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Marburg Symbolträchtig Heiraten im Februar
Marburg Symbolträchtig Heiraten im Februar
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18:00 31.01.2022
Am Tag, an dem der Bräutigam seiner Angebeteten den Ehering über den Finger streift, soll alles besonders sein, wozu auch ein außergewöhnliches Datum mit gutem Erinnerungsfaktor gehören kann.
Am Tag, an dem der Bräutigam seiner Angebeteten den Ehering über den Finger streift, soll alles besonders sein, wozu auch ein außergewöhnliches Datum mit gutem Erinnerungsfaktor gehören kann. Quelle: Andreas Lander
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Die Beliebtheit von besonderen Zahlenkombinationen für das Sagen des Jawortes ist ein seit Jahren zu beobachtendes Phänomen. Ob es daran liegt, dass eine mehrstellige Zahl aus identischen Ziffern ein besonders schönes Gravur-Bild im Ehering darstellt, eine Schnapszahl eine besondere Symbolkraft hat oder sich eine solche Zahl vor allem für Männer leichter merken lässt, ist nicht erforscht. Fest steht aber, was Wissenschaftler der Universität Melbourne herausgefunden haben: Die an einem speziellen Tag geschlossen Ehen haben ein um 18 Prozent höheres Scheidungsrisiko als bei Paaren, die an einem Allerweltstag den Bund fürs Leben schließen.

Dennoch hält die Beliebtheit der Schnapszahl-Daten für Eheschließungen an. Zwar kommt in diesem Februar keine astreine Schnapszahl vor, da in der Jahreszahl eine Null vorkommt, doch mit 2.2.2022, 20.2.2022 und 22.2.2022 stehen theoretisch drei Daten zur Auswahl. Da der 20. Februar ein Sonntag ist, fällt dieser für eine standesamtliche Trauung allerdings aus. Auch der 2. Februar, ein Mittwoch, ist offensichtlich nicht sehr nachgefragt, ganz im Gegensatz zum 22.

An diesem Tag sind laut einer bundesweiten Umfrage der Deutschen-Presse-Agentur viele Standesämter bereits ausgebucht, obwohl der 22. Februar auf einen ansonsten eher unbeliebten Dienstag fällt. In Marburg ist der Dienstag, 22.2.2022, mit vier Trauungen ausgebucht, berichtet Patricia Grähling von der Pressestelle der Stadt Marburg und fügt an: „Vier Trauungen im Februar an einem Dienstag sind tatsächlich alleine dem besonderen Datum geschuldet.“ Für Mittwoch, 2.2.2022 sind laut Grähling weder Besonderheiten noch häufige Anfragen festzustellen.

Schnapszahl

Eine Schnapszahl ist eine mehrstellige natürliche Zahl, die ausschließlich durch identische Ziffern dargestellt wird. In der Mathematik werden diese Zahlen auch als „Repdigit“ bezeichnet. Aus dem Englischen übersetzt bedeutet die Zusammensetzung aus „repeated digits“ wiederholte Ziffern. Wie es zum Begriff Schnapszahl kam, darüber gibt es zwei Vermutungen:

Wenn in einer Kneipe die hochgerechneten Punkte eines Spiels zwei identische Ziffern ergaben, war ein Getränk auszugeben. Die Wahl fiel vermutlich auf Schnaps, da ein Kurzer meistens weniger kostet als ein Bier- oder Weinglas.

Die zweite Erklärung hat ebenfalls mit Schnaps zu tun. Wer zu viel davon trinkt, sieht manchmal doppelt und so wird aus einer Zahl schnell zwei.

Wem es nicht auf die Zahl ankommt, kann den oft als schönsten Tag im Leben bezeichneten Hochzeitstag auch mit anderen Besonderheiten gestalten. Im Zusammenhang mit der standesamtlichen Eheschließung kann dies zum Beispiel die Wahl des Ortes sein. Im Landkreis bieten sich dazu einige Möglichkeiten an.

In Marburg sind Eheschließungen zum Beispiel im Standesamt im Steinernen Haus am Obermarkt, im Historischen Saal des Rathauses, im Landgrafenschloss und zu bestimmten, festgesetzten Terminen auch im Spiegelslustturm möglich. Für den Reiz des Besonderen ist außerhalb des Standesamtes allerdings auch gesondert zu zahlen: Fürs Landgrafenschloss sind je nach Jahreszeit 250 bis 270 Euro zu zahlen, die beiden anderen Lokalitäten belasten das Budget nur mit 150 Euro.

Außerhalb Marburgs können Heiratswillige unter mehreren besonderen Lokalitäten wählen. Wer es romantisch mag, kann sich in einer entwidmeten Kirche das standesamtliche Ja-Wort geben, zum Beispiel in der Hufeisenkirche Altenvers – das älteste Gotteshaus dieser Bauart in Deutschland steht in dem zur Gemeinde Lohra zählenden Ort – oder den alten Kirchen in Cölbe-Bürgeln sowie Weimar-Niederweimar. Wer auf Märchenhaftes steht, kann den Rapunzelturm im Wetteraner Stadtteil Amönau buchen.

In dieser Bildergalerie zeigen wir Ihnen besondere und außergewöhnliche Orte im Landkreis, an denen sich Paare trauen lassen können.

Während das Erheben von Kosten für das Herrichten der Lokalitäten im Ermessen der Kommunen steht, richten sich die Gebühren für Eheschließungen hessenweit danach, ob ein Paar „außerhalb der Dienstzeit“ und „außerhalb des Dienstraums“ heiratet. In den Standesämtern sind 42 Euro zu entrichten, außerhalb der Dienstzeit oder außerhalb des Standesamtes sind es 63 Euro. Findet die Trauung außerhalb der Dienstzeit und außerhalb des Standesamtes statt, steigt die Gebühr auf 94 Euro. Samstags kosten Eheschließungen pauschal 200 Euro.

Apropos Zahlen – Der 22.02.2022 hat noch einen weiteren Vorteil: Ob mit oder ohne Schnaps lässt sich die Zahlenreihe vorwärts wie rückwärts lesen.  

Anmelden einer Eheschließung

Heiratswillige Paare müssen ihre Eheschließung beim Standesamt ihres Haupt- oder Nebenwohnsitzes anmelden, welches aber nicht zugleich der Ort sein muss, an dem die Ehe geschlossen wird. Dies kann in jedem Standesamt in Deutschland geschehen.

Zu Trauzeugen können eine oder zwei Personen bestimmt werden. Der Familienname kann bei der Eheschließung oder auch später festgelegt werden.

Zum Anmelden des Eheschließens müssen beide Partner zu einem Termin im Standesamt erscheinen oder es ist eine Vollmacht des abwesenden Partners vorzulegen. Folgende Voraussetzungen sind zu beachten: Eine Ehe kann nur von Volljährigen eingegangen werden, die nicht in gerader Linie (zum Beispiel Eltern und ihre Kinder) verwandt sind sowie ebenfalls nicht zwischen Geschwistern und Halbgeschwistern.

Da Doppelehen in Deutschland verboten sind, muss eine zuvor eingegangene Ehe durch Tod, Scheidung oder ein gerichtliches Urteil aufgelöst sein. Wurde eine Ehe im Ausland geschieden, so muss die Scheidung in Deutschland erst anerkannt werden. Ausnahmen gelten vor allem für die meisten Staaten der EU. Aufzulösen ist auch eine bestehende Lebenspartnerschaft.

An Dokumenten sind vorzulegen: gültige Personalausweise oder Reisepässe beziehungsweise eine Aufenthaltsbescheinigung der Meldebehörde, beglaubigte Auszüge aus dem Geburtenregister oder beglaubigte Abschriften aus dem Geburtenbuch; bei Ausländern eine mehrsprachige Geburtsurkunde oder das fremdsprachige Original mit deutscher Übersetzung durch einen vereidigten Dolmetscher.

Von Gianfranco Fain