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Marburg E-Kirchen-Restaurierung kostet 6,7 Millionen Euro
Marburg E-Kirchen-Restaurierung kostet 6,7 Millionen Euro
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20:00 31.08.2021
Die Musterfläche im Hohen Chor (links) zeigt die angestrebte „neue und gleichzeitig bauzeitliche Fassung. Auf dem rechten Bild sind die stark verschmutzten Wand- und Gewölbeflächen des jetzigen Zustands in der Elisabethkirche zu sehen.
Die Musterfläche im Hohen Chor (links) zeigt die angestrebte „neue und gleichzeitig bauzeitliche Fassung. Auf dem rechten Bild sind die stark verschmutzten Wand- und Gewölbeflächen des jetzigen Zustands in der Elisabethkirche zu sehen. Quelle: Bildarchiv Foto Marburg
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Marburg

Eine Mammutaufgabe steht an, bei der die Elisabethkirche – eines der Marburger Wahrzeichen – eine Komplettsanierung der Innenschale erhält (die OP berichtete). Zwei internationale Expertenkommissionen und alle am Planungsgeschehen Beteiligten hätten sich nach intensiven Diskussionen dafür entschieden, die ursprüngliche Farbigkeit des Kirchenraumes aus dem 13. Jahrhundert wiederherzustellen, heißt es dazu in einer umfangreichen Presseerklärung des Landesamtes für Denkmalpflege. Das Ziel: Die Elisabethkirche soll nach drei Jahren Sanierungszeit innen im neuen Glanz erstrahlen und wieder so hell sein wie in den Anfangszeiten.

„Die Raumwirkung der Elisabethkirche in Marburg wird nach der unmittelbar bevorstehenden Restaurierung des Kirchen-Innenraumes eine andere sein“, meint Professor Markus Harzenetter, der Präsident des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen. „Wir haben uns für die Rekonstruktion der bauzeitlichen Raumfassung entschieden, deren rosa Grundton mit weißem Fugennetz an den Wand- und Gewölbeflächen sowie an den Pfeilern die Kirche sehr viel heller erscheinen lassen wird“, erläutert Harzenetter.

Weiß und Ocker gliedern den Raum

Wie in der ursprünglichen Fassung aus der Erbauungszeit der Kirche ab 1235 bis 1283 werden die den Raum gliedernden Elemente in Weiß und Ocker abgesetzt. Für die Neugestaltung könne man sich an den noch erhaltenen, großflächigen Befunden im gesamten Kirchenraum orientieren, ergänzt Bezirkskonservator Dr. Bernhard Buchstab vom Landesamt.

„Bei der aktuellen Raumfassung handelt es sich um stark verschmutzte, sehr dünnschichtige Lasuren der 1930er Jahre. Damals hat man frühere Fassungen abgenommen, um einen steinsichtigen Zustand herzustellen. Mit den ergänzenden Lasuren wurde der Versuch unternommen, Unregelmäßigkeiten in der Steinsichtigkeit zugunsten eines harmonischeren Erscheinungsbildes zu egalisieren“, ergänzt Buchstab.

Bischöfin freut sich auf die Sanierung

Die evangelische Landesbischöfin der Kirche von Kurhessen-Waldeck, Professorin Beate Hofmann, freut sich auf die Kirchensanierung und wünscht für das Vorhaben „gutes Gelingen und Gottes Segen“. Die Elisabethkirche sei ein Ort in Hessen, der für christlichen Glauben in Verbindung mit diakonischem Engagement steht und Menschen seit Jahrhunderten ein spirituelles Zuhause bietet, meint die Bischöfin.

Und Burkhard zur Nieden, Dekan des Kirchenkreises Marburg, macht deutlich, warum die Kirche ein einzigartiger Erinnerungsort von nationaler Bedeutung ist. „Die Elisabethkirche bildet ein außerordentliches kulturelles Erbe und ist Mittelpunkt einer sehr lebendigen, großen Kirchengemeinde“, meint der Dekan. Ihre reiche Geschichte gründe in der berührenden, überzeugenden Gestalt Elisabeths von Thüringen, die sich als Kind ihrer Zeit im Kontakt mit den Armutsbewegungen und in der Nachfolge Jesu den Armen und Kranken zugewandt habe.

Pfarrer Ralf Hartmann leitet den Gesamtverband der Evangelischen Kirchengemeinden in Marburg, dem das Land Hessen die Kirche im Jahr 1969 unter Beibehaltung der Baulastverpflichtung übereignet hat. Hartmann dankte dem Land Hessen für die Finanzierungszusage, dem Landesbetrieb Bau und Immobilien in Hessen für die engagierte und professionelle Planung, sowie dem Landesamt für Denkmalpflege und der kirchlichen Bauberatung für die kompetente fachliche Begleitung. „Ergänzend zu den Landesmitteln für die Sanierung des Gebäudes werden wir auch von kirchlicher Seite erhebliche Mittel investieren“, kündigte Hartmann an. Das gilt beispielsweise für die Restaurierung der beweglichen Kunstschätze und Teile der umfangreichen Lichtplanung.

Hintergrund: Der Sanierungsplan

Die Innenrestaurierung der Marburger Elisabethkirche wird etwa drei Jahre lang dauern. Voraussichtlich beginnen die Arbeiten an der Raumschale, die in drei Bauabschnitten erfolgen, Ende 2021. Insgesamt betragen die Kosten für die Innensanierung der Elisabethkirche nach Mitteilung des Landesamtes für Denkmalpflege 6,7 Millionen Euro. Dafür gibt es eine Finanzierungszusage des Landes Hessen.

In der Bauzeit „kann die Gemeinde den Kirchenraum weiter nutzen“, kündigen Inka Klee und Karl-Heinz Waschkowitz, Projektleiter beim Landesbetrieb Bau und Immobilien Hessen (LBIH), an. Und so sieht die zeitliche Abfolge aus: Zuerst müssen die wertvolle Ausstattung der Kirche sowie die mittelalterlichen Glasfenster aufwendig geschützt werden. Danach werden erst die Chöre und dann das Langhaus gereinigt und nach historischem Befund neu gefasst.

Am 26. November ist eine öffentliche Bürger-Informationsveranstaltung geplant. Im Rahmen von Kirchenführungen können sich Besucher jetzt schon in der Elisabethkirche ein Bild von der ursprünglichen Farbigkeit machen. Information: Küsterstube der Elisabethkirche, Telefon 0 64 21 / 6 55 73 oder www.elisabethkirche.de

Von Manfred Hitzeroth

31.08.2021
31.08.2021