafür nötigen Teststationen hätten innerhalb von wenigen Tagen vor Schulen organisiert werden können, sagte sie damals. Aus dem Konzept wurde nichts.

Wie es zum „Böblinger Modell“ kam? Der Weg war ähnlich, nur eben erfolgreicher wie in Marburg: Ein Apotheker in der Region bot mit als Erster die Schnelltests an, die Kreisverwaltung sprang umgehend an und entschied, die Kosten von 29 Euro vorerst zu übernehmen. Seitdem kann sich jeder aus dem Landkreis zweimal pro Woche in angemieteten Räumen – und nach Anmeldung über eine Smartphone-App – kostenlos testen lassen. Der Landkreis Pfaffenhofen in Bayern hält es seit Januar ähnlich: Alle Bürger können in verschiedenen Testzentren gratis Abstriche machen lassen, 20 Minuten später ihr Ergebnis erfahren.

Innerhalb des Landkreises Böblingen wird die gleichnamige, mehr als 300 000 Einwohner zählende Stadt dem Kita-Personal nun in einem Pilotprojekt auch Selbsttest-Schnelltests zur Verfügung stellen. Etwas, das nach dem Willen vieler in der Region so schnell es geht auch in Schulen eingesetzt werden soll.

Rostock: Testen, testen – und Altenheime kontrollieren

Doch nicht nur im Süden, auch im Norden gibt es Erfolgs-Beispiele, die auf einer kommunalen „testen, testen, testen“-Strategie fußen: In Rostock setzte der Oberbürgermeister – ein gebürtiger Skandinavier, der nach eigenen Aussagen einen „Weg zum Leben mit Corona“ will – auch gegen Widerstand und Widerspruch der Landesbehörden auf eine deutliche Testausweitung. Außerdem kontrolliert die Stadtverwaltung die Schnelltest-Praxis in Altenheimen mit unangekündigten Vor-Ort-Besuchen. In Potsdam ist seit Monatsbeginn im Kita-Bereich ein Spucktest im Einsatz und der thüringische Landkreis Schmalkalden-Meiningen wird ab 22. Februar in drei stationären Testzentren allen Bürgern ab 7 Jahren Gratis-Tests anbieten. Mobile Test-Teams kommen zudem zu Kindergärten oder Unternehmen und testen dort Interessenten zum Preis von 8,5o Euro.

Am Geld, so legt die Marburger FDP nach, dürfe es für eine kommunale Test-Strategie jedenfalls nicht scheitern: Die nicht eingelösten Werte des Stadtgeld-Gutscheins 2020, ein sechsstelliger Betrag könnten schnell eingesetzt werden.

Die Liberalen verlangen, dass in der Universitätsstadt die bis zu 11 000 Schüler sowie Lehrer mit Beginn des Wechsel-Unterricht-Modells ab 22. Februar regelmäßig auf Corona getestet werden. Finanziert und durchgeführt vom Schulträger, der Stadt Marburg und schnellstmöglich flankiert von Selbsttests wie etwa den in Österreich bereits gängigen Gurgel- und Spuck-Varianten. Stadträtin Kirsten Dinnebier (SPD) verwies auf die Zuständigkeit des Landes Hessen. Solange von dort nicht der Auftrag komme, seien der Stadt die „Hände gebunden“ (die OP berichtete).

Von Björn Wisker

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