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Marburg Pärchen saß auf Malta fest
Marburg Pärchen saß auf Malta fest
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20:59 19.03.2020
Christian Nahrgang und seine Frau saßen auf Malta fest. Quelle: Privatfoto
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Marburg

Auf dem Urlaubsfoto war noch alles in Ordnung. Christian Nahrgang genoss mit seiner Frau Larissa den Urlaub auf Malta. Als die beiden Schröcker am 6. März starteten, war die Corona-Krise noch ganz weit entfernt von der Mittelmeer-Insel. Das Pärchen erlebte sonnige Tage voller Unbeschwertheit, bis am Mittwoch, 11. März, sie folgende Mitteilung von der Rezeption erreichte: Alle Flüge nach Deutschland wurden abgesagt.

„Wir waren sprachlos und schockiert“, erinnert sich Christian Nahrgang am OP-Telefon. Sofort suchten sie den Kontakt zur Deutschen Botschaft und zum Reiseveranstalter. Letzterer teilte ihnen mit, dass er nicht zuständig sei. „Das war wir ein Schlag ins Gesicht. Wir hatten erwartet, dass wir Unterstützung erhalten“, ist dem 27-Jährigen noch immer viel Unverständnis anzumerken. „Wir fühlten uns total allein gelassen und hilflos.“

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Hotelgäste ignorieren Hygieneregeln

Die Botschaft antwortete am Donnerstagmorgen, dass die Daten erfasst seien und sich das Pärchen in Hotelnähe aufhalten sollte. „Ansonsten gab es keinerlei Informationen. Keiner, der uns über den Verlauf unterrichtete oder eine Einschätzung abgab, wie es weiter geht. Wir hingen total in der Luft. Es war eine absolute Ausnahmesituation“, berichtet er von der Verzweiflung vor Ort. Das Reisebüro Ahrens, über den die Schröcker den Urlaub gebucht hatten, „war sehr kooperativ und suchte neue Flüge raus. Aber die hätten wir aus eigener Tasche bezahlen müssen. Das wäre unsere letzte Option gewesen“, so Christian Nahrgang.

Am Freitag kam dann die Information, dass der Reiseveranstalter zusätzlich drei Tage für Unterkunft und Verpflegung aufkommen würde. Doch diese Nachricht bedeutete nur ein kurzes Aufatmen. „Auf einmal gab es unterschiedliche Aussagen vom Hotel und dem Reiseveranstalter. Wir wussten gar nicht mehr, wem wir nun glauben konnten“, erzählt der Schröcker. Dann stand ein Bus vor dem Hotel und alle Gäste wurden in ein anderes Hotel im Norden von Malta untergebracht. „Der Informationsfluss war gleich null, die Gerüchteküche kochte. Es herrschte echt Ausnahmezustand und wir mittendrin“, beschreibt er die Situation vom Samstag. Keiner der Hotelgäste hielt sich auch nur annähernd an die Hygieneregeln. Christian Nahrgang erzählt: „Wir waren zusammengefercht, Abstand halten war unmöglich. Am Büfett wurde gehustet und geniest, alles angefasst und wieder zurückgelegt. Es war einfach nur widerlich.“

Eltern stehen unter Strom

Mittlerweile standen auch seine Eltern zu Hause in Schröck unter Strom und suchten nach Lösungen. Dann kam die Idee, einen Hilferuf an den CDU-Landtagsabgeordneten Dirk Bamberger zu schicken. Und der reagierte prompt. Samstagabend klingelte das Telefon von Christian Nahrgang in Malta. „Endlich hörte uns mal einer zu, interessierte sich für uns, versorgte uns mit Informationen“, so der Schröcker. „Es war wirklich eine schwierige Situation“, erinnert sich Dirk Bamberger auf OP-Anfrage. Dennoch habe er Kontakt zum Staatssekretär Dr. Stefan Heck und auch zum Auswärtigen Amt aufgenommen. „Ob dann meine Bemühungen ausschlaggebend waren, weiß ich nicht. Auf jeden Fall konnten die Nahrgangs Malta verlassen“, sagte der Landtagsabgeordnete.

Denn Sonntagabend um halb acht ging bei Christian Nahrgang der erlösende Anruf der Botschaft ein, dass sie am Montag zusammen mit 360 anderen deutschen Touristen ausgeflogen werden. Am Flughafen wurde noch Fieber gemessen, dann ging es zurück nach Deutschland, wo er jetzt eine Erkältung auskuriert. „Egal, ob Dirk Bamberger nun aktiv etwas bewirkt hat, oder nicht. Für uns war er eine große Hilfe, weil er uns auch mental sehr unterstützt, uns viel Mut zugesprochen hat“, sagt Christian Nahrgang. Und Dirk Bamberger fügt hinzu: „Meine offiziellen Termine sind doch alle abgesagt, da sehe ich es als Pflicht, mich um solche Hilferufe zu kümmern.“

Von Katja Peters

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