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Marburg Open-Air statt Ausgangssperre
Marburg Open-Air statt Ausgangssperre
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16:30 03.05.2021
Der heimische Aerosolexperte Dr. Gerhard Scheuch erläuterte jüngst bei Stern-TV die Ansteckungsgefahr in Innenräumen. Der Screenshot zeigt von links: Moderator Steffen Hallaschka, Gerhard Scheuch, Epidemiologe Alexander Kekule und den SPD-Gesundheitsexperten Karl Lauterbach bei der Diskussion.
Der heimische Aerosolexperte Dr. Gerhard Scheuch erläuterte jüngst bei Stern-TV die Ansteckungsgefahr in Innenräumen. Der Screenshot zeigt von links: Moderator Steffen Hallaschka, Gerhard Scheuch, Epidemiologe Alexander Kekule und den SPD-Gesundheitsexperten Karl Lauterbach bei der Diskussion. Quelle: Foto: Martina Biedenbach
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Gemünden

„Wir können und sollten uns ins Freie begeben. Open-Air ist das Motto.“ Mit diesen Worten kündigt der Gemündener Aerosolexperte Dr. Gerhard Scheuch seinen Video-Podcast zum Thema Ansteckungsgefahr mit Viren über die Atemluft an. Sein Ziel ist es, einen Beitrag zur Aufklärung und zum Schutz vor Corona zu leisten. Der erste Teil der zirka zehnteiligen Podcast-Serie ist ab jetzt online auf Youtube zu sehen.

Unter dem Titel „Open-Air statt Ausgangssperre – Dr. Scheuchs Aerosol-ABC“ veröffentlicht er Informationen aus der Aerosolforschung, die in Zusammenhang mit der Virenverbreitung stehen, und gibt in jedem Beitrag praktische Tipps zur Infektionsvermeidung. „Es ist ein Ritt durch die Welt der Aerosole und was das mit Sars-CoV-2 zu tun hat“, erläutert Scheuch, der dafür bekannt ist, dass er wissenschaftliche Themen allgemein verständlich erklären kann.

Der heimische Physiker veröffentlicht den Podcast auf seinem eigenen Youtube-Kanal und auf eigene Kosten. „Es ist mir wichtig, dass ich meine Informationen so rüberbringen kann, wie ich das für richtig und notwendig halte“, sagt er im Gespräch. Bei der Umsetzung des Podcasts unterstützen ihn die freie Journalistin Nora Mahmoud und die Produktionsfirma ACAM. Die Dreharbeiten für die ersten drei Folgen sind bereits abgeschlossen. Aufwendig sei das Erstellen und Einarbeiten von Grafiken, erläutert der Physiker.

Wie berichtet, warnen Scheuch und andere Aerosolexperten vor der Ansteckungsgefahr in geschlossenen Räumen, während die Gefahr im Freien äußerst gering sei. Deshalb müssten Schutzmaßnahmen insbesondere da erfolgen, wo viele Menschen in einem Raum zusammen sind: in Heimen, Schulen, Büros, Bussen. Das kommunizierten die Experten auch kürzlich in einem offenen Brief an die Bundeskanzlerin und Länderchefs.

Viele Rückmeldungen

Die Resonanz bei den Medien darauf war groß, schildert Scheuch, der dazu an die 50 Interviews gegeben hat und immer wieder auch im Fernsehen zu sehen ist. Auch in der Politik werde dieser Ansteckungsweg zunehmend mehr beachtet, meint er. Vergangene Woche war der Gemündener im Gesundheitsausschuss des Deutschen Bundestags, um seine Erkenntnisse vorzustellen.

Seine Hauptkritik an einer Ausgangssperre, die nun ab einer Inzidenz von 100 gilt: Sie vermittele den falschen Eindruck, draußen sei es gefährlich. „Laut Epidemiologen führt die Ausgangssperre dann zu einem wesentlichen Erfolg, wenn die Leute alle rund um die Uhr zu Hause blieben“, sagt er. Deshalb verringere die nun erfolgte Verkürzung der nächtlichen Ausgangssperre von 21 auf 22 Uhr bis 5 Uhr noch den sowieso schon geringen Effekt.

„Gerade ist eine Studie der Universität Gießen erschienen, die herausgefunden hat, dass die nächtlichen Ausgangssperren in Hessen bisher überhaupt keinen Effekt auf die Inzidenzen gehabt haben“, sagt Scheuch.

Von Martina Biedenbach

28.04.2021
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