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Marburg Sanierungs-Segen statt Abriss-Sorgen in Marburg
Marburg Sanierungs-Segen statt Abriss-Sorgen in Marburg
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17:58 13.01.2021
Annika Nickol, Vorsitzende des TSV Ockershausen und die Vorstandsmitglieder Thomas Hahlgans (rechts) und Manuel Wörmann in der Turnhalle des Vereins: Nach Jahrzehnten steht eine Sanierung des maroden Gebäudes, vor allem des Dachs an.
Annika Nickol, Vorsitzende des TSV Ockershausen und die Vorstandsmitglieder Thomas Hahlgans (rechts) und Manuel Wörmann in der Turnhalle des Vereins: Nach Jahrzehnten steht eine Sanierung des maroden Gebäudes, vor allem des Dachs an. Quelle: Björn Wisker
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Ockershausen

Annika Nickol knipst das Licht an. Doch auch in der Helligkeit ist das Problem der Sporthalle nicht zu erkennen. Zumindest nicht auf den ersten Blick. Es braucht schon sie und den weiteren Vorstand des TSV Ockershausen, Thomas Hahlgans und Manuel Wörmann, um das Ausmaß der Schäden zu erkennen. Sie deuten mit den Fingern auf Stellen an den Wänden, vor allem unter dem Dach: Es ist die Feuchtigkeit, die sich über Jahrzehnte in den Mauern festgesetzt hat und das Gebäude im Inneren von Flecken übersäht. „Wenn das so weitergeht, hält das nicht mehr lange und unser Vereinssitz ist kaputt“, sagt Hahlgans.

„An diesem Gebäude“, sagt Nickol, „hängt das Herz des Vereins, hier hat er seine Geschichte geschrieben“. Über Jahrzehnte hätten Mitglieder immer wieder in Eigenleistung die Turnhalle, die Umkleiden, den Treffpunkt als solchen auf-, aus- und umgebaut. „Und jetzt drohen die Geräte der Turner und die Instrumente der Musiker zu verschimmeln, wie die Halle selbst kaputt zu gehen.“

Schuld daran ist das marode Hallendach, beständig dringt Feuchtigkeit ins Innere. Der TSV Ockershausen mit seinen 1000 Mitgliedern zählt zu den größten Marburger Vereinen, ist vielen etwa durch das jährliche Nikolausturnen bekannt. Die jüngste Aussicht auf einen Verlust der Vereins-Heimat – bis vor wenigen Wochen galt das alte Haus im Zwetschenweg als nicht-sanierungsfähig, ein Abriss stand im Raum – besorgt Nickol, Hahlgans und Co. „Sollte nicht umfassend renoviert werden, würden wir bald ohne Liegenschaft dastehen“, sagen sie. Angesichts der eh knappen Hallenflächen, der kaum verfügbaren Belegungszeiten in der Universitätsstadt würde das die Existenz des Vereins gefährden.

Und selbst wenn es den vom Magistrat in Aussicht gestellten Neubau geben sollte – der Verein würde eventuell verpflanzt. „Wir sind ein Stadtteilverein, hier verwurzelt und vernetzt. Wir wollen und können uns nicht losreißen, das wäre das Ende einer Tradition“, sagt Nickol.

Nach langem Zögern der Stadt: Abriss vom Tisch, Zusage für Sanierung

Dass es jetzt aber nach langem Zögern eine Zusage der Stadt zur Dachsanierung gibt, wertet der Vorstand ebenso wie der Ortsbeirat Ockershausen gar als einen seiner größten Erfolge der vergangenen Jahre. Denn: Der schleichende Verfall der Halle, die auch alles andere als energetisch ertüchtigt ist und Unmengen Heiz- und Stromkosten frisst, beschäftigt das Gremium seit Jahrzehnten. „Für den Mittelpunkt des gemeinschaftlichen und kulturellen Lebens im Stadtteil ist das ein unwürdiger Zustand“, sagt Ludwig Schneider, Ortsvorsteher.

Immer wieder sei man von der Stadtverwaltung vertröstet worden – bis zuletzt eben jenes städtische Schreiben kam, dass eine Sanierung wegen des maroden Zustands, der Statik des Gebäudes gar nicht mehr möglich wäre, und dem TSV einen Schrecken einjagte. „Dass Bauarbeiter nur anrücken würden, um die Halle abzureißen und eventuell neu aufzubauen, war ein ziemlicher Schock“, sagt Schneider. Einen, den er wie die anderen Ockershäuser Kommunalpolitiker so nicht hinnehmen wollten. Sie forderten eine Überprüfung der Statik – Ergebnis: Es kann ein neues Dach auf das Gebäude gesetzt werden, wenn auch erst in etwa fünf Jahren. Trotzdem: Ortsbeiratsmitglied Richard Kiefer bezeichnet die Wende als „echten Durchbruch“, als „nahendes Ende eines langen Kampfs“.

Mindestens eine halbe Million Euro werden die ersten Renovierungen kosten – was immer noch weniger Geld ist als das, was in den vergangenen Jahren wegen der energetischen Bilanz in das 1955 gebaute Haus gesteckt wurde. Insgesamt soll sich das künftige Sanierungsprojekt wohl im unteren Millionenbereich bewegen.

Wenn auch nicht in der Dorfmitte gelegen, so zählt diese bevorstehende Sanierung im Zwetschenweg für Kiefer doch zum „großen Wurf der Stadtteil-Aufwertung“, die vor allem im Bereich Stiftstraße/Hermannstraße/Ockershäuser Straße ansteht: Dort soll der Bereich rund um die Matthäuskirche baulich wie verkehrlich verändert werden (OP berichtete).

Nickol und Schneider wollen nun darauf drängen, dass die Summen für die kleine Zwetschenweg-Halle tatsächlich auch in die nächsten städtischen Haushalte eingestellt werden. „Ein Grundstein ist gelegt – auf dem Papier. Jetzt muss die Umsetzung kommen, denn die Zeit läuft“, sagt Nickol.

Von Björn Wisker