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Marburg Schon wieder Aufregung um Molkerei
Marburg Schon wieder Aufregung um Molkerei
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09:55 07.05.2020
Wie ist die Zukunft der Marburger Molkerei? Quelle: Nadine Weigel
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Marburg

Große Sorgen um die Marburger Molkerei: Der Traditionsbetrieb, der vor zwei Jahren an russische Investoren verkauft wurde und nun unter dem Namen RL Regionale-Lebensmittel Vertriebs GmbH firmiert, hat wohl wirtschaftliche Schwierigkeiten.

Informationen der Oberhessischen Presse, nach denen ein Liquidator im Betrieb gewesen sei, bestätigte Karin Lölkes, die Vorsitzende des Kreisbauernverbandes.

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Danach seien die Lieferanten am Dienstag von der neuen Situation in Kenntnis gesetzt worden. Wie lange die heimischen Landwirte ihre Milch weiter nach Marburg bringen können, stand zunächst noch nicht fest. Offenbar soll sich der Liquidator zunächst einen Überblick über die Lage verschaffen, hieß es, ehe endgültige Entscheidungen veröffentlicht werden sollen.

Die Geschäftsführer Vladimir Chapaykin und Dr. Dmitriy Eremin waren zunächst für die OP nicht zu erreichen, ebensowenig wie Prokurist Gerrit Oltmanns.

Bundesvorsitzender bedauert die Probleme

Dieter Hewecker, der Vorsitzende der Molkereigenossenschaft, hat ebenfalls erst am Dienstag von den Problemen erfahren. Die Genossenschaft sei aber nur die Liefergemeinschaft. Insgesamt 28 heimische Landwirte haben an die Marburger Molkerei geliefert.

Stefan Mann aus Ilschhausen, Bundesvorsitzender des Bundesverbands Deutscher Milchviehhalter (BDM), bedauerte die Probleme der Molkerei. Die Lieferanten werden im Falle eines Aus schauen müssen, wohin sie noch liefern können, sagte er. „Aber welche Molkerei sucht noch nach Milch?“, fragt er.

Der Absatz war zuletzt gut

Mann führt die Ursache für die Schwierigkeiten der Molkerei auf die Überproduktion im Milchmarkt und den damit verbundenen Preisdruck zurück. Der BDM fordert deswegen eine europaweite obligatorische Kürzung der Liefermengen. „Molkereien sind nur dann erpressbar, wenn sie nicht wissen, wohin mit ihrer Milch“, sagt Mann.

Die Marburger Molkereigenossenschaft hatte ihre Traditionsmolkerei vor fast genau zwei Jahren an die Russische Unternehmensgruppe „Rossijskoje Moloko“ verkauft. Neue Produkte und Investitionen sollten die Molkerei zurück in die Erfolgsspur bringen, hieß es damals.

Nach Informationen der OP sei der Absatz in den Geschäften bis zum Schluss gut gewesen. Mann befürchtet nun, dass nach der Corona-Krise ein erneuter Preisverfall für Milch eintreten könnte.

Von Till Conrad