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Marburg Tatendrang statt Resignation
Marburg Tatendrang statt Resignation
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16:57 30.11.2020
Schokoladen-Sommelière Annette Klingelhöfer stempelt ihre Pralinen in ihrer Schokoladenfabrik.
Schokoladen-Sommelière Annette Klingelhöfer stempelt ihre Pralinen in ihrer Schokoladenfabrik. Quelle: Katja Peters
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So groß wie die gigantische Schokoladenfabrik des exzentrischen Willy Wonka im Film „Charlie und die Schokoladenfabrik“ ist die von Annette Klingelhöfer zwar nicht. Aber die Pralinen, die dort entstehen, erfreuen sich deutschlandweit größter Beliebtheit.

Denn seit Kurzem verschickt Marburgs einzige Schokoladen-Sommelière die eigenen Kreationen per Online-Shop zu ihren Kunden. „Während des Corona-Lockdowns im Frühjahr hatten wir viel Zeit und die Idee dazu hatte ich schon lange. Nur die Umsetzung fehlte noch“, berichtet Annette Klingelhöfer beim OP-Besuch in ihrer Schokoladenfabrik. Drei Tage braucht es, bis die Pralinen fertig in der Verpackung liegen. Denn alles ist Handarbeit. Zusammen mit Marc Wietersen kreiert und probiert Annette Klingelhöfer viele Zusammensetzungen und Geschmacksrichtungen aus, ehe sie in Serie gehen.

Der diesjährige Adventskalender beispielsweise war innerhalb von drei Wochen „serienreif“. Statt Schloss sind in diesem Jahr Corona-Comicbilder zu sehen. „Stay at home“ – bleib zu Hause, lautet das Motto. „Nach diesem komischen Jahr wollte ich etwas Humorvolles machen und habe das Haus mit den witzigen Corona-Szenen konzipiert“, erklärt die kreative Konditorin. Zu sehen sind beispielsweise eine Frau, die Sport treibt, eine Familie, die über Videotelefonie Kontakt hält, der überforderte Vater im Home-Office oder die singenden Italiener. Dahinter liegen 24 handgefertigte, kunterbunte Pralinen. „Und klar, hinter dem 24. Türchen steckt auch ein Highlight“, verspricht sie mit einem Augenzwinkern.

Verzierungen in der Schokoladenfabrik der Konditorei Klingelhöfer. Quelle: Katja Peters

Sie erinnert sich an diesen Moment, als sie die beiden Klingelhöfer-Geschäfte von einem Tag auf den anderen schließen musste. „Dann registrierst du erst einmal: Hey, mein Unternehmen funktioniert nicht mehr“, erinnert sich Annette Klingelhöfer. Nach einem Tag Schockstarre war klar, dass sie etwas finden muss, damit ihre 35 Mitarbeiter ihren Job behalten können. „Mit einem Mal machte sich viel Tatendrang breit, anstatt Resignation. Wir wollten nicht auf die Bundesregierung warten. Und klar ist die Situation schwierig, aber man darf den Kopf nicht hängenlassen“, sagt sie und fängt an, die frisch mit Schokoladen überzogenen Pralinen mit einem goldenen Ring abzustempeln.

Sieben Meter später sind diese gekühlt und auskristallisiert, fest und glänzend. Franziska Schmidt, Auszubildende aus Berlin, legt jede einzelne vorsichtig in die Verpackung.

Vor kurzem waren es noch die dunklen Gin-Trüffel und die Rosmarin-Gin-Praline. Beide gehören zu einem Experiment zusammen mit dem Behring-Gutshof. Insgesamt 36 verschiedene Pralinen-Füllungen gibt es im Hause Klingelhöfer, bis zu 10.000 Pralinen kann die Maschine täglich mit Schokolade überziehen. Alles andere ist Handarbeit.

Und die können nach wie vor in der Marburger Haspelstraße und jetzt auch bundesweit im Online-Shop gekauft werden. „Bis jetzt klappt alles wunderbar. Bis auf Torten verschicken wir alles aus unserem Sortiment. Auch den Baumkuchen, Stollen und die Honigkuchen-Nikoläuse“, so Marburgs Schokoladen-Sommelière, die übrigens trotz der Corona-Pandemie neue Auszubildende eingestellt hat und somit derzeit insgesamt elf Lehrlinge betreut – neun in der Backstube und zwei im Verkauf.

von Katja Peters

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