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Marburg Schröcker wollen gemeinsame Zukunft mit Moischt
Marburg Schröcker wollen gemeinsame Zukunft mit Moischt
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10:00 16.02.2022
Blick von Moischt Richtung Schröck.
Blick von Moischt Richtung Schröck. Quelle: Thorsten Richter
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Schröck

Zwischen Nachbardörfern gibt es manchmal Misstrauen und Neckereien. Auch die Marburger Stadtteile Schröck und Moischt waren nicht immer ein Herz und eine Seele – schließlich war Schröck katholisch und Moischt evangelisch. Doch inzwischen ist das Verhältnis offensichtlich wärmer geworden: Die Schröcker wollen nicht nur näher an die Moischter heranrücken, sie hoffen sogar auf eine gemeinsame Zukunft mit dem Nachbardorf. Das wurde bei der Ortsbeiratssitzung am Donnerstagabend in Hingilskoots Scheune deutlich.

Der Ortsbeirat befasste sich mit dem Entwurf des neuen Regionalplans. Er sieht rund um Schröck insgesamt vier Vorranggebiete für Siedlungen vor, wo in Zukunft Baugebiete entstehen könnten (die OP berichtete). „Ob da jemals Wohnbebauung stattfinden wird, ist nicht klar, die Eintragung im Regionalplan allein besagt nichts“, betonte Ortsvorsteher Uwe Heuser (Unabhängige Bürgerliste). Der Ortsbeirat Schröck hätte jedenfalls gerne ein neues Baugebiet – und zwar in Richtung Süden. Das war Konsens unter den Mitgliedern und soll der Stadt Marburg als Stellungnahme zum Regionalplan mitgeteilt werden. „Die Entwicklungsrichtung muss Moischt sein“, sagte Jens Mengel-Vornhagen (UBL). Christian Geske (Grüne) fügte hinzu, es wäre gut, wenn in diesem Zuge auch Rad- und Fußwege zwischen den Dörfern entstünden.

Thema im Ortsbeirat Schröck war außerdem die Ausbesserung von Feldwegen. Einstimmig beschloss das Gremium, die Instandsetzung des Sportplatzwegs und der Verlängerung des Wiesentalwegs für insgesamt 4 500 Euro beim Dienstleistungsbetrieb der Stadt in Auftrag zu geben. Beim Bergerweg, wo ein tiefer Graben nach Meinung des Ortsbeirats eine Gefahr für Kinder darstellt, wünscht der Beirat eine Verbreiterung des Weges und eine Verrohrung des Grabens auf einigen Metern Länge. Diese Arbeiten können allerdings nicht aus dem Feldwege-Budget bezahlt werden. Deshalb beschloss der Ortsbeirat, einen Antrag beim Tiefbauamt einzureichen.

Im Entwurf des Regionalplans ist mit der Bezeichnung „S3921“ am südlichen Ortsrand auf beiden Seiten der Schröcker Straße eine 23,9 Hektar große Fläche als mögliches künftiges Siedlungsgebiet vorgesehen. Im Umweltbericht des Regionalplans wird allerdings darauf hingewiesen, dass es sich um „ertragssichere Böden“ handelt. Der Schröcker Ortsbeirat zieht sie den anderen möglichen Siedlungsgebieten trotzdem vor. Denn Schröck und Moischt würden dadurch enger zusammenrücken – wenn auch nicht zusammenwachsen. Die Schröcker Ortsbeiratsmitglieder hoffen, dass die beiden Stadtteile gemeinsam fitter für die Zukunft sind als jeder Ort alleine.

Der Regionalplan-Entwurf sieht außerdem eine 11,5 Hektar große Fläche östlich der Straße Bergblick (S3922), ein 14,8 Hektar großes Gebiet im Norden (S322) und ein 5,4 Hektar großes Gebiet im Westen von Schröck als „Vorranggebiete Siedlung Planung“ vor. Diese stoßen im Ortsbeirat eher auf Vorbehalte. Ortsvorsteher Heuser zeigte sich „etwas verwundert“ über die im Osten vorgeschlagene Fläche, „wo es immer hieß, da wird nicht gebaut aufgrund der guten Böden“. Die nördliche Fläche wurde im Regionalplan bereits verkleinert, weil die Stadtwerke erwägen, in der Nähe des Heiligen Borns in Zukunft Trinkwasser zu fördern. Im Westen befürchtet der Ortsbeirat, dass es schwierig wäre, von dort das Abwasser zur Kläranlage zu pumpen. „Sinn macht es nur in Richtung Moischt“, sagte Heiko Schäfer (CDU).

Von Stefan Dietrich