Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Marburg Sicherheit in Marburg zuerst: stärkere Stadtpolizei, schnellere Sauberkeit
Marburg Sicherheit in Marburg zuerst: stärkere Stadtpolizei, schnellere Sauberkeit
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
13:58 10.12.2020
Graffiti und Schmierereien in der Firmaneistraße: Die CDU gesteht Mängel bei der Sauberkeits-Offensive ein. Man will eine „Schnelle Eingreiftruppe“ beim DBM gründen, um das Stadtbild zu verbessern Quelle: Thorsten Richter
Anzeige
Marburg

„Es wäre unklug und unehrlich, für nächstes Jahr größere Projekte einzuplanen“: CDU-Fraktionschef Jens Seipp bezeichnet den vom Magistrat als Verwaltungsentwurf eingebrachten Haushalt für 2021 als „gewollt überraschungsfrei“. Wegen der weiterhin offenen finanziellen Folgen der Corona-Pandemie sei für das nächste Jahr praktisch der Haushalt des laufenden Jahres übernommen worden.

Dennoch: Man wolle vor allem die Stadtpolizei ausbauen, es brauche dort mehr Personal für eine Ausdehnung der Streifen, speziell spätabends und nachts. „Unsere Sicherheitskräfte können nicht an mehreren Stellen gleichzeitig sein. Sie müssten es aber eigentlich sein“, sagt Bamberger. Denn die Zahl der Problempunkte habe sich im Laufe der letzten ein, zwei Jahre erhöht. Es sei nicht mehr nur der Bereich zwischen Lahnterrassen und Hirsefeldsteg, Rudolphsplatz und Altem Botanischen Garten, an dem das Sicherheitsgefühl von Stadtbewohnern gelitten habe. Auch in der Nordstadt, rund um den Hauptbahnhof, komme es vermehrt zu „Geschehnissen, die wir unterbinden müssen“, wie Seipp sagt. Was er meint und wie die OP berichtete: Drogenkriminalität.

Anzeige

Mängel-Eingeständnis bei „Sauberkeitsoffensive“

Seipp und Bamberger gestehen bei einem anderen Ordnungsaspekt, der von ihrer Fraktion angekündigten „Sauberkeitsoffensive“, Mängel ein. Im Stadtbild habe sich – bezogen auf Graffiti an Gebäuden und Mauern, Aufklebern an Laternen und Stromkästen – zu wenig getan. „Das Erreichte ist nicht annähernd ausreichend“, sagt Bamberger und will im Dienstleistungsbetrieb (DBM) eine Art „Schnelle Eingreiftruppe Schmierereien“ gründen. Diese solle, sobald neue Verschandelungen gesichtet oder gemeldet werden, die Stellen reinigen, Schmierereien entfernen. Und zwar binnen Stunden oder Tagen, nicht erst nach Wochen.

Um mehr Verbindlichkeit zu schaffen, soll es einen Stadtbild-Pakt mit allen öffentlichen Einrichtungen – etwa Stadtwerken, vor allem aber der Graffiti-geplagten Philipps-Universität – geben. „Was nicht so bleiben kann: Die Denkweise, Schmierereien gehörten eben zu einer Unistadt. Denn so abgeranzt, wie Marburg ist, sieht es anderswo eben nicht aus“, sagt Bamberger.

Auch wenn die Feuerwehr in diesem Bereich wenig ausrichten kann, soll sie modernisiert werden: Neubau des Gerätehauses in Wehrshausen, der Wache in Cappel und Investitionen in Fahrzeuge und Ausrüstung. „Der Sanierungsstau in der Stadt ist enorm“, sagt Seipp und bezieht das nicht nur auf die Brandbekämpfer.

Vielmehr gelte der Befund für fast alle über die Stadt verteilten Verwaltungsgebäude, auch das Stadtbüro in der Frauenbergstraße, weshalb man einige Immobilien aufzugeben und zu verkaufen gedenke. Die Kernverwaltung könne so dann in einem Neubau, in einem technischen Rathaus zentralisiert werden. „Das hat nichts mit Palastbau zutun“, sagt Seipp. Vielmehr seien es energetische und technische Zwänge: Die Verwaltungsmitarbeiter könnten in vielen Bestandsgebäuden, nicht zuletzt wegen auf Denkmalschutz fußenden Umbauverboten, nicht zeitgemäß arbeiten.

Behringtunnel-Bau als Möglichkeit für verkehrsberuhigte Ketzerbach

Im Verkehrsbereich will die CDU zwar weg von einem Parkplatz-Fokus, wie er sie lange prägte. Aber an der Möglichkeit eines Behringtunnel-Baus zwischen Marbach und Stadtautobahn hält sie fest. „Schlicht, weil eine Lösung her muss.“ Den Pharmastandort mit langfristig rund 10 000 Beschäftigten und einer immer weiter wachsenden Flächenausdehnung sowie wachsendem Transportaufkommen, könne man nicht länger über enge Gassen wie Bahnhofstraße, Ketzerbach und Marbacher Weg anbinden.

Selbst die Kosten von geschätzt mehr als 200 Millionen Euro für einen Tunnel-Bau, nicht mal dessen faktische Auslastung, dürften daher kein Ausschlussgrund sein. Denn: „Was wir an Fläche, Qualität und Stadtgestaltungsmöglichkeiten gewinnen würden, wenn man den Bereich ab Elisabethstraße verkehrsberuhigen könnte, wäre enorm“, sagt Bamberger.

Jeder Behringtunnel-Gegner müsse daher die Frage beantworten, was die Alternative sowohl für Pendel- als auch Lieferverkehr sei. Etwa eine Anbindung über den Weißen Stein, durch den Wald bei Wehrda? „Wir können den zunehmenden Verkehr nicht raus-träumen“, sagt Bamberger in Bezug auf Rad- und Nahverkehrsvorschläge und die Tatsache, dass der Wirtschaftsstandort und der damit verbundene städtische Wohlstand sich nicht nur aus Marburg-Bewohnern speise.

Von Björn Wisker