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Marburg Schicksal der Pharmafirmen im Focus
Marburg Schicksal der Pharmafirmen im Focus
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21:28 22.03.2021
Lockere Stimmung beim OP-Wahltalk: Herausforderin Nadine Bernshausen (Grüne) und Amtsinhaber Dr. Thomas Spies (SPD).
Lockere Stimmung beim OP-Wahltalk: Herausforderin Nadine Bernshausen (Grüne) und Amtsinhaber Dr. Thomas Spies (SPD). Quelle: Thorsten Richter
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Marburg

Wie vor dem ersten Wahlgang hatte die OP diesen Talk organisiert, um beide Kandidaten noch einmal auf Herz und Nieren zu prüfen.

Aufgrund eines technischen Fehlers beim Upload des Videos war der Zusammenschnitt der Diskussion erst mit 25-minütiger Verspätung zu sehen. Dafür bitten wir um Entschuldigung!

„Wir sind sehr dankbar, dass wir die Behring-Standortfirmen haben“, sagte Bernshausen. Dadurch habe Marburg mehrere Gewerbesteuerzahler, die mit minimalem CO2-Verbrauch Steuergelder in die Stadtkasse spülen. „Das ist etwas, das uns begeistert“, bekannte sie. Sie habe sich mit Vertretern der Standortfirmen bereits getroffen und ausgelotet, welche Maßnahmen etwa bei Grundwasserschutz oder Windschneisen ergriffen werden müssen. „Auch die wissen, dass eine Wirtschaft ohne Ökologie nicht ökonomisch ist.“ Dr. Thomas Spies wies darauf hin, dass der Masterplan auf 15 Jahre Entwicklung ausgelegt sei. Spies wollte nicht verraten, wie hoch der Gewerbesteueranteil sein wird, den Biontech in Marburg wird zahlen müssen, und berief sich auf das Steuergeheimnis. „Aber ein gewisser Anteil wird auch nach Marburg fließen“, sagte der Amtsinhaber.

„Es ist natürlich bitter, dass im Moment ein nennenswerter Teil der Beschäftigten von CSL Angst um ihren Arbeitsplatz hat. Diese Menschen verdienen unsere volle Solidarität und Unterstützung“, sagte Spies und deutete Kritik am Verhalten von CSL an: Ein Konzern, der weltweit Rekordgewinne einfährt, könnte seinen Respekt vor den eigenen Beschäftigten etwas deutlicher machen, als drei Tage nach der Verkündigung neuer Rekordgewinne Stellenabbau zu verkünden.

Dennoch, so Spies, sei der Masterplan für die Behringwerke absolut zeitgemäß. In den letzten zehn Jahren sei die Zahl der Beschäftigten um 50 Prozent gestiegen.

Wie wird Marburg bis 2030 klimaneutral?

„Der Masterplan ist ein Signal an die Unternehmensspitzen, dass in Marburg Raum für weitere Entwicklung ist. Ich habe keine Zweifel, dass der Standort in den nächsten Jahren weiter wachsen wird“, sagte Spies. OP-Redakteur Carsten Beckmann warf dennoch die Frage auf, wie groß der Einfluss eines Oberbürgermeisters oder einer Oberbürgermeisterin auf unternehmerische Entscheidungen am Behringstandort sei. Sie blieb unbeantwortet. Nadine Bernshausen sprach von „Konzeptlosigkeit, Strategielosigkeit“ in der Frage, wie Marburg bis 2030 klimaneutral sein kann. „Der Klimaaktionsplan ist eine Ideensammlung“, sagte Bernshausen. Ideen zu sammeln sei erst einmal gut, aber „man muss vom Ziel her denken“. Und das Ziel sei nicht mehr weit weg. „Wenn ich das Amt antrete, haben wir noch acht Jahre, um das Ziel zu erreichen“, sagte Bernshausen. Man müsse immer wieder nachprüfen, was die Marker sind, die anzeigen, ob man dem Ziel nähergekommen ist.

OP-Redakteur Björn Wisker konfrontierte Spies mit der „neuen Bereitschaft“ seiner Partei, Windkraftanlagen zu bauen, und wollte wissen, woher die „plötzliche Begeisterung“ der SPD für die Windkraft komme. „Meine Begeisterung ist nicht plötzlich“, antwortete der OB. Wenn eine Landesregierung unter Andrea Ypsilanti 2008 ins Amt gekommen wäre, „hätten wir heute in Hessen zu 100 Prozent CO2-neutralen Strom – und natürlich hätte die Windkraft dabei eine zentrale Rolle gespielt. Was ich geschafft habe, ist, dass die Stadtverordnetenversammlung von der Linken bis hin zur CDU bei Enthaltung der Grünen und Gegenstimmen der CDU beschlossen hat, in Marburg soll auf den vorhandenen Windvorranggebieten im Einvernehmen mit den Bürgerinnen und Bürgern die Windkraft so stark wie möglich ausgebaut werden.“

Man kennt sich, man schätzt sich

„Am meisten schätze ich ihr Engagement im Weltladen mit dem Elisabethcafé“, so Dr. Thomas Spies über seine Herausforderin Nadine Bernshausen. „Ich schätze ihr kirchliches Engagement sehr. Sie ist ein umgänglicher und sympathischer Mensch.“ Bernshausen charakterisiert Spies so: „Er ist sehr belesen, wir teilen die Begeisterung für Lyrik. Wir haben auf Geburtstagen auch schon zusammen Bier getrunken.“

Von Till Conrad

Hier das Videos über den OP-Wahltalk zur Oberbürgermeister-Stichwahl:

  

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