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Marburg Neues Lichtkonzept und Grundreinigung für Wappenschilde
Marburg Neues Lichtkonzept und Grundreinigung für Wappenschilde
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13:00 12.12.2021
Dieses repräsentative Wappenschild vor dem Hintergrund eines mittelalterlichen Glasfensters erinnert in der Marburger Elisabethkirche an Landgraf Wilhelm II. (gestorben 1509).
Dieses repräsentative Wappenschild vor dem Hintergrund eines mittelalterlichen Glasfensters erinnert in der Marburger Elisabethkirche an Landgraf Wilhelm II. (gestorben 1509). Quelle: Thorsten Richter
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Vor allem für drei größere Vorhaben setzt sich der Verein „Freunde und Förderer der Elisabethkirche“ ein und sammelt Spenden: für die Sanierung der Wappenschilde, das Projekt Neuaufstellung der spätgotischen Altäre sowie ein neues Beleuchtungskonzept für den Innenraum.

Im Gespräch mit der OP erläuterte Vereinsvorsitzende Barbara Hesse, dass für 117 Wappenschilde aus der Zeit vom 13. bis zum 19. Jahrhundert dringend eine Sanierung erforderlich ist. 60 dieser Schilde hängen derzeit im Landgrafenchor in der Elisabethkirche, zehn Schilde gehören fest zur Ausstellung im Landgrafenschloss. Die restlichen Schilde liegen momentan in der Oberkapelle in der Kirche aufgestapelt und sind nahezu vergessen.

Nachdem die Gerüste für die große Raumsanierung aufgestellt sind, müssen auch die Schilde von den Wänden abgenommen werden, erläutert Hesse. Derzeit wird ein Inventar der Wappenschilde erstellt. Dann erfolgt die Bestandsaufnahme, wie der Gesamtzustand der Gegenstände ist. Davon hängt dann auch ab, wie viel Geld insgesamt benötigt wird. Bei geschätzten Kosten zwischen 600 Euro und 1200 Euro pro Stück geht man derzeit von Kosten von 75 000 Euro aus, die dafür aufgewendet werden müssen.

Wertvolle Gegenstände

Zwar seien die Schilde, die bisher an den Kirchenwänden gehangen haben, prinzipiell in einem guten Zustand. Allerdings müssen wahrscheinlich alle Schilde eine Grundreinigung erhalten, und bei den besonders filigranen und mit Holzschnitzereien verzierten Stücken aus der Barockzeit muss zudem wohl auch einiges ausgebessert werden.

Grundsätzlich gelten die Wappenschilde – 73 Originale und 44 Kopien – als kulturhistorisch besonders wertvolle Gegenstände der Erinnerungskultur, die einerseits Totengedenken und andererseits Erinnerungszeichen darstellen.

Zum einen handelt es sich dabei um die Schilde der hessischen Landgrafen, deren Grablege der Südchor beherbergt. Nach der Bestattung eines Fürsten wurde dessen Wappenschild in der Nähe des Grabmals aufgehängt, um zum Gebet für das fürstliche Seelenheil aufzufordern und den weltlichen Ruhm des Verstorbenen zu befördern, schreibt Simon Dietrich in einer Broschüre des Fördervereins.

Gewölbe soll erstrahlen

Eher einen anderen Zweck haben die mit Familienwappen geschmückten Schilde, die zu Ehren von Ritterbrüdern des Deutschen Ordens aufgehängt wurden, der die Kirche erbauen ließ. Diese Schilde sollten wohl den Übertritt der Adligen aus dem weltlichen in ein ganz dem Orden geweihtes Leben im geistlichen Stand dokumentieren.

Das neue Beleuchtungskonzept für die Elisabethkirche hängt integral mit der Sanierung der Raumschale zusammen. Wenn in drei Jahren die „große Sanierung“ fertig ist, soll ein modernes Lichtkonzept Wände und Gewölbe zum Strahlen bringen. Beispielsweise sollen anstelle von Kronleuchtern schwarz lackierte Pendelleuchten verwendet werden, die nach unten genügend Lichtstärke zum Lesen liefern und nach oben die Wände ausleuchten können. Das erläutert Tobias Sandner in der Infobroschüre. In den Leuchten verborgene Spots sollen zudem die einzelnen Kunstwerke noch separat anstrahlen können.

Das neue Beleuchtungskonzept soll für verschiedene Anlässe individuelle Verwendung finden, erläutert Bernhard Dietrich vom Förderverein: von Kirchenführungen über Konzerte bis hin zu Gottesdiensten. Es wird mit Kosten von bis zu 300 000 Euro gerechnet, die zu einem großen Teil aus Spenden finanziert werden müssen.

Rund 10 000 Euro kostet die Verlagerung von zwei spätgotischen Altären, die durch die Aufstellung direkt an den Wänden von Schimmelbefall gefährdet waren. Für diese Aufgabe, die dem Förderverein auch am Herzen liegt, gibt es jetzt Geld von der Sparkassen-Kulturstiftung.

Aber es gibt noch ein weiteres Projekt, für das Geld benötigt wird: einen virtuellen Kirchenrundgang, für den rund 40 Kurzfilme mit Texten erstellt werden. Kostenpunkt insgesamt: rund 4000 Euro. „Dieser virtuelle Rundgang könnte auch für Kirchenbesucher als Audioguide dienen“, freut sich Professor Harald Renz, stellvertretender Vorsitzender des Fördervereins.

Momentan laufe die Jahrhundertsanierung an, erläutert Renz. Es sei aber wichtig, nicht nur die Wände in der Kirche schön zu gestalten, sondern auch die neue Beleuchtung und die Neugestaltung der Wappenschilde sei sehr wünschenswert. „Das muss Hand in Hand gehen“, fordert Renz. Deswegen richtet er einen dringenden Appell an den Marburger Bürgersinn, für diese Projekte zu spenden, für die das Land Hessen nicht aufkommt, weil sie als „bewegliche Gegenstände“ nicht Bestandteil des Patronatsvertrags sind.

Von Manfred Hitzeroth