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Marburg Schock im Schafstall: Tier erdrosselt
Marburg Schock im Schafstall: Tier erdrosselt
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08:00 03.05.2022
Heinz Bender hat Angst um seine verbliebenen Tiere. Ein Schaf fand er zu Tode stranguliert im Stall.
Heinz Bender hat Angst um seine verbliebenen Tiere. Ein Schaf fand er zu Tode stranguliert im Stall. Quelle: Nadine Weigel
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Marburg

Irgendetwas stimmt nicht. Das ist sein erster Gedanke, als Heinz Bender am Morgen des 26. April sein kleines Paradies betritt. Im schönen Heiligen Grund in Ockershausen hat er sich ein Idyll geschaffen: mit Bäumen und Wiesen, einem kleinen Stall und einigen Tieren. Doch Heinz Bender sieht an diesem Frühlingsmorgen nur vier Esel und zwei Schafe. Das dritte Schaf ist nicht zu sehen.

Er nähert sich dem Stall und findet es schließlich. Tot, mit einer Schlinge um den Hals. Aufgeknüpft am Eingang zum Stall. „Es lag an genau der gleichen Stelle wie das Schaf vor drei Wochen“, erinnert sich der Ockershäuser. Auch damals hatte er ein totes Schaf gefunden. „Damals haben wir nicht an ein Verbrechen gedacht“, erinnert sich Bender. Er hatte das Tier untersucht, keine äußerlichen Verletzungen festgestellt und deshalb zusammen mit einem Tierarzt gemutmaßt, das Schaf sei eines natür-lichen  Todes gestorben.

Doch diesmal ist alles anders. Babette, so hieß das Schaf, das seit acht Jahren im Besitz des Ockershäusers ist, wurde offensichtlich zu Tode gequält. Die Schlinge der Zaunlitze liegt noch um den Hals. Bender verständigt sofort die Polizei. Die Beamten kommen, sichern die Spuren und nehmen den Fall auf.

„Nach bisherigen Ermittlungen deutet alles daraufhin, dass das Schaf regelrecht stranguliert wurde“, bestätigt Polizeipressesprecher Martin Ahlich auf Nachfrage der OP. Die Spuren wiesen eindeutig auf einen Verstoß gegen das Tierschutzgesetz hin, so Ahlich weiter. Es werde wegen Tierquälerei ermittelt, der sogenannte Umweltsachbearbeiter sei eingeschaltet. Das Tier sei zur weiteren Untersuchung in das Landeslabor nach Gießen verbracht worden. Dort solle das Schaf nun auch dahingehend untersucht werden, ob es zu einem Fall von Sodomie gekommen sei und sich jemand an dem Tier vergangenen habe. „Wann mit diesbezüglichen Ergebnissen zu rechnen ist, kann noch nicht gesagt werden“, betont Ahlich im Gespräch mit der OP.

Heinz Bender hat Angst um seine verbliebenen Tiere – und ist sich mittlerweile auch ziemlich sicher, dass Fee – das Schaf, das er vor drei Wochen an gleicher Stelle fand – ebenfalls erdrosselt wurde. „Die Schafe sind nicht zutraulich, der oder die Täter müssen sie gehetzt, eingefangen und dann am Balken am Eingang des Stalles aufgeknüpft haben.“ Besonders tragisch: Bei Babette und Fee handelte es sich um Alpine Steinschafe, eine der ältesten Schafrassen der Welt und mittlerweile auch eine sehr seltene. „Es gibt nur noch 600 Tiere davon“, sagt der Hobby-Schäfer.

Auch ein totes Huhn wurde gefunden

Erst jetzt lassen auch andere Vorkommnisse in der Nachbarschaft die Alarmglocken schrillen. „Es wurde zum Beispiel ein totes Huhn gefunden, eingewickelt in Schnüre, eine Ente ist aus einem abgeschlossenen Käfig verschwunden“, berichtet Bender.

Auch sei in einigen der Gartenhüttchen eingebrochen worden.

„Man fühlt sich schon unwohl, wenn man denkt, dass hier vielleicht einer rumläuft, der einem tagsüber ganz freundlich zulächelt und in der Nacht dann hierherkommt und solche Schweinereien macht“, sagt der Ockershäuser. „Das muss jemand sein, der krankhafte Fantasien hat.“ Er ist besorgt. War es ein Wiederholungstäter, dem Tiere vielleicht irgendwann nicht mehr reichen? Der Heilige Grund ist ein stark frequentiertes Ausflugsziel, viele Marburger nutzen das idyllische Tal als Naherholungsgebiet. Deshalb hofft Bender, dass vielleicht doch jemand ungewöhnliche Beobachtungen gemacht hat und der oder die Täter bald geschnappt werden.

Wer hat im Heiligen Grund in Ockershausen verdächtige Beobachtungen gemacht? Insbesondere in der Nacht zu Dienstag, dem 26. April? Sachdienliche Hinweise nimmt die Polizei Marburg unter der Telefonnummer 06421/406 0 entgegen.

Immer wieder Fälle von Tierquälerei im Landkreis Marburg-Biedenkopf

Tiere gehören für viele Menschen zur Familie. Um so schmerzlicher ist es, wenn die geliebten Mitbewohner qualvoll zu Tode kommen. Doch immer wieder kommt es auch im Landkreis Marburg-Biedenkopf zu Fällen von Tierquälerei: Polizeimeldungen von mehreren durch Schnittwunden verletzte Pferde im Hinterland sorgten im vergangenen Jahr für Angst und Schrecken bei Pferdebesitzern. Ebenfalls auf Pferde hatten es Unbekannte im vergangenen Dezember abgesehen, als sie ihr Unwesen auf einer Weide bei Friedensdorf trieben. Der oder die Täter verlegten den dortigen elektrischen Weidezaun neu. Der Verlauf des Zauns führte danach quer über die Weide zum Futtertrog aus Metall und setzte diesen damit unter Strom.

Ebenfalls im Hinterland und ebenfalls im Dezember ereignete sich ein besonders für Katzenliebhaber schockierender Fall von mutmaßlicher Tierquälerei. Damals wurde in Breidenbach eine geköpfte Katze gefunden. Auf dem Buderus-Parkplatz wurde der Körper des Tieres entdeckt, der Kopf fehlte. Alles deutete darauf hin, dass sie woanders getötet und auf dem Platz abgelegt wurde. Laut Untersuchung einer Tierärztin habe es damals keine Hinweise auf einen Unfall oder auf einen Kampf mit anderen Tieren gegeben, der „Kopf sei mit etwas Spitzem abgeschnitten worden“, wie es hieß. Weil es auf dem Parkplatz keine Blutspuren gab, ging die Polizei davon aus, dass die Katze woanders getötet und anschließend an der Hauptstraße abgelegt wurde. Für die Besitzer der getöteten Katze eine absolute Horrorvorstellung, dass es sich vielleicht um einen Wiederholungstäter gehandelt haben könnte. Denn wenige Wochen zuvor soll bereits ein geköpfter Waschbär in der Nähe des alten Bahndamms gefunden worden sein.

Einziger Trost für die Besitzer damals: Nach Angaben der Tierärztin hatte sich das Kätzchen offenbar nicht gewehrt, die Krallen waren nicht ausgefahren, offenbar war der Tod schnell eingetreten und die Katze musste nicht lange leiden. Die Polizei tappt bei dem Fall noch immer im Dunkeln, wie eine Nachfrage der OP ergab. Trotz zahlreicher Aufrufe und umfangreicher Ermittlungen wurden der oder die mutmaßlichen Täter bis heute nicht geschnappt.

Von Nadine Weigel