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Marburg Schreib-Lerntipps zum Hören
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09:01 28.11.2020
Dr. Andrea Beutlhauser startet ihre zweite Staffel von Podcasts mit Tipps für wissenschaftliches Schreiben.
Dr. Andrea Beutlhauser startet ihre zweite Staffel von Podcasts mit Tipps für wissenschaftliches Schreiben. Quelle: Nadine Weigel
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Marburg

Rund um die Techniken des wissenschaftlichen Schreibens bietet die Kulturwissenschaftlerin Dr. Andrea Beutlhauser seit 2017 im Auftrag der Marburger Uni-Bibliothek regelmäßig Workshops für Studierende aller Fachbereiche an.

Diese fanden vor der Corona-Zeit meistens als Einzelveranstaltungen im Vortragsraum der Uni-Bibliothek statt. Doch das geht wegen der Corona-Pandemie seit dem ersten Lockdown im März dieses Jahres nicht mehr.

„Die Corona-Pandemie ist der Grund für mehr Digital-Angebote“, erläutert Dr. Sylvia Langwald, Fachreferentin für Anglistik an der Uni-Bibliothek (UB). Sie hat vor einigen Jahren an der UB eine universitätsweite Schreibwerkstatt für Studierende aller Fachbereiche ins Leben gerufen.

Neben Kursen fürs wissenschaftliche Schreiben zählen dazu unter anderem eine Sprechstunde für Hausarbeiten sowie die regelmäßige Lange Nacht der Uni-Hausarbeiten.

Wöchentlich neue Folgen

Jetzt ist auch eine neue Lehrform hinzugekommen. Bereits zum Sommersemester erarbeitete Beutlhauser zusammen mit Langwald ein Konzept, das für ein Selbstlern-Verfahren gut geeignet und auf große Resonanz gestoßen ist. Entstanden sind damals zehn je fünfminütige Podcasts, die Beutlhauser verfasst hat und die jeweils im Abstand von einer Woche veröffentlicht wurden. Jetzt folgt Teil zwei der Podcast-Serie.

Die Podcasts sind jeweils kurze gesprochene Audio-Texte zum Anhören. „Damit werden die Studierenden direkt angesprochen“, sagt Andrea Beutlhauser. Der Vorteil der Podcasts aus ihrer Sicht: Sie bieten eine Abwechslung, weil im Studium ansonsten sehr viel auch online am Laptop oder Computer-Bildschirm gelesen werden muss.

Geboten werden in den Podcasts Tipps und Tricks für Studierende, die als Studienanfänger in den ersten Semestern teilweise noch gar nicht so mit dem Konzept des wissenschaftlichen Schreibens vertraut sind. In einer ungewöhnlichen Lektion stellt die Dozentin beispielsweise in Kurzform eine weltweit erprobte Lernmethode vor. Arbeitseffektivität erlernen mit der „Pomodoro“-Technik: Wer ein wenig Italienisch kann, denkt bei diesem Stichwort sofort an Tomaten.

Besser konzentrieren mit „Pomodoro“

Doch in diesem Fall geht es nicht um Gemüse, auch wenn bei dieser Methode des Italieners Francesco Cirillo eine rote und tomatenförmige Eieruhr zum Einsatz kommt. Besonders für Schreibanfänger und besonders in Corona-Zeiten hält Andrea Beutlhauser die damit verbundene Methode für sehr geeignet. Mit der Eieruhr wird in diesem Fall nicht die Kochzeit gemessen, sondern es geht darum, beim Schreiben jeweils auf 25 Minuten konzentrierter Arbeit eine fünfminütige Pause folgen zu lassen. Nach einer Einheit, die zweieinhalb Stunden dauert, folgen dann 30 Minuten Pause.

Beim Thema Zeitmanagement geht es um ein Problem, das besonders die Studierenden der Digitalgeneration kennen: Denn viele lassen sich häufig bei der Arbeit am Laptop ablenken, beispielsweise vom Smartphone oder durch die Möglichkeiten des Internets. Sich aber stattdessen einmal 25 Minuten am Stück auf die eigentliche Aufgabe zu konzentrieren, ist heutzutage gar nicht mehr so einfach und eher ungewohnt für viele Studierende. Die dann empfohlene Pause habe allerdings auch den Effekt, einmal kurz durchzuatmen im Arbeits-Flow, betont Andrea Beutlhauser.

Schreiben soll Spaß machen

Wie plant man eine wissenschaftliche Arbeit? Wie motiviert man sich? Wie teilt man sich die Zeit ein? Das sind drei der grundlegenden Fragen, bei denen Beutlhauser verschiedene Hilfestellungen gibt. Dabei geht es auch um die „Basics“, die sie vermitteln möchte. „Man sollte sich erst einmal darüber klar werden, was man eigentlich schreiben möchte“, sagt sie. Ganz wichtig sei es auch, sich über die Adressaten der Arbeiten klar zu werden.

Nach dem Studium der Völkerkunde, Kunstgeschichte sowie Graphik und Malerei an der Philipps-Universität Marburg mit dem Magisterabschluss verfasste sie bei Professor Mark Münzel in Marburg im Fach Völkerkunde eine Doktorarbeit zur Frage, ob die Ethnopoesie als wissenschaftliche (Schreib-)Methode fremde Menschen, ihre Kulturen und Lebenswelten beschreiben kann. Ein Teil ihrer Dissertation war ein selbst verfasster Roman unter dem Titel „Dels Geschichte“ über die Lakota-Indianer in den USA.

Sie ist freiberufliche Lektorin und Schreibdozentin. An der Universität hat sie auch einen Lehrauftrag, bei dem sie in einer universitären Schreibwerkstatt Studierenden den Spaß am Schreiben vermittelt und grundlegende wissenschaftliche Arbeitstechniken erklären möchte. „Die Studierenden haben große Angst, dass sie die Standards nicht einhalten oder ein Plagiat fabrizieren“, erläutert sie. Diese Ängste will Andrea Beutlhauser ihnen unter anderem mit den Podcasts nehmen.

Von Manfred Hitzeroth

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