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Marburg Schnelle Hilfe bei akuter Depression
Marburg Schnelle Hilfe bei akuter Depression
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09:39 05.08.2021
Für Menschen, die unter Depression leiden, gibt es eine vielversprechende Behandlungsmethode mit dem Stoff Esketamin, die unter anderem in Marburg erprobt wird.
Für Menschen, die unter Depression leiden, gibt es eine vielversprechende Behandlungsmethode mit dem Stoff Esketamin, die unter anderem in Marburg erprobt wird. Quelle: Julian Stratenschulte
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Marburg

Eine neue Behandlungsmethode für Patientinnen und Patienten mit akuter Depression wird an der Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie Marburg erprobt. In einer Studie im Rahmen eines von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Verbundprojektes (DFG Sonderforschungsbereich 289) geht es um die Frage, wie der Stoff Esketamin bei Patienten mit akuter Depression wirkt.

Klinikdirektor Professor Thilo Kirchner erklärt: „Esketamin ist ein Medikament, dass in höheren Dosierungen schon seit vielen Jahrzehnten in der Schmerztherapie und in der Anästhesie zur Narkoseeinleitung eingesetzt wird.“ Dabei habe sich gezeigt, dass dieses Medikament in niedrigen Dosen sehr schnell antidepressiv wirke, sodass schon innerhalb weniger Stunden die gewünschte antidepressive Wirkung einsetzen könne, die ein bis drei Tage anhalte.

Es gibt viele Symptome bei Depression

Kirchner weiter: „Die majore Depression ist eine schwerwiegende und häufige Erkrankung, die mit erheblichen Belastungen für die betroffenen Patienten und ihre Angehörigen einhergeht.“ Die Hauptsymptome seien Freud- und Interesselosigkeit, Antriebsmangel und gedrückte Stimmung. „Daneben können eine Vielzahl unterschiedlicher Symptome vorliegen“, sagt der Klinikdirektor und zählt auf: „Druck auf der Brust, Ängste um nahestehende Personen oder sich selbst, Schuldideen, lebensmüde Gedanken, Schlafstörungen, Appetitmangel oder erhöhter Appetit und vieles mehr.“

Zwar sei die Wirksamkeit der antidepressiven Pharmakotherapie in zahlreichen Studien und durch die klinische Erfahrung gut belegt.

Das Problem: Die antidepressive Wirkung setzt erst zwei bis drei Wochen ab Einnahme der vollen Dosis ein, rund zwei Wochen braucht man zusätzlich zum Einschleichen der Medikation: „Eine Psychotherapie gegen Depression dauert noch viel länger bis zum Wirkungseintritt, meist vergehen sogar Monate bis man überhaupt einen ambulanten Psychotherapieplatz bekommt“, gibt Kirchner zu bedenken.

Neues Therapie-Verfahren

Im Rahmen der aktuellen Studie an der Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie soll nun untersucht werden, welchen Einfluss die Therapie auf das Erleben und Verhalten hat und inwiefern sich durch die Hirnaktivierung, gemessen mittels funktioneller Magnetresonanztomographie, das Ansprechen auf diese schnellwirksame antidepressive Therapie vorhersagen lässt. „Dies ist wirklich eine komplett neuartige Therapie. Das Besondere daran ist der extrem schnelle Wirkungseintritt.“ Die Mehrzahl der Betroffenen spreche auf die Therapie an und für die sei es wirklich ein enormer Fortschritt.

„Die Wirkung lässt zwar nach ein bis drei Tagen wieder nach, dann wiederholt man die Behandlung zwei- bis dreimal die Woche über vier Wochen, bis die Depression remittiert ist“, kommentiert Professor Kircher.

Menschen, die momentan an einer Depression erkrankt sind, erhalten die Möglichkeit einer einmaligen Behandlung im Rahmen der Studie.

Die Menschen erhalten dabei die schnell wirksame Therapie mit Esketamin und leisten gleichzeitig einen Beitrag zum Verständnis dieser neuen Behandlungsoption. Bei Ansprechen auf die Behandlung kann die Therapie über vier Wochen fortgesetzt werden.

Interessierte können sich melden unter der Telefonnummer 0 64 21 / 5 86 15 77 oder per Mail unter Ketamin-studie@med.uni-marburg.de

Von Carsten Beckmann

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