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Marburg Die Katharsis: Sind die Mütchen gekühlt?
Marburg Die Katharsis: Sind die Mütchen gekühlt?
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19:58 09.08.2021
Bürgermeister Wieland Stötzel (CDU) – hier bei einer Stadtparlaments-Sitzung im Erwin-Piscator-Haus – soll nach dem Willen der linken Fraktionen im Parlament am 31. August abgewählt werden.
Bürgermeister Wieland Stötzel (CDU) – hier bei einer Stadtparlaments-Sitzung im Erwin-Piscator-Haus – soll nach dem Willen der linken Fraktionen im Parlament am 31. August abgewählt werden. Quelle: Archivfoto: Thorsten Richter
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Marburg

Zumindest versuchen die Kombattanten diesen Eindruck zu erwecken – wollen sie eine handlungsfähige Mehrheit im Stadtparlament haben, bleibt ihnen auch nichts anderes übrig.

Die CDU/FDP-Fraktion hat im Parlament 15 Sitze, ebenso wie die Grünen. Die SPD verfügt über 14 Mandatsträger, die Marburger Linke über 7 und die Klimaliste über 4. Bürger für Marburg haben 2 Sitze, die AFD und die Piraten sind mit jeweils einem Parlamentarier vertreten.

Als gemeinsames Pilotprojekt von Grüne, SPD und Klimaliste und Linke gilt nun die Abwahl am 31. August und am 29. September – ohne dass ein gemeinsames Programm fertig ist, ohne dass die personelle Zusammensetzung des Magistrats feststeht und ohne dass feststeht, ob die Marburger Linke Teil eines künftigen Regierungsbündnisses wird.

SPD-Fraktionschef Steffen Rink ist dennoch optimistisch. So etwas wie im Juli werde nicht noch einmal passieren. Die in solchen Zusammenhängen üblichen Vokabeln wie „freundschaftliche Zusammenarbeit“ und „Vertrauen“ kommen ihm aber nicht so leicht von den Lippen wie noch im Frühsommer. Rink bemüht eher das Wort von der „Katharsis“ – bei Google definiert als das „Sich befreien von psychischen Konflikten und inneren Spannungen durch emotionales Abreagieren“.

Für das „emotionale Abreagieren“– weniger vornehm formuliert: das Mütchen kühlen – hatten die Wunschpartner nun genügend Zeit. Nun steht die Frage an, in welcher personellen Konstellation die Partner den Magistrat bilden. Gesetzt ist Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies (SPD) als direkt Gewählter. Auch an einer künftigen Bürgermeisterin Nadine Bernshausen (Grüne) gibt es keinen ernsthaften Zweifel – vielleicht ein Problem angesichts des schlechten Verhältnisses der beiden zueinander.

Die dritte hauptamtliche Magistratin, Stadträtin Kirsten Dinnebier, hat sich in der Kinder- und Jugendpolitik außerordentlich profiliert. Inhaltlich gäbe es keinen Grund, auch sie loszuwerden. Bliebe eine Ausweitung der hauptamtlichen Magistratsstellen – was immer äußerst unpopulär ist – oder die Schaffung hoch angesiedelter Stellen in der Stadtverwaltung – etwa einen Klimamenschen, der alle Beschlüsse auf ihre Wirksamkeit prüft und der ein Vetorecht hat.

Von Till Conrad

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